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Vor der spanischen Küste : Rätselhafte Angriffe von Schwertwalen

Schwertwale gelten als neugierige und hochintelligente Säugetiere. Dieses Exemplar wurde 2014 nahe der amerikanischen Insel Bainbridge Island gesichtet. Bild: AP

Sie rammen Boote und beschädigen Steuerruder: Vor der spanischen Küste häufen sich Zwischenfälle mit aggressiven Orcas. Wissenschaftler tun sich schwer damit, das Verhalten der Tiere zu erklären.

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          Der Schock sitzt Justin Crowther noch in den Knochen. 15 Mal rammten Orcas sein Segelboot vor der galicischen Küste. Die spanische Küstenwache musste seinen Beautiful Dreamer in den Hafen von A Coruña schleppen: Die Schwertwale hatten das Steuerruder beschädigt, und das Boot trieb manövrierunfähig auf den Wellen. Als die Retter endlich kamen, griffen die Orcas noch einmal an. Crowther hatte mit zwei Besatzungsmitgliedern an Bord auf der Fahrt von Teneriffa nach Southampton an der nordspanischen Atlantikküste Station gemacht, wie er der Zeitung „Voz de Galicia“ berichtete.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Es ist einer von inzwischen vier Zwischenfällen mit aggressiven Orcas – die von manchen auch Killerwale genannt werden – an dieser Küste. Der erste war Ende August gemeldet worden. Am vergangenen Wochenende attackierte dann im Abstand von nur drei Stunden eine Gruppe von Schwertwalen zwei weitere Boote. Menschen kamen nicht zu Schaden, aber wieder beschädigten sie das Ruder, so dass die Seenotrettung ausrücken musste. Auf einem Videofilm der Besatzung ist zu sehen, wie sich Orcas im Dunkel der Nacht einem der Segelboote nähern und unter ihm durchtauchen. Man solle sich den Walen auf keinen Fall nähern und einen Sicherheitsabstand einhalten, heißt es in einer Funkwarnung der galicischen Seerettung.

          Ähnliche Berichte kamen Ende Juli aus der Straße von Gibraltar. Eine Stunde lang rammten dort neun Orcas ein Segelboot. Am Ende bereitete sich die Besatzung sogar darauf vor, das Schiff aufzugeben. Wieder zerstörten die Wale die Steueranlage, das Boot drehte sich um 180 Grad, wie die britische Zeitung „Guardian“ meldete. Zwei Briten, die wenige Tage zuvor in der Gegend unterwegs gewesen waren, hatten Ähnliches erlebt. Die Orcas hätten ihr Boot immer wieder gedreht und versucht, es anzuheben.

          Neugierige und hochintelligente Säugetiere

          Wissenschaftler tun sich schwer damit, das Verhalten der Orcas zu erklären. Die spanische Meeresbiologin Rocío Espada sagte dem „Guardian“, sie habe schon beobachtet, dass die neugierigen und hochintelligenten Säugetiere manchmal spielerisch in ein Ruder hineinbissen und sich ein Stück weit mitschleifen ließen. Aber von regelrechten Angriffen habe sie bisher nichts gehört. Das Rammen deute auf Stress hin. Die stark befahrene Meerenge vor Gibraltar sei voller Netze, in denen sich Jungtiere verfangen könnten. Forscher schätzen die Zahl der Orcas dort auf etwa 50 Exemplare.

          Ob es sich bei den aggressiven Orcas um die gleiche Gruppe handelt, die jetzt Hunderte Kilometer entfernt vor der Küste Galiciens auftauchte, wird nun untersucht. Im September machen sich die Schwertwale gewöhnlich von der andalusischen Küste in der Gegend von Cádiz und Barbate durch portugiesische Gewässer auf den Weg in Richtung Norden.

          Wie in der Meerenge jagen sie im Golf von Biskaya in größeren Gruppen Thunfische. Anderswo ernährt sich diese größte Art der Delphine, die mehr als sechs Tonnen schwer werden kann, von Heringen und Robben. Auf der Jagd sind die Tiere sehr kommunikativ. Sie klicken, pfeifen und rufen, um sich dann mit der Hilfe des Echos zu orientieren. Bei ihren koordinierten Angriffen, die bis zu 30 Minuten dauern können, kreisen sie ihre Opfer ein und versuchen sie mit ihrer hohen Geschwindigkeit zu ermüden. Weil manche Schwertwale auch andere Wale fressen, nannten sie Seeleute auch Killerwale – obwohl Menschen nicht zu ihrer Beute zählen.

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