https://www.faz.net/-gum-9kmhx

Frankfurter Phänomen : Wanderstute Jenny sorgt für Furore

  • Aktualisiert am

Täglicher Spaziergang: Araberstute „Jenny“ beschnuppert das Kind von einem Passanten. Bild: dpa

Ein weißes Pferd allein am Mainufer - immer wieder bekommt die Polizei Frankfurt deswegen Anrufe. Doch die Beamten bleiben gelassen: Pferdedame Jenny ist inzwischen weit über die Stadt hinaus bekannt.

          Jeden Morgen öffnet Werner Weischedel (79) ein halbhohes Stahlgatter und lässt Araberstute Jenny aus ihrem Stall im Frankfurter Stadtteil Fechenheim. Dann spaziert das Tier hufklappernd über das Kopfsteinpflaster der Fußgängerzone in Richtung des Landschaftsschutzgebietes am Mainufer. Seelenruhig knabbert sie dort an Sträuchern und Gebüschen, Passanten grüßen sie freundlich. Die Polizei hat mit dem freilaufenden Tier kein Problem. Seitdem Jenny über Berichte auch im Internet bekannt ist, sorgen sich aber Tierschützer. Zuvor hatten mehrere Medien über das ungewöhnliche Pferd berichtet.

          Der 32 Jahre alte Raphael Wöllstein, der mit Kinderwagen und zwei Hunden unterwegs ist, freut sich über die Begegnung: „Guten Morgen“, sagt er und streicht Jenny über den Hals. „Seit Jahren läuft sie hier durch. Ich finde das toll.“ Auch seine Hunde sind begeistert und begrüßen das Tier schwanzwedelnd.

          Kontaktdaten um den Hals

          Dass die Spazierstrecke der Stute an den Straßenbahngleisen entlangführt, ist laut Halter Weischedel kein Problem. Passiert sei in 14 Jahren noch nie etwas. Die Straßenbahnfahrer kennen sie und machen extra langsam. Einer habe sie laut ihrem Besitzer sogar einmal über den Außenlautsprecher begrüßt: „Jenny, machst du uns mal bissche’ Platz.“ Eine Straße muss Jenny auf ihren kilometerlangen Wanderungen nicht überqueren.

          Trotz eines Schildes mit Weischedels Kontaktdaten um den Pferdehals rufen regelmäßig besorgte Bürger bei der Polizei an, denen das vermeintlich herrenlose Tier auffällt. „Wir mussten noch nie tätig werden“, sagt Polizeisprecherin Isabell Neumann. Höchstens eine kurze Nachfrage bei ihrem Besitzer, ob Jenny dort tatsächlich unterwegs ist, sei manchmal fällig.

          Wichtige Hinweise: Eine Tafel klärt über Jenny auf. Bilderstrecke

          Den Kontakt mit anderen Tieren und Menschen genießt die 22 Jahre alte Stute. Besonders seit Charly, ihre langjährige Weggefährtin und früher das zweite Pferd in Weischedels Stall, vor einem halben Jahr an Krebs gestorben ist. Nur einmal habe es einen Zwischenfall mit einem freilaufenden Schäferhund gegeben, sagt der 79 Jahre alte Pferdebesitzer. „Der wollte ihr an die Hinterbeine gehen, da hat sie ihm eine geflammt, der ist geflogen bis in die Brombeerhecke.“ Vom Wetter lässt sich Jenny nicht abschrecken. Mit der richtigen Decke ausgerüstet geht es auch bei Regen nach draußen. Nach Hause kommt sie am Nachmittag von ganz alleine: „Sie weiß, dann ist ihr Futter im Trog“, erklärt Weischedel.

          Videos über das wandernde Pferd wurden im Internet schon hunderttausendfach angeklickt. Die Kommentare im Netz sind allerdings nicht nur positiv. Tierschützer kritisieren, dass Jenny ohne Artgenossen unterwegs ist und für sich und andere möglicherweise eine Gefahr darstelle. Doch Jenny kümmert das alles nicht. Sie zieht weiter gemütlich ihre Runden.

          Weitere Themen

          Kontrollierte Verzückung

          Klarinettenvirtuose : Kontrollierte Verzückung

          Ein stiller Weltstar zu Gast in Frankfurt: Klarinettist Rolf Kühn ist bei Jazz im Palmengarten Musiker und Zeitzeuge zugleich. Er ist einer der wenigen deutschen Musiker, die auch in Amerika erfolgreich waren und trotzdem zurückkehrten.

          Noch viele Fragen offen

          Utrafeinstaub : Noch viele Fragen offen

          Experten informieren in einer Anhörung in Frankfurt über kleinste Partikel aus dem Abgasstrahl von Flugzeugen. Genauere Angaben zur Schädlichkeit der ultrafeinen Partikel können sie derzeit jedoch nicht liefern, denn dafür ist weiterer Aufwand notwendig.

          Topmeldungen

          Sowohl Trump als auch Johnson winken mit ihrem zerstörerischen Potential. Nur schätzen sie ihre Position falsch ein.

          Schwäche der EU? : Boris Trump

          Sowohl Trump als auch Johnson verschätzen sich: Man kann aus den Wechselbeziehungen der globalisierten Welt nicht in Trotzecken fliehen und dabei nachhaltige Gewinne machen. Europa ist da in einer stärkeren Position.

          Axel Voss auf der Gamescom : Zu Gast bei Feinden

          Der EU-Abgeordnete Axel Voss ist die Hassfigur der Youtuber und Gamer. Mit der Reform des Urheberrechts hat er die Szene gegen sich aufgebracht. Sein Besuch auf der Spielemesse Gamescom lief dann aber anders als erwartet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.