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Urteil in Frankreich : Der Hahn darf weiter singen

Bild: dpa

Ein Rentnerehepaar hatte in Frankreich gegen morgendliche Ruhestörung geklagt, weil ein Hahn direkt neben ihrer Ferienwohnung kräht. Jetzt entschied ein Gericht: Urlauber können den Bewohnern der Insel Oléron nicht ihre Ruhevorstellungen diktieren.

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          Der morgendliche Hahnenschrei bleibt auf der französischen Ferieninsel Oléron erlaubt. Dem wohl bekanntesten aller gallischen Hähne, Maurice, wurde am Donnerstag vor Gericht ausdrücklich gestattet, zum Sonnenaufgang sein „Kikeriki“ (auf französisch: Cocorico) durch die Nachbarschaft schallen zu lassen. Ein Rentnerehepaar hatte gegen die morgendliche Ruhestörung geklagt und verlangt, dass Hahn Maurice den Hühnerstall auf der Insel binnen zwei Wochen verlassen müsse. Doch die Richter in Rochefort entschieden, dass Hahnenschreie zum ländlichen Leben auf Oléron gehörten und deshalb nicht verboten werden könnten.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Auf der Insel an der Atlantikküste schwankt die Zahl der Bewohner stark. Im Winter ist die Insel von 23.000 Menschen bewohnt, in den Sommermonaten wächst die Zahl auf mehr als 200.000 an. Die Kläger, die auf der Insel an der Atlantikküste eine Ferienwohnung haben, wollten „nur Ruhe und Frieden“, wie ihr Anwalt betonte. „Schließlich handelt es sich um eine Wohnsiedlung, wir sind hier nicht auf dem Land“, sagte der Anwalt.

          Doch der Bürgermeister des Inselortes, Christophe Sueur, sieht das anders. „Wir haben hier immer mit Tieren, Gemüsegärten und eben auch Federvieh gelebt“, sagte er. Die Urlauber könnten den ständigen Bewohnern nicht ihre Ruhevorstellungen diktieren. Bei der Gerichtsanhörung Anfang Juli waren Nachbarn der verklagten Hahn-Besitzerin mit ihren eigenen Hähnen und Hennen erschienen, um „Solidarität mit Maurice“ einzufordern. „Das Land lebt und macht Lärm – der Hahn auch", hatte ein Halter auf ein Pappschild geschrieben.

          Die Besitzerin von Maurice, Corinne Fesseau, äußerte: „Wenn mein Hahn sprechen könnte, würde er sagen: lasst mich in Ruhe singen!“ Im Französischen „kräht“ der Hahn nicht, er „singt". Gegen das Singen könne doch niemand etwas haben, meinte Fesseau, die selbst gerne Lieder trällert. Die Französin lebt bereits seit 35 Jahren auf Oléron und hat seit einigen Jahren eine kleine Hühnerzucht. Der Hühnerstall liegt nur wenige Meter vom Schlafzimmer der Kläger entfernt. Eine außergerichtliche Einigung scheiterte. Das Gerichtsverfahren gegen den Gockel erregte in ganz Frankreich Aufsehen, der Hahn ist schließlich Wappentier des Landes. Der Streit symbolisiert den Konflikt zwischen Landbewohnern und Urlaubern. Ein Bürgermeister hat bereits einen Antrag bei der Unesco eingereicht, um ländliche Geräusche als „nationales Kulturerbe“ unter Schutz stellen zu lassen.

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