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Schweinepest : Wie Ebola für den Menschen

Schweineleben: Trotz intensiver Bejagung vermehrt sich das Schwarzwild – hier in einem Tiergehege nahe Klaistow (Brandenburg) – prächtig. Bild: dpa

Das Risiko ist hoch, dass die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland kommt. Das größte Risiko für die Ausbreitung geht von Menschen aus. Für den Fall eines Ausbruchs sind Szenarien vorbereitet.

          „Achtung Falschmeldung“, titelte der Deutsche Jagdverband am Dienstag auf seiner Internet-Seite. Ein lokaler Radiosender aus Potsdam habe vom Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Brandenburg berichtet. Die Nachricht, die in den sozialen Medien kursierte, versetzte Landwirte und Jäger in Aufregung. Tatsächlich handelte es sich um eine alte Geschichte vom vorigen Juli, wie der Radiosender klarstellte. Und auch damals handelte es sich nicht um die gefährliche Seuche.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Dass die alte Meldung noch einmal für Aufsehen sorgte, zeugt von der Nervosität, die herrscht, wenn es um diese Art der Schweinepest geht. Seit die Infektion im Juni vergangenen Jahres bei Wildschweinen in der Tschechischen Republik aufgetreten ist, geht die Angst um, dass Deutschland eine Tierseuche großen Ausmaßes erlebt. Der Bauernverband, Jäger, Tierforscher und die Landwirtschaftsminister sprechen über die Gefahr oder arbeiten an Krisenplänen. Mancher Politiker profiliert sich mit weitreichenden Vorschlägen – etwa jenem, umgehend 70 Prozent aller Wildschweine zu töten.

          Ein Treiber mit einer geschulterten Flinte bei einer Drückjagd durch ein Waldstück in Bielefeld

          Für den Menschen ist der Virus ungefährlich, für Schweine tödlich. Das größte Risiko für die Ausbreitung geht wiederum von Menschen aus, die infiziertes Fleisch oder ebensolche Wurst wegwerfen. „Ein paar Scheiben Salami oder ein Butterbrot mit rohem Schinken reichen für die Infektion“, sagt Professor Franz Conraths vom Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems, das sich um die Gesundheit lebensmittelliefernder Tiere kümmert. Wenn Wildschweine solche Wurst aus einem Mülleimer holen und fressen – Tonnen umzukippen ist für die hochintelligenten Tiere kein Problem –, dann infizieren sie sich. Sie tragen die Infektion durch Blut und Sperma zu ihren Artgenossen. Die Seuche ist für sie etwa wie Ebola für den Menschen, erzeugt hohes Fieber, große Schmerzen und endet fast immer mit dem Tod. Auf den Rastplätzen von Bundesautobahnen sind deshalb kippsichere Mülleimer aufgestellt worden. Warnschilder weisen seit längerem darauf hin, Speisereste nur dort zu entsorgen. Zunächst passierte aber nicht viel mehr.

          Doch das Risiko ist hoch, dass die Seuche nach Deutschland kommt. Das Virus stammt ursprünglich aus Afrika, wo es durch Zecken auf Warzenschweine übertragen wird. Durch den unsachgemäßen Transport von Müll soll es zuerst nach Georgien und dann nach Russland gelangt sein. Von dort verbreitete sich die Schweinepest weiter nach Westen. Vor genau vier Jahren wurde der erste Fall innerhalb der EU im Baltikum registriert. In den baltischen Staaten breitete sich die Infektion wie ein Flächenbrand aus. Mittlerweile sind östliche Teile Polens und der russischen Enklave Königsberg betroffen sowie die Umgebung von Warschau. Durch die Wildschweine selbst verbreitet sich die Infektion allerdings nur langsam, sie sind eher reviertreu. Macht das Virus aber einen Sprung über Hunderte Kilometer wie im Gebiet von Zlin in der Tschechischen Republik, dann ist der Mensch beteiligt. Dort waren es, so nimmt man an, Speisereste aus der Ukraine, von denen die Seuche ausging.

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