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„Tiger King“ : Tierschützerin bekommt Privatzoo zugesprochen

Auf zu neuen Ufern: Jeff Lowe will einen neuen Zoo eröffnen. Bild: dpa

Damit haben wir „Tiger-King“-Zuschauer wirklich nicht gerechnet: Joe Exotics Raubkatzenzoo geht in den Besitz seiner persönlichen Nemesis über. Damit nimmt ein ohnehin schon dramatisches Drama die dramatischstmögliche Wendung.

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          Die unübersichtliche Geschichte um Auftragsmord, Drogen, interessante Beziehungskonzepte, abgebissene Gliedmaßen, sonstige Kollateralschäden und Raubkatzen, die als True-Crime-Dokumentation unter dem Titel „Tiger King“ auf Netflix lief und von Millionen staunenden Zuschauern atemlos verfolgt wurde, geht in eine neue Runde. Wir erinnern uns: Joe Exotic, als „Besitzer eines Privatzoos“ in Oklahoma nur unzureichend beschriebener Monarch über ein Königreich, in dem es weder Mensch noch Tier besonders gutging und über das ständig neue schmutzige Geschichten ans Licht kommen, kuriert gerade in einem Gefängniskrankenhaus Corona aus. Er wird beschuldigt, er habe seine persönliche Nemesis – Erzfeindin ist ein zu schwacher Begriff –, die Tierschützerin Carole Baskin, per Auftragskiller ermorden wollen. In der Zwischenzeit übernahm der „Geschäftsmann“ Jeff Lowe die finanziell schlingernde Ansammlung an Gehegen und managte sie mit seiner Gattin und einer ausnehmend gutaussehenden Babysitterin, vermutlich auch das ein interessantes Beziehungskonzept, man weiß es nicht.

          Und jetzt die Bombe: Carole Baskin, so entschied ein Richter am Montag, bekommt Joe Exotics Zoo zugesprochen. Man möchte an dieser Stelle eine dramatische Pause einfügen, um dieser Nachricht den gebührenden Hallraum zu verschaffen, und sie am besten gleich wiederholen, weil diese Wendung nun wirklich die dramatischstmögliche ist: Carole Baskin bekommt Joe Exotics Zoo zugesprochen. Dazu gehören umgerechnet etwa sechseinhalb Hektar Land, alle Gebäude sowie Fahrzeuge.

          Raubkatzenschützerin Carole Baskin

          Allerdings nicht die Tiere, die in Exotics engen, gekärcherten Gehegen leben mussten, Abfall fraßen, ständig Nachwuchs produzierten, der mit der Hand aufgezogen wurde, damit die Besucher etwas zum Kuscheln haben. Das Gericht gibt den momentanen Verwaltern, ein undurchsichtiges Konstrukt um Jeff Lowe und Exotics Mutter, genau 120 Tage Zeit, um das Gelände zu räumen und die Tiger mitzunehmen. Grund des Urteils war ebenjenes undurchsichtige Konstrukt inklusive der Überschreibung an Exotics Mutter, die der Richter als nicht rechtens ansah. Jeff Lowe, so sagte ein Sprecher Lowes dem Sender CNN, fokussiere sich nun darauf, einen „Tiger King Park“ in Thackerville, ebenfalls Oklahoma, zu eröffnen.

          Wer nun gehofft hat, Exotics Tiger dürften bald in Baskins „Big Cat Rescue“-Raubkatzenparadies umziehen und den ganzen Tag zwar immer noch hinter Zäunen, aber immerhin nach Lust und Laune durch Büsche streifen und in Seen planschen, den enttäuscht diese Entscheidung natürlich. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt: Die finale Wendung in dieser an Wendungen reichen Geschichte ist womöglich noch längst nicht genommen, bevor sie mit Nicholas Cage verfilmt wird (ja, das auch noch). Wir drücken den Tigern weiterhin die Daumen, dass wenigstens für sie alles gut wird.

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