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Trampelpfade und Müll : Wie Naturschutzgebiete in der Corona-Krise leiden

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Ich muss leider draußen bleiben: Das haben Hundebesitzer an und in der Schwanheimer Düne in Frankfurt zu beachten Bild: dpa

Naturschutzgebiete sind Lebensräume von selten und empfindlichen Pflanzen und Tieren. In Corona-Zeiten werden sie gerne auch zu Ausflugszielen und längst nicht jeder hält sich an die Regeln.

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          Ein Spaziergang in der Natur gehörte in den Zeiten der Kontaktsperre wegen der Corona-Pandemie zu den wenigen Abwechslungen im Freien. Beim Schlendern über die Wiesen oder dem Gassi-Gehen mit dem Hund wurden in den vergangenen Wochen aber nicht immer alle Regeln eingehalten. Nach Angaben der Regierungspräsidien in Hessen haben einige Naturschutzgebiete im Land in den vergangenen Wochen gelitten. Nicht jeder Ausflügler hat sich an die Regeln in den besonders geschützten Flächen gehalten. Resultat: Müll, Trampelpfade und noch Schlimmeres.

          In der knapp 60 Hektar großen „Schwanheimer Düne“ bei Frankfurt betraten nach Angaben des Regierungspräsidiums Darmstadt Ausflügler die empfindlichen Böden, veranstalteten Picknicks, nahmen Gelege aus Nistkästen oder verstopften deren Einfluglöcher. Andere fingen Eidechsen, Frösche oder Kaulquappen.

          Zelten, Grillen oder Radfahren verboten

          Eigentlich gibt es in dem Schutzgebiet mit seltenen Tier- und Pflanzenarten klare Regeln. Das Betreten der Wiesen ist genauso verboten wie die Tiere zu stören oder gar zu fangen. Besucher sollten den Bohlenweg benutzen. Feuer machen, Zelten, Grillen oder Radfahren sind verboten, Hunde sind an einer Leine zu führen, Pflanzen dürfen nicht gepflückt werden, teilte die Behörde über die klaren Regeln mit. Und die Düne sei nur eines von 344 Schutzgebieten in der Zuständigkeit des Regierungspräsidiums, dass in den vergangenen Wochen betroffen war. Eine flächendeckende Kontrolle sei da nicht möglich.

          Auch beim Regierungspräsidium in Gießen sind ähnliche Verfehlungen bekannt. So seien zum Beispiel im Naturschutzgebiet „Lahnaue“ zwischen Atzbach, Dutenhofen und Heuchelheim in den letzten Wochen neue Trampelpfade entstanden, die es vor der Corona-Krise nicht gab. Das Besucheraufkommen sei an allen Wochentagen stark gestiegen. Private Dienstleister seien zur Unterstützung der Naturschutzwacht unterwegs, um Sünder auf ihr Fehlverhalten aufmerksam zu machen. Diese hätten „von teilweise aggressiven Besuchern berichtet, die den Einsatz als eine übertriebene Gängelung durch staatliche Institutionen, neben den vielen Corona-Einschränkungen, einordnen“, teilte das Regierungspräsidium mit. Auch in anderen Schutzgebieten gebe es neue Trampelpfade und mehr Müll.

          Viel mehr Menschen in der Natur

          Gerade für die stadtnahen Naturschutz- und Waldgebiete bestätigt auch das Regierungspräsidium in Kassel diese Erfahrungen. Es werde ein Zusammenhang mit der Corona-Krise gesehen, da sich gerade in der Nähe größerer Städte ganz erheblich viel mehr Menschen in der Natur aufhalten, teilte ein Sprecher mit. In den eher ländlicheren Gegenden seien solche Fehlverhalten weniger ein Problem.

          Auch für die rund 130 Kilometer Deiche an Rhein und Main berichtete die Darmstädter Behörde in den vergangenen Wochen von Problemen. Ende April vermeldete das Regierungspräsidium, dass Schäden durch Besucher enorm zugenommen hätten. „Abgeladener Kompost, rücksichtslose Radfahrer oder nach Mäusen grabende Hunde, an den Deichen geparkte Autos oder sogar die Zerstörung von Vorrichtungen, die Greifvögeln als Sitzstangen dienen, stellen für die engagierten Mitarbeiter der Deichmeisterei ein Ärgernis dar“, heißt es in einer Mitteilung.

          Bei der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen sind solche Probleme nicht bekannt. „Es geht sehr geordnet zu“, sagte Inken Formann von der Verwaltung. Es gebe zwar fast doppelt soviel Müll, aber durch das gärtnerische Personal eben auch eine bessere Aufsicht.

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