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Schwerin : Tierschützer mobilisieren gegen Elefanten bei Festspielen

Sonni Frankello führt Elefantenkuh Mala und einige ihrer Artgenossen zum täglichen Training. Tierschützer wollen verhindern, dass Mala bei den Schlossfestspielen in Schwerin auf die Bühne kommt. Bild: dpa

In Schwerin tobt ein Streit über den Auftritt eines Elefanten bei den Schlossfestspielen. Tierschützer laufen Sturm, doch Theaterintendant und Elefantenbesitzer geben sich unbeeindruckt.

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          Am 8. Juli haben in Schwerin die diesjährigen Schlossfestspiele Premiere. 22 Mal wird in den folgenden Wochen Verdis Oper „Aida“ auf dem Alten Garten vor dem Schweriner Schloss gegeben. Dabei sein werden auch ein afrikanischer Elefant und zwei Kamele – was vielen Besuchern als Attraktion gilt, mehr als Sänger, Musik und Kulisse. Schon einmal, 1999, gab es „Aida“, und auch damals mit Elefant und Kamelen. Die Tiere lebten während der Festspielzeit auf einem Rasenstück gleich neben dem Theater. Das wäre heute undenkbar.

          Frank Pergande
          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Denn heute gibt es Proteste gegen den Einsatz der Tiere. Die Tierschutzorganisation Peta – und mit ihr die Organisationen Animal Public, Bund gegen den Missbrauch von Tieren, Elefantenschutz Europa, Pro Wildlife und Vier Pfoten – fordert in einem zweiseitigen Schreiben an den Generalintendanten des Mecklenburgischen Staatstheaters, Joachim Kümmritz, auf den Einsatz der Tiere zu verzichten. Er sei gefährlich, lautet die Begründung. Weiter unten in dem Brief kommen auch andere Argumente zur Sprache. So ist zu lesen, dass dieser Elefant „genau wie fast alle Showelefanten in Deutschland um ein erfülltes Leben mit Nachwuchs und langen Wanderungen in freier Natur“ gebracht worden sei. Showelefanten seien „nur noch ein seelisch gebrochener Schatten ihrer stolzen Artgenossen in freier Wildbahn“.

          Briefe mit fast gleichlautendem Inhalt gingen auch an die Schweriner Stadtvertreter – mit Erfolg. Inzwischen gibt es einen Beschluss, dass ein Zirkus mit Wildtieren im Programm keine Standgenehmigung mehr bekommt. Das ist nicht neu, auch aus den Bundesländern gab es immer wieder Vorstöße, ein Wildtierverbot gesetzlich durchzusetzen, bislang ohne Erfolg. In Schwerin wird in sozialen Netzwerken mit Aktionen während der Schlossfestspiele gedroht. Außerdem wurde eine Online-Petition gegen den Auftritt der Tiere gestartet. Hunderte haben sie mittlerweile unterschrieben. Zur analogen Demonstration vor dem Alten Garten kam dann allerdings nur eine Handvoll Tierschützer.

          Schlangen, Falken und Frettchen sind schon im Theater aufgetreten

          Kümmritz lässt sich von alldem nicht beeindrucken. Er ist seit drei Jahrzehnten am Haus, es ist seine letzte Spielzeit. Er kann davon erzählen, dass nicht nur Elefanten und Kamele schon im Theater aufgetreten sind, sondern ebenso Pferde, ein Esel (mit dem übrigens der „Winnetou des Ostens“ Gojko Mitic als Sorbas daherkam), Hunde, Schlangen, Falken, Frettchen und Hühner. Einmal sollte sogar ein weißer Tiger dabei sein, 2005 bei „Rigoletto“, aber vor der Premiere verendete er an einer Zahn-Entzündung. Kümmritz möchte, dass seine letzten Schlossfestspiele ein Erfolg werden, Drohungen von Tierschützern hin oder her.

          Sein Partner dabei ist Sonni Frank, alias Frankello, der früher in der DDR Dompteur beim Staatszirkus war und in Platschow in der Prignitz, an der Grenze zwischen Mecklenburg und Brandenburg, einen Elefantenhof aufgebaut hat. Etwa 70 Tiere leben dort, darunter neun Elefanten und sechs Kamele. Die Tiere kamen einst, als das noch möglich war, aus Afrika nach Deutschland, sozusagen als verkaufte Waisen, deren Eltern Wilddieben zum Opfer gefallen waren. Längst verhindert so etwas das Artenschutzabkommen.

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