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Ein toter Oktopus vor der Küste der russischen Halbinsel Kamtschatka. Bild: Imago

„Ökologische Katastrophe“ : Rätselhaftes Tiersterben auf Kamtschatka

An der Küste der Halbinsel Kamtschatka im Osten Russlands ist es zu einem massenhaften Tiersterben gekommen. Surfer machten auf die ökologische Katastrophe aufmerksam, nachdem sie selbst krank wurden. Die Ursache ist noch unklar.

          2 Min.

          Bis vor einigen Jahren war Kamtschatka vor allem für spektakuläre Natur berühmt: Vulkane, Kraken, Königskrabben. So sind Letztere auch als Kamtschatkakrabben bekannt, delikat und teuer. Die Halbinsel in Russlands Fernem Osten, deren Regionalhauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatskij in achteinhalb Flugstunden von Moskau zu erreichen ist, gilt nach einem halben Jahrhundert als Militärsperrgebiet als neuer, rauher, exotischer Urlaubsort. Mittlerweile zieht Kamtschatka, deren Fläche etwas größer als die Deutschlands ist, auch Surfer an. Solche waren es auch, die nun als erste auf etwas aufmerksam machten, das die Umweltschutzorganisation Greenpeace als „ökologische Katastrophe“ bezeichnet.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Es geht um Teile der Awatscha-Bucht im Südosten von Kamtschatka und dort besonders um den sich über 30 Kilometer erstreckenden, von schwarzem vulkanischen Sand bedeckten Chalaktyrskij-Strand, der bei den Surfern beliebt ist. Vor drei Wochen schmerzten ihnen nach Aufenthalten im Wasser die Augen, die Sehkraft ließ nach, hinzu kamen Halsweh, Übelkeit und Fieber. Dann wurden immer mehr tote Wassertiere angeschwemmt, Fische, Kraken, Seeigel, Krabben. Videos davon betrüben und erzürnen immer mehr russische Internetnutzer. Denn unter anderen hat der Videoblogger Jurij Dud am Wochenende sein Millionenpublikum auf die Verunreinigungen aufmerksam gemacht und den Klagen der Surfer, die das Wasser als klebrig und bitter beschreiben, Nachdruck gegeben. Das Umweltministerium der Region veröffentlichte noch am Samstag ein Video, das den Chalaktyrskij-Strand zeige: „Die Farbe des Wassers ist normal, der Geruch der Luft gewöhnlich, der Strand vollkommen sauber.“

          Aber kurz darauf gab das Ministerium die Verschmutzung mehrerer Teile der Awatscha-Bucht zu: Nach vorläufigen Ergebnissen seien die zulässigen Ölprodukte-Werte um den Faktor 3,6 und die für Phenole um den Faktor 2,5 überschritten. Wie es dazu kam, blieb unklar. Mal wird ein Leck oder eine Einleitung durch ein vorbeifahrendes Schiff angenommen. Andere vermuten als Ausgangsort ein Militärgelände, auf dem giftige Stoffe gelagert würden; es liegt am Ufer des Flusses Nalytschewa, der in die Bucht mündet und nach Luftaufnahmen Ursprung der Verschmutzung sein könnte. Seit dem Wochenende laufen Strafermittlungen. Laut Behördenangaben haben neun Personen wegen chemischer Verätzungen medizinische Hilfe gesucht.

          Der Gouverneur der Region, Wladimir Solodow, hat vor Besuchen des Strands gewarnt und Beamten, welche die Lage beschönigen oder verschleiern wollten, mit Entlassung gedroht. „Insgesamt normalisiert sich die Lage dank der einzigartigen Fähigkeit des Ozeans zur Selbstregenerierung“, schrieb Solodow aber selbst auf Instagram. Am Montag stellte der Gouverneur drei mögliche Ursachen vor. Zuerst nannte er eine „mit menschlicher Tätigkeit verbundene, technogene Verschmutzung“, die noch zu bestimmende giftige Stoffe freigesetzt habe. Aber auch natürliche Ursachen wollte Solodow nicht ausschließen: das „Verhalten“ von Algen, die während eines Sturms angeschwemmt worden seien, oder „mit vulkanischen Erscheinungen verbundene seismische Aktivität“. Fachleute schließen eine natürliche Ursache aus.

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