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Theater verklagt : Kein Zutritt für Behindertenhund!

Ein Golden Retriever liegt auf dem Fußboden. In München durfte eine behinderte Frau ihren Begleithund, ebenfalls ein Golden Retriever, nicht mit ins Theater nehmen (Symbolbild). Bild: Stefan Finger

Weil sie nur ohne ihren Begleithund in ein Musical in München durfte, hat eine Epilepsie-Patientin das Theater verklagt. Das Gericht sieht keinen Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot. Der Hund musste wegen der Sicherheitsvorkehrungen draußen bleiben.

          Im Oktober 2016 wollte eine zu siebzig Prozent schwerbehinderte Frau aus dem Raum Augsburg mit einer Freundin ein Musical in München besuchen. Die Frau, die unter Epilepsie leidet, sitzt im Rollstuhl. Zu der Vorstellung kam sie mit ihrem speziell ausgebildeten Epilepsiewarnhund, einem Golden Retriever. Der Hund kann nach ihren Angaben mögliche Krampfanfälle, die durch Lichtreize oder laute Musik während der Musicalvorstellung hervorgerufen werden könnten, anhand ihrer Geruchsveränderung etwa drei bis fünf Minuten vor dem Anfall wahrnehmen. Dann könne der Assistenzhund sie durch Berühren oder Kratzen mit der Pfote rechtzeitig warnen. Der Hund unterstützt sie auch bei der Bewältigung ihres Alltags: Der geprüfte Behindertenbegleithund kann beim An- und Ausziehen oder auch beim Öffnen von Schubladen helfen.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Das Theater ließ jedoch den Hund nicht mit ihr zusammen die Vorstellung besuchen: Hunde seien im Vorstellungsraum nicht erlaubt. Die Frau zeigte daraufhin ihren Behindertenbegleithunde-Team-Ausweis, ein Anwaltsschreiben und ein Gesundheitszeugnis des Hundes, um zu belegen, dass sie auf die Anwesenheit des Hundes in ihrer unmittelbaren Nähe angewiesen sei. Doch der Veranstalter bot ihr nur an, den Hund während der Vorstellung in einem Nebenraum unterzubringen. Dies lehnte die Frau ab und verzichtete auf den Besuch des Musicals.

          Danach verklagte sie den Betreiber des Münchner Theaters auf Unterlassung, ihr den Besuch von Vorstellungen in Begleitung ihres Assistenzhundes zu verweigern. Zudem verklagte sie den Veranstalter auf Zahlung von 1000 Euro Entschädigung nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Vor Gericht gab sie an, dass sie schon bei der Bestellung der Eintrittskarten auf den benötigten Assistenzhund hingewiesen habe, der sie vor Krampfanfällen warnen könne.

          Der Betreiber des Theaters argumentierte hingegen, dass es in unmittelbarer Nähe der Rollstuhlplätze, die sich im Balkonbereich befinden, keinen ausreichenden Platz gebe, damit sich der Hund neben oder vor dem Rollstuhl hinlegen könne. Der Hund hätte zwar hinter dem Rollstuhl Platz gehabt. Jedoch hätte er dann den Durchgangsbereich des Zuschauerraums und den Fluchtweg blockiert. Im Falle einer Evakuierung könnte demnach der dort liegende Hund „ein überraschendes Hindernis und eine Sturzgefahr für andere Zuschauer und Darsteller“ sein, die sich in diesem Stück auch im Zuschauerraum, insbesondere in der Nähe der Rollstuhlplätze, bewegen würden. Es war demzufolge auch nicht möglich, den Hund an anderer Stelle im Zuschauerraum unterzubringen, da ja die Klägerin ihren Hund nach eigener Aussage in ihrer unmittelbaren Nähe benötige. Zudem, so der Betreiber, sei man nicht in der Lage, im Ernstfall für die begleitete Rettung auch des Hundes Sorge zu tragen.

          Im August 2018 hat das Amtsgericht München dem Betreiber des Theaters Recht gegeben und die Klage abgewiesen, wie das Amtsgericht jetzt mitgeteilt hat. Die Verwehrung des Einlasses mit Assistenzhund ist laut Urteil keine „unzulässige mittelbare Benachteiligung wegen der Behinderung der Klägerin“. Denn die „Benachteiligung“ sei sachlich gerechtfertigt, um den Sicherheitsvorkehrungen im Theater Genüge zu leisten. Demnach war die „Verwehrung des Zutritts mit Hund zur Erreichung dieses Ziels angemessen und erforderlich“.

          Die Richterin führte aus, dass die Klägerin zwar im Vergleich zu den anderen Zuschauern „in besonderer Weise benachteiligt“ worden sei, da ihr die Begleitung durch ihren Assistenzhund nicht gestattet wurde. Auch hat demnach die Klägerin glaubhaft dargelegt, dass der Hund stets in ihrer unmittelbaren Nähe sein muss, um eine „optimale medizinische Versorgung zu gewährleisten“. Trotzdem sah die Richterin die Benachteiligung als sachlich gerechtfertigt an.

          Als Hauptargument trug sie vor, dass der Hund am Tag der Vorstellung in unmittelbarer Nähe des Rollstuhls keinen Platz hätte finden können, ohne eine „Gefährdung oder Behinderung anderer Besucher oder anderer sich im Zuschauerraum aufhaltender Personen darzustellen“. Andere, weniger einschneidende Lösungen für die Klägerin, zum Beispiel eine Umsetzung, kommen demzufolge nicht in Betracht. Das Urteil ist nach Zurückweisung der Berufung rechtskräftig. (Urteil des Amtsgerichts München vom 13. August 2018, Aktenzeichen 191 C 24919/16)

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