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Weltbienentag : „Man darf die Wildbienen nicht vergessen“

  • -Aktualisiert am

Eine von Blütenstaub überzogene Biene fliegt neben einer Rapsblüte an einem Rapsfeld in der Region Hannover. Bild: dpa

Haben wir die Biene eigentlich schon gerettet? Forscherin Catrin Westphal erklärt im Interview, wie es um das Insekt steht, was es gefährdet und was man selbst für die Erhaltung der Biene tun kann.

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          Frau Westphal, Sie forschen an der Universität Göttingen unter anderem zu Biodiversität. Welche Rolle spielen da die Bienen?

          Bienen weisen nicht nur eine große Artenvielfalt auf, sondern erfüllen auch wichtige Funktionen in landwirtschaftlichen Systemen. Wildbienen sind dabei eine zentrale Gruppe, weil sie die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen übernehmen. Manche Kulturpflanzen wie zum Beispiel der Kaffee oder Apfel profitieren davon, wenn sie nicht nur von einer Wildbienenart besucht werden, sondern von vielen verschiedenen, also einer größeren Vielfalt. Manchmal müssen auch bestimmte Bestäuber vorbeikommen. Die Ackerbohne zum Beispiel braucht langrüsselige Hummeln, die nicht mehr so häufig vorkommen.

          Insgesamt profitieren ungefähr 75 Prozent der Kulturpflanzen von der Bienenbestäubung, Bienen  haben also eine hohe ökonomische Bedeutung auch für die Landwirtschaft. Daher sollte es auch in ihrem Interesse sein, aktiv für den Bienenschutz einzutreten.

          Viele kennen vor allem die Honigbiene. Der scheint es nicht so schlecht zu gehen, laut dem Deutschen Imkerbund steigt seit 2012 die Zahl der Honigbienenvölker und auch die Zahl der Imker selbst. Das Hobby Imkern wird immer beliebter. Ist das Bienensterben also ein Mythos?

          Tatsächlich ist die Honigbiene eine Art, die zumindest hier bei uns selten natürlich vorkommt. Insgesamt gibt es in Deutschland über 500 Bienenarten und sehr viele davon sind auf der Roten Liste. Es gibt Studien aus Großbritannien und den Niederlanden, die zeigen, dass die spezialisierten Bienenarten zurückgehen und damit auch die Pflanzen, die von Bienen bestäubt werden. Das sind parallele Rückgänge.

          Für den Raum Göttingen haben wir Daten mit Zahlen aus den neunziger Jahren verglichen und konnten zeigen, dass mit Landnutzungsveränderungen, also einer Verringerung der Strukturvielfalt der Landschaft, auch die Artenzahlen von Wildbienen zurückgehen. Das Problem ist aber, und deshalb bin ich mit Zahlen vorsichtig, dass man Vorher-Nachher-Daten braucht. Oft sind diese nicht verfügbar. Deshalb gibt es auch die Idee, ein deutschlandweites Monitoring für Insekten zu machen, auch für Bienen, um die Bestandsentwicklung dingfest zu machen.

          Catrin Westphal forscht zur Kulturpflanzenbestäubung durch Bienen.

          An diesem Mittwoch ist der dritte Weltbienentag – was hat sich in Deutschland seit seiner Einführung getan?

          Viel! Für die Honigbiene ist mit dem „Bienensterben“ eine große Lobby erwachsen. Mit dem relativ neu aufgelegten Aktionsprogramm Insektenschutz des Umweltministeriums haben nicht nur Wildbienen, sondern auch andere Insekten große Aufmerksamkeit erfahren. Das Programm der Bundesregierung ist relativ einzigartig und eine Reaktion auf die sogenannte Krefelder Studie aus dem Jahr 2017, die gezeigt hat, dass es bis zu 75 Prozent Biomasseverluste an Insekten in deutschen Naturschutzgebieten gab. Das war ein Weckruf. Aber die Datenverfügbarkeit muss eben da sein, und man darf die Wildbienen nicht vergessen: Sie haben andere Ansprüche als Honigbienen.

          Was brauchen Wildbienen?

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