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Eisbomben und Melonen : „Bären kommen mit Hitze gut zurecht“

Immer schön abkühlen: Bär Balou entspannt sich im Wasser. Bild: Bärenwald Müritz, Maria Andresen.

Während Menschen schwitzen, haben Bären eine Strategie: Sabine Steinmeier vom Bärenwald Müritz über Abkühlung an heißen Tagen und die Vorteile der Gemütlichkeit.

          3 Min.

          Frau Steinmeier, Bären haben ein sehr dickes Fell. Als Laie würde man denken, dass die Tiere unter der Hitze leiden. An welche Temperaturen sind Bären in ihrer natürlichen Umgebung gewöhnt?

          Das kommt darauf an, wo sie beheimatet sind. Wir haben europäische Braunbären, die ja schon hier heimisch sind. Die kennen diese Temperaturen also.

          Auch wenn es jetzt deutlich heißer ist als etwa vor 20 Jahren?

          Ja, die Tiere passen sich an. Tiere und Menschen leiden ja gleichermaßen unter der Hitze. Und unsere Bären haben große Gehege mit viel Wald und mehreren Teichen. Bei dem Wetter liegen sie im Schatten oder in einer Kuhle und dösen vor sich hin. Und sie baden sehr viel im Teich. Wir haben große Naturteiche, selbst angelegte Teiche, kleinere Badebecken. Es gibt also genug Möglichkeiten, um sich abzukühlen. Es gibt auch einen natürlichen Bachlauf, der durch drei Gehege fließt.

          Können Bären schwitzen? Oder hecheln wie Hunde?

          Sie schwitzen nicht wie ein Mensch. Deshalb ist es für einen Bären sehr wichtig, baden zu können, das ist seine Abkühlung. Man sieht das in den Sommermonaten: Da sind sie viel und häufig in den Teichen zu sehen. Manchmal liegen sie auch auf dem Rücken, relaxen und haben die Füße raushängen. Das sieht dann aus wie im Toten Meer.

          Haben Bären Sommer- und Winterfell?

          Ja. Wenn es zum Frühjahr, Sommer hingeht, verlieren sie ihr Fell, dann sehen sie manchmal aus wie gesprengte Sofakissen, bis der Fellwechsel durch ist.

          Menschen werden bei Hitze oft aggressiver. Merken Sie auch bei den Bären eine Charakterveränderung?

          Nein, eigentlich nicht.

          Bärenpflegerin Sabine Steinmeier
          Bärenpflegerin Sabine Steinmeier : Bild: Bärenwald Müritz, Maria Andresen.

          Sind Ihre Bären allein oder zu mehreren?

          Wir haben eine Dreiergruppe, mehrere Zweiergruppen und auch Einzelbären. In der Natur sind es zwar Einzelgänger, aber in Gefangenschaft hält man sie schon zu mehreren. Wir stellen die Gruppen so zusammen, dass die Bären sich verstehen. Nicht jeder Bär kann mit jedem Bären.

          Woher kommen Ihre 15 Bären?

          Alle aus nicht so guter Haltung. Manche aus dem Zirkus, manche aus kleineren Tierparks. Ein paar kommen aus Albanien, wo sie in kleinen Käfigen gelebt haben.

          Wie alt sind die Bären, die sie bekommen?

          Das ist unterschiedlich. In den ersten Jahren haben wir vor allem ältere Tiere bekommen, teilweise 25 oder 26 Jahre alt. In den letzten Jahren kamen dann die albanischen Bären dazu, das waren alles jüngere Tiere. Luna war vier oder fünf, Rocco war acht.

          Wie alt werden Bären?

          Durchschnittlich Mitte 30. Es gibt Fälle, auch in Deutschland, in denen ein Bär 41Jahre alt geworden ist, das sind aber Ausnahmen. In der Natur sind Bären mit Mitte 20 schon alt.

          Sie werden in Haltung also älter?

          Ja, weil man medizinisch viel machen kann. Die Hauptkrankheit ist Arthrose, dann haben sie Schmerzen und humpeln. Da helfen Medikamente. Unsere älteste Bärin ist 37 geworden.

          Es gibt viele Ausdrücke, die Tiere mit Hitze assoziieren, wie Affenhitze oder Bärenhitze. Woher kommt das?

          Das ist vom Menschen gemacht. Man darf nicht vergessen, dass die Bären deutlich besser mit Hitze zurechtkommen als wir. Während wir arbeiten müssen, können die sich in den Schatten legen und den ganzen Tag verdösen. Wir füttern Melonen und Eisbomben, das kühlt auch nochmal. Da kommen sie gut durch die Tage.

          Sie achten also darauf, dass die Tiere an heißen Tagen etwas anderes fressen?

          Ja, das geht uns ja nicht anders. Wassermelonen stehen bei Bären hoch im Kurs. Wir geben pro Bär eine Melone, aber fressen würden sie wahrscheinlich mehr.

          Was fressen Bären sonst?

          Die Hauptnahrung besteht zu 80 Prozent aus Obst und Gemüse und zu 20 Prozent aus Fleisch und Fisch.

          Und im Sommer gibt es Kühles dazu?

          Ja, Eisbomben. In einen Eimer kommen Nüsse, Möhren, Äpfel, Erdbeeren, Weintrauben – was gerade da ist. Dann kommt eine Schicht Wasser drüber, und der Eimer kommt für 24 Stunden ins Kühlhaus, bis alles schön durchgefroren ist. Das kann man etwas antauen und umstülpen, dann ist es eine richtige Eisbombe.

          Kann man von Bären etwa lernen, was die Hitze angeht?

          Einen Gang zurückzuschalten! Alles mit Ruhe und Gemütlichkeit machen und bei der Hitze nicht durch den Tag hetzen. Das wird ja auch Menschen empfohlen. Die Hitze schlägt auf den Kreislauf. Wenn man sich Tiere anschaut, ob das nun ein Bär ist oder ein anderes Tier, liegen die viel herum, schlafen viel. Andere Dinge machen sie eher morgens oder abends, wenn es nicht mehr so heiß ist.

          Bären würden also nicht auf die Idee kommen, in praller Sonne zu spielen?

          Nee, die ruhen.

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