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Kronenkraniche : Auch der Mensch ist ihnen ein Beutegreifer

  • -Aktualisiert am

Hebt hier ab, ist aber sonst nicht im Aufwind: Der Bestand an Kronenkranichen wird immer kleiner. Bild: Carl-Albrecht von Treuenfels

Um sie ranken sich viele Sagen: Die Kronenkraniche sind die Könige der Vögel – und stark gefährdet. Um die Art zu erhalten, hat sich jetzt eine breite Allianz zusammengefunden.

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          Kraniche gehören zu den beeindruckendsten Vögeln der Welt. Unter den 15 Arten, die mit Ausnahme von Südamerika und der Antarktis über alle Kontinente verstreut leben, ist der in Asien beheimatete Saruskranich mit einer Körperlänge von bis zu 180 Zentimetern der größte aller flugfähigen Vögel, wenn auch nicht der schwerste. Der farbenprächtigste indes ist der Graue Kronenkranich, der in zwei Unterarten in Afrika vorkommt.

          Die Schönheit der Art „Balearica regulorum“, die 105 bis 112 Zentimeter misst, wird den Vögeln jedoch zunehmend zum Verhängnis. Sie haben sich zum wertvollen Gut entwickelt, das zumeist illegal gehandelt wird. In Volieren und Parks vermögender Privatleute, aber auch in zoologischen Gärten auf der ganzen Welt gelten sie als besondere Schmuckstücke. Ein Paar von Hahn und Henne, das miteinander harmoniert, kann mehr als 10.000 Euro kosten.

          Da ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Menschen in den ost- und südafrikanischen Heimatländern der Vögel versuchen, die Brutplätze in Feuchtgebieten und Schilfzonen von Seen ausfindig zu machen und den Nestern die zwei bis vier frisch geschlüpften Küken zu entnehmen, um sie in Gefangenschaft aufzuziehen und zu verkaufen. Mehr als die Hälfte der Jungkraniche sterben wegen unzulänglicher Haltungsbedingungen schon nach kurzer Zeit.

          Allianz zur Rettung der Art

          Aber nicht nur Wilderei und illegaler Handel führen dazu, dass die Zahl der freilebenden Grauen Kronenkraniche in den vergangenen 40 Jahren um 80 Prozent abgenommen hat – von etwa 60.000 auf zurzeit 13.000. Immer wieder sind es Bauern, die Vögel mit absichtlich vergiftetem Futter töten. Erst unlängst wurden in Sambia 36 qualvoll verendete und sechs schwerverletzte Graue Kronenkraniche am Rand eines Maisfeldes gefunden. Elektrische Leitungen, Windenergieanlagen, zunehmende Nutzung der letzten Wildnisgebiete und die Trockenlegung oder Zerstörung von lebensnotwendigen Feuchtbiotopen sind die Ursachen für das Schwinden der Art. Nicht zuletzt finden bis heute die Körperteile von Kronenkranichen für kultische und medizinische Zwecke bei manchen Volksstämmen Verwendung.

          Jetzt hat eine internationale Allianz von staatlichen und privaten Organisationen zur Rettung der Art, die auf der Roten Liste der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) als „stark gefährdet“ heraufgestuft wurde, Alarm geschlagen. Auf ihrer sechsten Sitzung seit der Gründung vor 20 Jahren haben die 75 Partnerstaaten des Afrikanisch-eurasischen Wasservogelabkommens (African-Eurasian Migratory Waterbird Agreement – AEWA), das als Ableger der „Bonner Konvention zum Schutz wildlebender Tierarten“ in Bonn seinen Sitz hat, einen „Species Action Plan“ für den Grauen Kronenkranich beschlossen.

          Obwohl bislang nur die Staaten Burundi, Kenia, Ruanda, Zimbabwe, Südafrika, Tansania und Uganda die Schutzvereinbarung unterzeichnet haben, ist sie für alle Anrainerstaaten bindend. Etwas Ähnliches ist auch für den Schwarzen Kronenkranich (Balearice pavonina) mit ebenfalls zwei Unterarten in seinen westafrikanischen Heimatländern geplant, in Sudan, Äthiopien und Teilen Kenias und Ugandas.

          Stoff vieler Sagen

          Nichtregierungsorganisationen wie die International Crane Foundation, der Endangered Wildlife Trust, der WWF und Birdlife International mit dem Nabu unterstützen ebenso wie die deutsche Stiftung Feuchtgebiete Schutzprojekte zugunsten der Kronenkraniche in Afrika. Neben praktischen und rechtlichen Maßnahmen, die auf die Erhaltung und Neuschaffung von Biotopen abzielen, steht die Aufklärung der Menschen über ihren „König der Vögel“, um den sich viele Sagen und Märchen ranken, im Mittelpunkt.

          Das mehrfarbige Gefieder und die aus hochstehenden, dünnen, goldgelben Federn bestehende „Krone“ verhelfen den Vögeln zu ihrem extravaganten Aussehen. Beide Arten gelten als die ältesten Vertreter der Familie „Gruidae“, die seit 60 Millionen Jahren auf der Erde leben. Bis zu einem Dutzend verschiedener Kronenkraniche lebten nach Auswertung fossiler Funde auch in Europa und Nordamerika vor Millionen Jahren.

          Die Ältesten ihrer Art: Kronenkraniche gab es schon vor 60 Millionen Jahren.

          Die Kronenkraniche gelten daher heute als die Ältesten innerhalb ihrer Familie und bilden eine eigene Unterfamilie. Sie sind die Einzigen, die gelegentlich auch auf Bäumen landen und sogar in verlassenen Adler-, Sekretärs- und Geiernestern brüten. Ihre Rufe unterscheiden sich stark von den Stimmen der übrigen Kranicharten. Wenn sie ihre tiefen Laute erklingen lassen, strecken sie nicht wie die übrigen Arten ihre Hälse und Köpfe in die Höhe, sondern wiegen ihre kronengeschmückten Häupter am waagerecht gehaltenen Hals im Duett hin und her. Sie können 30 Jahre und älter werden, wenn sie nicht Beutegreifern wie Löwen, Hyänen oder Adlern zum Opfer fallen – oder eben den Menschen.

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