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Schwere Zeiten für Tierheime : „Da schlägt ein Herz“

  • -Aktualisiert am

Monty sucht noch ein neues Zuhause. Bild: David Rech

Der Lockdown hat die Nachfrage nach Haustieren nach oben getrieben. Doch Tierheime sind über diese Entwicklung keineswegs glücklich – sie befürchten, dass mehr Tiere ausgesetzt werden, sobald die Maßnahmen enden.

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          Der Abschied fällt schwer. Der kleine Mischlingshund Holger versteckt sich zwischen den Beinen seiner Gassigängerin. Erstmal ein Leckerli, dann muss Holger zurück ins Frankfurter Tierheim. Es ist ein nasser Nachmittag Mitte Dezember, ein paar Tage vor dem Lockdown. Vieles hat sich hier in den vergangenen Monaten verändert.

          Simone Faust, stellvertretende Leiterin des Tierschutzvereins Frankfurt, blickt auf ein schwieriges Jahr zurück. In 40 Jahren Tierschutzarbeit hat sie schon einiges erlebt. Geschichten von Tierleid kann sie viele erzählen. Das Corona-Jahr war aber selbst für eine erfahrenen Tierpflegerin wie sie eine besondere Herausforderung.

          Mit der Pandemie ist eine neue Bewohnerin in das Tierheim eingezogen: die Angst. Sie ist zum ständigen Begleiter geworden. Da wäre die Angst um die eigene Gesundheit und die der Menschen um einen herum, aber auch die Angst, durch Krankheitsfälle oder Quarantäneverordnungen die 500 Tiere, die hier im Tierheim leben, nicht pflegen zu können. Und dann wäre da noch die Angst vor den kommenden Monaten und den Folgen der Pandemie für die Tiere.

          Simone Faust ist stellvertretende Leiterin des Frankfurter Tierschutzvereins.
          Simone Faust ist stellvertretende Leiterin des Frankfurter Tierschutzvereins. : Bild: David Rech

          Etwa 400 Kilometer Luftlinie vom Frankfurter Tierheim entfernt liegt das größte Tierheim Europas. Hier sind die Folgen der Corona-Zeit schon jetzt zu spüren. Auf einer Fläche von 22 Fußballfeldern leben im Tierheim Berlin mehr als 1300 Tiere. „Corona bringt das Beste und das Schlechteste im Menschen hervor“, sagt Beate Kaminski vom Berliner Tierheim am Telefon. Der illegale Welpenhandel boome, die Nachfrage sei seit Beginn der Pandemie so groß wie nie. Zwei Klicks im Internet, und schon habe man ein Haustier. Oft kommen die Tiere aber nicht von verantwortungsbewussten Züchtern, sondern stammen aus „Qualzuchten“, sagt Kaminski. Nun landen immer mehr kranke Welpen bei ihr im Tierheim. Die Befürchtung, dass mehr Tiere ausgesetzt oder abgegeben werden, sobald der Lockdown vorbei ist und die Menschen wieder im Büro arbeiten und in Urlaub fahren, ist groß. „Da schlägt ein Herz“, sagt Kaminski leise ins Telefon.

          Tiere zum „ausleihen“

          Die erhöhte Nachfrage spürt auch Simone Faust in Frankfurt. „Es ist ganz schlimm“, sagt sie und erzählt von den vielen E-Mails und Anrufen, die den Tierschutzverein erreichen. Viele Anfragen seien unüberlegt. Viele wollten ein Tier nur für die Zeit des Lockdowns „ausleihen“, so Faust. „Sie sagen, das Tier hat es ja schön dann“, sagt Faust und schüttelt den Kopf. Danach sollen sie wieder ins Tierheim. Mit solchen Anfragen kommen die Menschen bei Tierschutzvereinen meist nicht weit. „Die Tierpfleger haben ein Gespür dafür“, sagt Beate Kaminski, die ähnliche Geschichten aus Berlin erzählen kann.

          Doch auch der Corona-Zeit können beide Frauen Positives abgewinnen. Einen Vermittlungsstop hat es im Frankfurter Tierschutzverein nicht gegeben. Zwar wurde das Tierheim für den normalen Besucherverkehr geschlossen, vermittelt wurde weiter, jedoch nur mit Termin. Dadurch ist die Suche zielgerichteter geworden und oft wisse man schnell, wer es auch wirklich ernst meint. Besonders für die Hunde sei das eine positive Entwicklung. Der normale Besucherverkehr war für viele Tiere immer mit viel Aufregung verbunden. Weniger Besucher und Besuche nur nach Termin bedeutet für sie weniger Stress. „Das werden wir so beibehalten“, sagt Faust. Wie vielerorts hat die Pandemie die Digitalisierung auch in Tierheim vorangetrieben. Vorbesuche der Tierpfleger bei Interessenten laufen nur noch über Skype. Das spart auch Anfahrtswege. 

          Tierheime verlieren an Sichtbarkeit

          Durch fehlende Veranstaltungen sei es für die Vereine schwierig, auf sich aufmerksam zu machen.„Wir haben in der Gesellschaft an Sichtbarkeit verloren“, sagt Kaminski. Das spiegele sich auch in weniger Geld- und Sachspenden wieder. Gleichzeitig ist sie dankbar über einen harten Kern an ehrenamtlichen Helfern, die auch in Zeiten der Pandemie dort angepackt haben, wo es nötig war. Wenn es Ausfälle durch Krankheit gegeben hat, war immer Hilfe da.

          Auch in Frankfurt erinnert sich Faust lieber an die schönen Erfahrungen in diesem Jahr. Kurz vor Weihnachten erreichte das Tierheim mehr Sachspenden als sonst. Große Säcke voller Decken, Spielzeug und Futter wurden abgeliefert.

          Kaum ist der kleine Holger wieder im Tierheim, nimmt die freiwillige Gassigängerin den nächsten Hund entgegen. An der Leine läuft jetzt Tommi, ein schwarzer, aufgeweckter Spitzmix. „Ich habe mich schon einige Male verliebt“, sagt die Gassigängerin, streichelt Tommi über den Kopf und verschwindet mit ihm im Regen.

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