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Kampf gegen Wilderer : Die Nase darf ihr Horn behalten

Bedrohter Koloss: Noch wird die Zahl der Nashörner in Afrika auf 25.000 geschätzt, trotz aller Erfolge sind die Populationen aber weiter unter Druck. Bild: Mint Images/F1online

In Südafrika wurden im vergangenen Jahr weniger Nashörner gewildert als zuvor. Damit setzt sich ein Trend fort, der seit 2014 anhält. Der Erfolg im Kampf um den Erhalt der Art hat auch mit dem verstärkten Einsatz von Sicherheitskräften zu tun.

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          Der Waidmann staunte nicht schlecht. „Lang-rumpfig, schwer-flankig, prähistorisch aussehend, die Haut wie vulkanisierter Hartgummi und eine Spur durchsichtig aussehend, von einer schlecht geheilten Hornwunde, an der die Vögel herumgepickt hatten, entstellt, mit dickem, runden, zugespitzten Schwanz“ – so lag der Koloss vor ihm. Da hatte Ernest Hemingway schon „ein verteufeltes Biest“ erwischt.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          In seinen „Green Hills of Africa“ ließ der amerikanische Schriftsteller sein Publikum am Jagdglück teilhaben: „Dies war die Sorte Jagd, die ich mochte.“ 1935 erschien die Geschichte aus Kenia. Damals wimmelte es auf dem Kontinent noch von Nashörnern, wissenschaftlich Rhinoceroditae genannt. Seitdem aber geht es mit den Tieren, deren älteste Vertreter einst in Eurasien und Nordamerika beheimatet gewesen sein sollen, stetig bergab.

          Bis jetzt. Denn nun gibt es gute Nachrichten aus Südafrika. 2018 wurden dort 769 Tiere gewildert und damit rund 25 Prozent weniger als im Vorjahr. Wie Umweltministerin Nomvula Mokonyane mitteilte wurden 422 davon innerhalb staatlicher Nationalparks Opfer von Wilderern – allein 421 davon im riesigen und schwer zu kontrollierenden Kruger-Nationalpark. Mit dem Rückgang setzt sich ein Trend fort, der schon seit 2014 anhält.

          „Der deutliche Rückgang der Wilderei ist ein großer Erfolg“

          Damals hatte die Nashornwilderei mit 1215 massakrierten Tieren einen traurigen Höhepunkt erreicht. Seitdem verbessert sich die Lage jener Tiere, die der italienische Gewürzhändler Marco Polo als „rohes, garstiges Vieh“ schmähte. Zum ersten Mal seit 2012 wurden in Südafrika nun weniger als 1000 Nashörner im Jahr gewildert. Den Rückgang das Nashornsterbens führt die Ministerin auf das Engagement der Südafrikaner zurück, die versuchten, die Tiere zu schützen. „Der Kampf gegen die Nashornwilderei bleibt eine nationale Priorität“, verkündete Mokonyane und versprach, weiterhin alles zu tun, „um diese ikonische Art auch für künftige Generationen zu retten“.

          Offenbar hat der Erfolg im Kampf um den Erhalt der Art auch mit dem verstärkten Einsatz von Sicherheitskräften zu tun. 2018 seien den Behörden 365 mutmaßliche Wilderer und 36 mutmaßliche Schmuggler ins Netz gegangen – auch das ist eine deutliche Zunahme gegenüber 2017. Mokonyane sagte, zur Zeit seien 318 Verfahren mit 645 Beschuldigten anhängig, die in Verbindung mit der Nashornwilderei stünden.

          „Der deutliche Rückgang der Wilderei ist ein großer Erfolg und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagt auch Katharina Trump, Expertin für illegalen Artenhandel beim WWF in Deutschland. Allerdings müsse man überprüfen, „ob dieser Trend an der effizienten Wildereiabwehr oder einer sinkenden Nachfrage in Asien liegt“. Langfristig könne man „nur mit der Einstellung des Konsums von Nashorn-Horn“ verhindern, „dass sich dieser Trend wieder umkehrt, und das Überleben der Arten langfristig sichern“.

          Asien, wo das Horn als fiebersenkende und krampflösende Arznei gilt, ist der Hauptabsatzmarkt für Rhino-Horn. Aus ihm wird ein Pulver gewonnen, dem insbesondere Vietnamesen und Chinesen magische Kräfte beimessen, obwohl es aus dem gleichen Stoff besteht, aus dem auch Zehennägel sind – Keratin. Der Konsum soll Krankheiten kurieren können. Aufgrund seines enorm hohen Preises gilt es aber auch als Statussymbol. Insbesondere seit das Reich der Mitte verstärkt auf den dunklen Kontinent drängt, geraten die Nashornpopulationen, die sich zwischenzeitlich wieder erholt hatten, unter Druck. Zur Zeit wird die Zahl von Nashörnern in ganz Afrika auf 25000 geschätzt. Davon sollen rund 20000 in Südafrika leben.

          Über die Strategien, wie man das Nashornsterben beenden kann, wird seit Jahren gestritten. Nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen ist der internationale Handel verboten. Südafrikanische Züchter fordern allerdings, den Handel mit dem Horn, das den Tieren nach einiger Zeit wieder nachwächst, zu legalisieren. Das Horn könnte in Apotheken verkauft werden. So würden die Preise gedrückt und der Schwarzmarkt ausgetrocknet. In der gegenwärtigen Lage könnten Züchter zudem nicht mehr die Kosten für den Schutz der Tiere gewährleisten. Die Nashornzucht sei unwirtschaftlich geworden.

          Naturschützer lehnen das ab. Der WWF argumentiert, dass eine Öffnung des internationalen Handels die Nachfrage in Asien eher noch anheizen würde. Und das wiederum würde die Wilderei in Afrika begünstigen.

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