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Schimpanse bleibt wo er ist : Zirkusdirektor darf sein „Kind“ behalten

Klaus Köhler, Direktor des Zirkus „Belly“, spielt mit dem Schimpansen Robby. Bild: dpa

Der Direktor des Circus Belly darf sein „Kind“ behalten: Schimpanse Robby muss nach vier Jahrzehnten unter Menschen nicht wie von Tierschützern gefordert in eine „spezialisierte Haltungseinrichtung“.

          Seit mittlerweile mehr als sechs Jahren wird nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch unter Affenexperten teilweise mit Erbitterung darüber gestritten wo der mal auf 47, mal auf 43 Jahre taxierte, auf alle Fälle für einen Menschenaffen überdurchschnittlich betagte Schimpanse Robby seinen Lebensabend verbringen soll: Weiter bei Zirkusdirektor Klaus Köhler, der sich seit mehr als vier Jahrzehnten um den mittlerweile vermutlich letzten Zirkusaffen Deutschlands kümmert? Oder in einer „spezialisierten Haltungseinrichtung“, in der man versuchen würde, Robby zu „resozialisieren“, indem man den über vier Jahrzehnte ausschließlich an Menschen gewöhnten Schimpansen noch einmal auf den Umgang mit Artgenossen umprägt. Letzteres war die Forderung von Organisationen wie Peta, Vier Pfoten und Animal Public sowie anderen Tierschützern, die seit 2011 mit Petitionen und Protesten gegen Köhlers „Berühmten Circus Belly“ agitieren.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          2015 machte sich auch das Veterinäramt in Celle die Forderung nach einer Resozialisierung „Robbys“ zu eigen und entzog dem Direktor des kleinen Wanderzirkus die Haltungsgenehmigung für den Schimpansen. Das Verwaltungsgericht in Lüneburg befand diesen Behördenbescheid im vergangenen Jahr in erster Instanz für rechtmäßig, doch Klaus Köhler kämpfte weiter dafür, den Affen bei sich behalten zu dürfen und ging dagegen in Berufung. Am Donnerstagnachmittag entschied nun das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht letztinstanzlich: Robby darf seine Bananen weiter in seiner gewohnten Umgebung in Köhlers Zirkus verspeisen.

          Das Urteil des Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts gleicht einer Abrechnung mit dem Bescheid der Celler Veterinärbehörde. Die Richter ziehen zwar nicht in Zweifel, dass Robby aufgrund seiner jahrzehntelangen, nicht artgerechten Einzelhaltung eine „schwerwiegende Verhaltensstörung“ aufweist. Die Anordnung aber, den greisen Affen auf seine alten Tage zu „resozialisieren“, sei „ermessensfehlerhaft und damit rechtswidrig“. Die Richter halten eine Resozialisierung von Robby, die sich bis zu dreieinhalb Jahr hinziehen kann, für zu riskant. Zudem hätte sie nicht zu eine artgerechte Haltung in einer Schimpansengruppe zum Ergebnis, sondern allenfalls ein Zusammenleben mit lediglich ein oder zwei anderen Artgenossen.

          „Ich freue mich, dass ich mein Kind behalten kann“, sagte Zirkusdirektor Klaus Köhler nach der Urteilsverkündung, der befürchtet hatte, dass Robby in einer Resozialisierungseinrichtung rasch gestorben wäre. Köhler sagt aber auch, dass er mit dem heutigen Wissen nicht noch einmal einen Affen in seinen Zirkus aufnehmen würde. „Die Zeiten haben sich geändert.“

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