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Taucher am Seeufer : Ab in die Balz

  • -Aktualisiert am

Ohrentaucher leben von Frühjahr bis Herbst meist in nördlichen Gefilden Bild: Carl-Albrecht von Treuenfels

Unter den Schwimmvögeln am Seeufer machen gerade besonders die Taucher auf sich aufmerksam: Mit Balzritualen und Revierkämpfen sorgen sie für Wellen und Spritzer

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          An schilfgesäumten Seeufern, auf Fisch- und Klärteichen, an nahrungsreichen Altarmen von Flüssen und auf manchem Stausee gerät das Wasser im April und Mai häufig in Bewegung. Unter den vielen Schwimmvögeln wie Enten, Gänse, Schwäne und Rallen sorgen vor allem die Taucher mit Balzritualen und Revierkämpfen für Wellen und Spritzer.

          In Deutschland kommen alle fünf der in Europa brütenden Arten der Lappentaucher (Familie Podicipedidae) vor. Ihren eigentümlichen Namen verdankt die Vogelfamilie den Hautlappen entlang ihrer Zehen, die – statt Schwimmhäuten – den Antrieb auf und unter dem Wasser fördern. Früher hießen die Taucher wegen ihrer am Körper weit hinten angesetzten Beine „Steißfüße“. Dieser Name findet sich bis heute in älteren vogelkundlichen Büchern, auch für die Gruppe der größeren Seetaucher (Familie Gaviidae), die mit Schwimmhäuten ausgestattet sind. Eistaucher, Gelbschnabel-Eistaucher, Prachttaucher und Sterntaucher brüten weiter nördlich in Skandinavien und rund um die Arktis, überwintern aber zum Teil in der Nord- und Ostsee und gelegentlich im europäischen Binnenland auf großen Seen.

          Die größten Lappentaucher sind der Haubentaucher (Podiceps cristatus) mit gut einem halben Meter Körperlänge und der etwa zehn Zentimeter kleinere Rothalstaucher (Podiceps griseigena). Sie geben paarweise während der Balz zirkusreife Vorführungen auf den Gewässern. Der Zwergtaucher (Podiceps ruficollis), mit knapp 30 Zentimetern das kleinste Familienmitglied, macht sich eher mit seinen Trillerlauten aus dem Uferbewuchs als mit Schwimmspielen auf offener Wasserfläche bemerkbar. Zwei weitere Arten indes zeichnen sich durch einen auffälligen Kopfschmuck aus, der nicht selten zu Verwechslungen der beiden führt: der Schwarzhalstaucher (Podiceps nigricollis) und der Ohrentaucher (Podiceps auritus). Beide tragen goldgelbe bis rotgelbe Federn am Kopf, die beim Schwarzhalstaucher etwas üppiger und gefächerter wachsen als beim etwas größeren Ohrentaucher. Dieser trägt seinen Federschmuck als leuchtende Zierbänder höher und geschlossener hinter seinen roten Augen zur Schau und kann ihn aufstellen. Die gelben Büschel am Kopf des Schwarzhalstauchers richten sich im Erregungszustand eher nach unten aus.

          Die Schnabelform kann beim Erkennen helfen

          Auch im Brutgefieder sind sie sich nicht unähnlich: Der Schwarzhalstaucher trägt vom Kopf über den Hals bis über den Rücken schwarze Federn, an den Flanken sind sie rotbraun wie die äußeren und mittleren Handschwingen. Die untere Seite des Körpers ist wie bei allen Verwandten hell bis weiß, um vor Raubfischen besseren Sichtschutz zu haben. Beim Ohrentaucher ist der Kopf bis auf die Federohren auch schwarz, doch hinter dem Halsansatz wird das Körpergefieder seitlich rotbraun und auf dem Rücken grau. Im Ruhe- oder Schlichtkleid, während des Winters, sind die „Ohren“ nicht sichtbar, und im dann schwarzweißen Gefieder sind beide Arten schwer voneinander zu unterscheiden. Die Schnabelform, beim Schwarzhalstaucher leicht aufgeworfen und etwas länger als beim Ohrentaucher, kann beim richtigen Erkennen helfen. Denn in ihren Überwinterungsgebieten, die von Nordsee (bevorzugt bei Helgoland) und Ostsee bis in den Mittelmeerraum reichen, sind beide Arten durchaus gemeinschaftlich zu beobachten.

          Zur Brutzeit ist das seltener möglich. Zwar haben Ohrentaucher wiederholt vereinzelt in Norddeutschland gebrütet, doch meist leben sie vom Frühjahr bis zum Herbst in nördlicheren Gefilden, von Südskandinavien nordwärts bis nach Island und ostwärts bis Kamtschatka. Sie brüten nicht in Kolonien, wie es die Schwarzhalstaucher mitunter tun, doch sie suchen für ihr Nest den Schutz durch andere Koloniebrüter wie Lachmöwen und Seeschwalben, von deren lautstarker Feindabwehr sie profitieren.

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