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Sheldon aus dem Schloss : Der berühmte Kater aus dem Rheinsberger Schlossgarten

Sheldon Schlosskatzi heißt der Facebook-Account des Katers Bild: Picture-Alliance

Ein Adeliger in einem Schloss verwundert wenig. Einer, der wie ein Nerd aus einer amerikanischen Sitcom heißt, ist ungewohnt. Sheldon der Große ist aber nicht einmal ein Mensch.

          2 Min.

          Rheinsberg, im August. Schlosskater Sheldon macht es sich im Innenhof bequem und lauscht der Musik. Oben im Saal ist eines der Fenster geöffnet. Es ist Kammeroper-Zeit in Rheinsberg, und da gibt es fast jeden Abend irgendwo Musik, heute eben im Schloss selbst.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Gleich nach dem Ende der DDR gründete der Komponist Siegfried Matthus das Sommerfestival für junge Sänger und Musiker. Seit diesem Jahr liegt die künstlerische Leitung in den Händen von Georg Quander, der lange Intendant der Berliner Staatsoper war. Sheldon wirkt, als würde ihn das alles interessieren und als käme er vorbei, um zu prüfen, wie das Programm des Neuen so aussieht.

          Sheldon, Jahrgang 2012, ist eine Mischung aus Norwegischer Waldkatze und Maine Coon. Der Name stammt aus der Comedy-Serie „The Big Bang Theory“. Vier Nerds sind da die Helden, Sheldon ist der verrückteste. Kater Sheldon gehört dem Arzt Markus Kersten, dessen Wohnung nahe dem Schlosspark liegt. Die alte Stadtmauer liegt zwar dazwischen, aber Sheldon weiß sie zu überwinden und wandelt seitdem fast täglich auf den Spuren des Preußenkönigs Friedrich II., der im Schloss seine vier Kronprinzenjahre verbrachte und, als er 1740 König wurde, Rheinsberg seinem jüngsten Bruder Heinrich schenkte. Unter Heinrich hatte Rheinsberg dann seine größte Zeit, fast ein halbes Jahrhundert lang. Sheldon ist schon an Heinrichs Grab im Park fotografiert worden oder auf der anderen Seeseite am Obelisken, den Heinrich einst dem Schloss gegenüber aufstellen ließ.

          Markus Kersten kaufte Sheldon, weil er „am meisten Charakter hatte“. Tatsächlich wirkt Sheldon mit seinem langen zimtbraunen Haar und dem durchdringenden Blick, als würde ihm der Schlossgarten gehören. Manchmal lässt er sich herab, eine Reisegesellschaft zu begleiten, dann wieder dreht er allen den Rücken zu. Begegnungen mit dem Kater gelten Besuchern inzwischen als Höhepunkt eines Spaziergangs durch den Schlossgarten.

          Eine eigene Facebook-Seite hat er auch: „Sheldon Schlosskatzi“. Sein Besitzer hatte sie ursprünglich eingerichtet, um verfolgen zu können, wo sich Sheldon gerade herumtreibt. Inzwischen ist daraus eine Fanseite geworden mit 6300 Freunden, beinahe täglich werden Sheldon-Bilder eingestellt. Selbst des Katers Biografie hat sich inzwischen herumgesprochen. Dass er einmal angefahren wurde und nur gerettet werden konnte, weil zufällig ein Bekannter Kerstens Zeuge war und zufällig gerade am Abend zuvor die Handynummer des Arztes bekommen hatte. Den Kater erwischte es am Auge, außerdem zog er sich Gehirnerschütterung und Hüftprellung zu. Kaum war Sheldon wieder auf den Pfoten, gab es per Facebook die Ferndiagnose, sein Fell sehe so komisch aus, das könne auf ein Nierenleiden schließen lassen. Kersten ging mit ihm zum Tierarzt, und tatsächlich: erhöhte Nierenwerte! Seitdem Sheldon einen Nieren-Diät-Mix bekommt, scheint alles in Ordnung.

          Der Schlosskater ist sogar in die Literatur eingegangen. Jedes Jahr können sich Autoren als Stadtschreiber in Rheinsberg bewerben. 2015 war Marion Brasch da und erzählt in „Godot in Rheinsberg“ von der Katze im Schlosspark, die Godot „Frau Müller“ nenne. Auch Grit Poppe, Stadtschreibern 2018, beschrieb ihn: „Aussehen und Benehmen wirken besonders: adlig vielleicht, ein wenig hochnäsig. Manchmal mauzt der Superstar abends unter meinem Fenster.“

          Inzwischen hat die Stadt Sheldon auf ihrer Internetseite als bekannte Persönlichkeit der Stadt eingetragen, mit Porträtfoto, sozusagen zwischen Friedrich dem Großen, Theodor Fontane und Kurt Tucholsky. Einmal marschierte Sheldon sogar mit einer Wandergruppe mit und landete im nächsten Dorf. Dort lud er sich beim Gastwirt ein, bis der nach ein paar Tagen Kersten anrief: „Nun hol dir deinen Kater aber auch mal wieder ab.“ Verrückte Sachen mache Sheldon jetzt aber nicht mehr, sagt sein Besitzer. „Er wird wohl langsam altersmilde.“ Das sei auch gut so: „Nach Sheldons Einzug bei uns haben wir nämlich noch zwei Kinder bekommen.“

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