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Windhunderennen in Irland : Jagd nach dem falschen Hasen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Pauline Stahl

Windhundrennen sind noch immer eines der liebsten Hobbys der Iren. Doch Vorwürfe der Misshandlung von Greyhounds überschatten den Sport.

          4 Min.

          Sobald der falsche Hase unterwegs ist, gibt es kein Zurück mehr. Die Hälfte der Rennbahn im Shelbourne-Park-Stadion legt der Dummy alleine zurück. Dann erreicht er die Box, in der sechs Windhunde auf ihren Rennstart warten. Nur wenige Sekunden später öffnen sich mit einem lauten Scheppern die Klappen. Blitzschnell schießen die Hunde auf die Rennbahn, und die Zuschauer grölen.

          Eine halbe Stunde zuvor ist es noch ruhig in dem Stadion im Süden Dublins, die Sonne geht langsam unter und färbt den Himmel rot. Während Touristen und Einheimische innen Schutz vor dem kalten Wind suchen, Fish and Chips verzehren und Bier trinken, beginnen gegenüber der Tribüne die letzten Vorbereitungen. „Es gibt viele Regeln und Vorschriften“, sagt Brenda Powderly, „alles für einen besseren Sport.“

          Die Zweiundsechzigjährige ist Besitzerin von vier Greyhounds. Die Frau mit den kurzen rot-braunen Haaren hat Augen und Lippen dezent geschminkt, unter der schwarzen Steppjacke schaut ein gelber Rollkragenpullover hervor. Selbstbewusst läuft sie durch das Stadion. Man sieht ihr an, dass sie viel Zeit dort verbringt. Auch hinter den Kulissen ist sie bekannt.

          56 Kilometer pro Stunde auf gerader Strecke

          Zunächst wird jeder Hund gewogen, bevor er starten darf. Wiegt er zu viel oder zu wenig, wird er disqualifiziert. Auch auf Verletzungen achtet ein Mitarbeiter des Stadions. „Er sieht sofort, wenn es einem der Tiere nicht gut geht“, sagt Powderly. In den 30 Minuten vor dem Start darf dann niemand mehr zu den Startern, die Anspannung wächst.

          Elf Rennen mit jeweils sechs Hunden stehen an diesem Samstagabend auf dem Programm. Dabei rennen die Greyhounds auf 480 Metern einer Hasen-Attrappe hinterher. Alles dreht sich um Geschwindigkeit. Mindestens 56 Kilometer pro Stunde können Windhunde laut Powderly auf gerader Strecke erreichen. Damit gehören sie zu den schnellsten Hunderassen der Welt. Möglich macht das die besondere Anatomie der Tiere: „Sie sind die einzigen Hunde mit einer flexiblen Wirbelsäule“, erklärt die Hundekennerin.

          Für die meisten Besitzer sind die Rennen eine Leidenschaft. „Ich denke, das ist typisch irisch“, sagt Powderly. „Ob Pferde- oder Windhundrennen, es ist einfach der Nervenkitzel des Sports.“ Jeden Samstag ist sie mit Freundinnen hier. Für die alleinstehende Frau ist es das perfekte Hobby. Egal in welchem Stadion, ob man sich kennt oder nicht, man spricht miteinander. „Die Besitzer lieben es, über ihre Hunde zu reden.“

          Misshandlungsvorwürfe

          Manchmal bringt Powderly ihre zwei älteren Windhunde mit, die mittlerweile im Ruhestand sind. Lange dauert es dann nicht, bis sie von Besuchern umzingelt sind, gestreichelt und Fotos gemacht werden. Powderly ist Mitglied des „Irish Retired Greyhound Trust“ und hilft dabei, neue Besitzer für alte Rennhunde zu finden. Mehr als 1000 ältere Hunde wurden im vergangenen Jahr an Familien in ganz Europa und in Kanada vermittelt.

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