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Vogel in Gefahr : Warum es dem Rotmilan schlecht geht

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Sein volkstümlicher Name Gabelweihe weist auf das untrügliche Kennzeichen von „Milvus milvus“ hin: den gegabelten Stoß (Schwanz), der oben wie ein Teil des übrigen Gefieders rotbraun gefärbt ist. Bild: Carl-Albrecht von Treuenfels

Er ist der heimliche Wappenvogel Deutschlands, doch der Rotmilan-Bestand ist stark gefährdet. Die Gründe dafür liegen nicht nur in der Natur, sondern sind auch menschengemacht.

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          Einen Rotmilan kann man bei seinem Suchflug am Himmel leicht von anderen Greifvögeln wie dem Mäusebussard, dem selten sichtbaren Habicht oder der Rohrweihe unterscheiden. Sein volkstümlicher Name Gabelweihe weist auf das untrügliche Kennzeichen von „Milvus milvus“ hin: den gegabelten Stoß (Schwanz), der oben wie ein Teil des übrigen Gefieders rotbraun gefärbt ist. Die bis auf den grauen Kopf leuchtende Farbe und die markante Form des Stoßes, den der Vogel beim Fliegen als bewegliches Steuerinstrument einsetzt, hat zu beiden Namen geführt.

          Nur mit einem nahen Verwandten kann man ihn beim flüchtigen Hinsehen verwechseln: Der Schwarzmilan (Milvus migrans), mit 50 bis 58 Zentimeter Körperlänge rund zehn Zentimeter kleiner als der Rotmilan, hat einen schwächer eingekerbten Stoß und dunkelbraune Gefiederfarben. Er wird deshalb auch Brauner Milan genannt. In manchen Gegenden Deutschlands lassen sich beide Arten gleichzeitig beobachten. Rund um den Bodensee, im baden-württembergischen Hegau, im Harzvorland und in der Altmark gibt es noch größere Konzentrationen beider Milane. Auch in der Schweiz fühlen sich beide Arten wohl.

          Während der Schwarzmilan mit seinen sechs Rassen ein weites Verbreitungsgebiet von Mitteleuropa, Afrika, dem Nahen Osten bis nach Asien hat und selbst in Japan anzutreffen ist, konzentriert sich der Rotmilan auf Mittel- und Südeuropa sowie Teile Vorderasiens. Deutschland spielt eine besondere Rolle für den Rotmilan. Hier brüten zwischen 12.000 und 18.000 Paare. Das sind doppelt so viele wie Schwarzmilane – und es ist mehr als die Hälfte des Weltbestands, der auf 19.000 bis 25.000 Paare beziffert wird. Kein anderer Brutvogel hat in Deutschland dieses Alleinstellungsmerkmal.

          Brutzeit in Deutschland wird gefährlicher

          Das zweitwichtigste Land für die Rotmilane ist Spanien. Dort verbringen viele die Wintermonate, ehe sie von Ende Februar an in ihre nördlichen Brutgebiete zurückkehren. In jüngerer Zeit bleiben jedoch immer mehr Rotmilane im Winter in Deutschland. Bis zu 1500 Vögel ziehen nicht mehr nach Süden und bilden abends an bevorzugten Orten in Bäumen Schlafgesellschaften, auch in Frankreich. In England, wo der Rotmilan dank Ansiedlungsprojekten wieder heimisch ist, zieht er im Winter ebenfalls nicht mehr fort. Aber der Aufenthalt zur Brutzeit in Deutschland wird für die „Königsweihe“ unwirtlicher und gefährlicher.

          Felder und Wiesen geben immer weniger Nahrung her. Ratten, Mäuse, Maulwürfe, Feldhamster, Junghasen, Reptilien, kleine Vögel, Regenwürmer, Fische von Gewässeroberflächen und schließlich Aas: Eigentlich ist die Nahrungspalette vielseitig genug zum Überleben der Altvögel und sollte auch zum Aufziehen der zwei bis vier Jungen im Baumhorst ausreichen. Aber so wie die Geflügelhaltung in den Dörfern abgenommen hat, dank derer sich die „Hühnergeier“ früher bedienen konnten, so wenig lebende Beute bieten die schon zeitig im Jahr hoch und dicht gewachsenen Weizen-, Gersten-, Raps- und Maiswüsten auf den großen landwirtschaftlichen Flächen. Auf den mit Einheitsgras bewachsenen Wiesen lässt sich allenfalls nach der Mahd der Kadaver eines tödlich verletzten Rehkitzes oder Junghasen finden. Heuschrecken oder andere Großinsekten suchen Milane und andere Vögel dort oft vergebens.

          Neben der prekären Ernährungslage, die nicht selten zur Folge hat, dass manche Jungmilane während ihrer siebenwöchigen Nestlingszeit in ihren Horsten verhungern, ist eine Gefahr herangewachsen, die immer mehr Opfer besonders unter den Rotmilanen verursacht: die kontinuierlich zunehmende Zahl von Windkraftanlagen, deren Rotoren zudem immer größer werden. Die Staatliche Vogelschutzwarte des Landesamts für Umwelt in Brandenburg sammelt seit 2002 Daten von Vögeln und Fledermäusen, die an Windkraftanlagen verunglückt sind – für Deutschland und, soweit verfügbar, auch für Europa. Obwohl die Datenbank nur einen Bruchteil der tatsächlich verunglückten Tiere enthält, sind die bis Januar 2019 veröffentlichten Zahlen erschreckend.

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