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Politik muss Rahmen festlegen : Keine Angst vor dem Wolf?

  • -Aktualisiert am

Die Herdenschutzprämie reicht nicht aus, um Schäden in der Landwirtschaft zu kompensieren. Bild: dpa

Der Wolf kehrt in die Wälder Hessens zurück. Die Raubtiere fressen immer wieder Schafe und Ziegen. Nun ist die Politik gefordert, klare Regeln für Umgang mit dem Wolf festzulegen, um Landwirte zu schützen.

          Der Wolf ist nicht böse, und das Schaf ist nicht gut. Nur durch einen stabilen Elektrozaun voneinander getrennt, ist ihre unblutige Koexistenz bald noch möglich. Denn Schafe sind wie Ziegen für den Wolf eine leichte Beute. Auch wenn noch kein Wolfsrudel zwischen Odenwald und Reinhardswald heimisch geworden ist, so mehren sich Sichtungen einzelner, meist durchstreifender Einzelgänger. Der Wolf ist zurück in Hessen.

          Mit jedem gerissenen Weidetier werden sich die Konflikte um das Großraubtier verschärfen. Vorwiegend in Großstädten liefern sich heimische Naturromantiker in den sozialen Netzwerken mit Bauern, Tierhaltern und Jägern erbitterte Auseinandersetzungen. Die von Umweltministerin Priska Hinz jetzt aufgestockte Herdenschutzprämie wird die hitzige Debatte um den Wolf nicht befrieden. Ausreichend ist die Prämie noch immer nicht, und sie beschert den Tierhaltern mehr Bürokratie.

          Tierschutz ist nicht teilbar. Wölfe sind stellenweise in Europa eine gefährdete Art. Weidetiere haben sich als Kulturlandschaftspfleger bewährt. In nicht wenigen Naturschutzgebieten leisten sie unverzichtbare Arbeit. Es ist an der Zeit, das ausreichend zu honorieren. Vor allem muss der verwirrende Föderalismus beim Wolfsmanagement ein Ende finden. Der Bund muss endlich einen für alle Bundesländer verbindlichen Rahmen setzen, wie nach der Rückkehr der Wölfe der Herdenschutz unterstützt, wie Halter getöteter Tiere entschädigt und wie die Weidetierhaltung künftig gefördert werden kann.

          Das Töten von Wölfen wird notwendig werden

          Wer der Verbreitung des Wolfes das Wort redet und vom „Wolfserwartungsland“ Hessen schwärmt, der muss bereit sein, damit verbundene Kosten zu tragen. Die Möglichkeit zur Erlegung von Wölfen ist bundesweit praxisgerecht zu regeln. Schluss auch mit Euphemismen wie der „Entnahme problematischer Wölfe nach Naturschutzrecht“. Das Töten von Wölfen wird notwendig werden.

          Ernsthaft diskutiert werden muss auch, bei wie vielen Wolfsrudeln im Land überhaupt noch von einer stark gefährdeten und deshalb besonders schützenswerten Art gesprochen werden kann. Die Politik muss die Ängste im ländlichen Raum vor der Rückkehr des Raubtiers ernster als bisher nehmen. Wer die noch überschaubare Zahl der vom Wolf getöteten Nutztiere in Hessen damit relativieren will, dass jedes Jahr deutlich mehr Schafe und Ziegen an Krankheiten sterben, der hat die Sorgen der Tierhalter nicht verstanden.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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