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Artensterben in Deutschland : Schleiereulen fliegen in die Krise

  • -Aktualisiert am

Droht die Schleiereule (Tyto alba) in Deutschland auszusterben? Bild: dpa

Die Tyto alba ist in Not. Einst kamen die Schleiereulen gut durch den Winter. Doch nun gilt der Bestand in vielen deutschen Bundesländern fast schon als erloschen.

          Kälte und Schnee bis in den März haben in Norddeutschland wild lebende Tiere in Bedrängnis gebracht. Für viele Säugetiere und Vögel war die Nahrungssuche schwierig. Futterhäuschen für Singvögel waren begehrte Anflugziele für viele Arten. Die Jäger sorgen mit Heu, Rüben und Mais für das Wild in ihren Revieren.

          Aber nicht allen kann geholfen werden. Vor allem die Tiere, die auf lebende Beute angewiesen sind, haben bei Schnee und gefrorenem Boden keinen Jagderfolg. Greifvögel wie Sperber, Habicht oder Seeadler nutzen die Not anderer Vögel, um sie am Futterhaus oder auf eisfreien Gewässern zu schlagen. Andere nehmen gelegentlich mit Aas vorlieb. Eulen jedoch brauchen Mäuse oder kleine Vögel zum Überleben.

          Als Ansitzjäger in der Dämmerung und in der Nacht ergreifen sie mit ihren scharfen Krallen nach kurzem lautlosen Anflug ihre Beutetiere. Dabei hilft ihnen ihr feines Gehör, das eine Maus selbst unter Schnee oder im Gras noch genau orten kann. Wo ein Opfer im letzten Tageslicht oder in der Morgendämmerung für den Menschen noch unsichtbar wäre, helfen den Eulen ihre großen Augen, mit denen sie noch geringes Restlicht für einen erfolgreichen Zugriff nutzen können.

          Von den zehn Eulenarten (Ordnung Strigiformes), die in Deutschland brüten, hat es die Schleiereule (Tyto alba) besonders schwer. Ihr Bestand ist trotz Nisthilfeprogrammen fast zusammengebrochen. Bis Mitte des letzten Jahrhunderts war die Haus-, Schnarch- oder Scheuneneule (englisch „barn owl“) in Mitteleuropa weit verbreitet. Es gab kaum ein Dorf, in dem nicht mindestens ein Paar der gut taubengroßen hellbäuchigen Vögel mit dem braunen gefleckten Rückengefieder und dem herzförmigen Schleier aus fast weißen Federn im Gesicht (daher der Name) in einer Scheune, auf einem Dachboden oder im Kirchturm brütete. Auch auf Feldern und Wiesen hatten sich Schleiereulen in hohlen Bäumen oder im Dachgebälk von Sommerställen eingenistet.

          Erfolgreich durch den Winter

          Wiesen, Weiden und Äcker, die weniger intensiv bewirtschaftet wurden als heute, boten ein breites Spektrum tierischer Nahrung an. Für die Schleiereulen standen Feld-, Wühl- und Spitzmäuse oben auf der Beuteliste. Und im Winter gab es in den Scheunen und auf den Dachböden viel ungedroschenes Getreide und Heu, das unzählige Mäuse und Ratten zum Missfallen der Landwirte ernährte und die Erträge der damals noch im Winter mit stehenden Dreschmaschinen aus den Ähren gewonnenen Körner erheblich mindern konnten. Jeder Bauer war froh, ein Schleiereulen-Paar unter seinem Dach beherbergen zu können, und sorgte dafür, dass auf beiden Seiten der Giebel seiner Gebäude Einfluglöcher angebracht wurden – die nebenbei auch für Belüftung sorgten.

          So kamen viele Schleiereulen gut durch den Winter, ernährten sich von Mäusen, Ratten und auch von den reichlich vorhandenen Haussperlingen, die sich ebenfalls mit den Erntevorräten stärkten. Manchmal brüteten sie sogar zum dritten Mal in einem Jahr erfolgreich während der kalten Jahreszeit. Für die Ablage ihrer vier bis sieben – in guten Nahrungsjahren bis zu zwölf – Eier genügte ihnen ein Brett, ein breiter Balken oder eine Strohschicht in einer dunklen Ecke. Das Weibchen beginnt mit der Brut, sobald es das zweite Ei gelegt hat. Die Jungen schlüpfen mit zeitlichem Abstand. Bei einem Gelege mit sieben Eiern kann der Altersunterschied zwischen dem ältesten und dem jüngsten Küken mehr als zwei Wochen betragen. Während der Brutzeit von vier bis fünf Wochen versorgt der etwas kleinere Eulenmann seine Eulenfrau mit Nahrung. Die nach der Verdauung ausgewürgten Reste wie Knochen und Felle, das Gewölle, bilden eine Nestunterlage. Wenn die Jungeulen acht bis zehn Wochen nach dem Schlüpfen ausfliegen, liegen in manchen Nistkästen so viele Gewölle, dass die oft mit Ungeziefer überzogenen Speiballen von Vogelschützern entfernt werden müssen, da sie sonst nicht mehr von Schleiereulen bezogen werden.

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