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Plage in Madrid : Krieg den Mönchssittichen

Mönchssittiche sind in der spanischen Hauptstadt unbeliebt. Bild: Picture-Alliance

Grüne Plagegeister: Aus Südamerika kamen die Papageien einst als Haustiere nach Europa. In Madrid haben sie sich so rasant vermehrt, dass die Stadt nun Tausende töten will.

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          Anfangs zückten begeisterte Touristen noch ihre Kameras, wenn sie im Retiro-Park in Madrid die Vögel mit dem grünen Gefieder entdeckten. Die Mönchssittiche sehen aus wie kleine Papageien. Mittlerweile sind die Horden hässlich krächzender Vögel nicht nur in der spanischen Hauptstadt zu einer Plage geworden. In ganz Spanien leben rund 30.000 Exemplare der „Cottora Argentina“. Wie ihr Name schon andeutet, stammen sie nicht von der Iberischen Halbinsel, sondern aus dem Norden Argentiniens und aus benachbarten Regionen. Seit 2016 ist ihre Population alleine in Madrid allerdings um ein Drittel gewachsen. Laut der in dieser Woche vorgestellten Zählung sind es 12.000, im Jahr 2005 waren es noch 1700 Mönchssittiche.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die ersten grünen Papageien kamen in den achtziger Jahren als Haustiere nach Spanien, bevor einige von ihnen aus ihren Käfigen entkamen oder freigelassen wurden. Die schnell lernenden Exoten passten sich dem rauheren Klima Madrids mit seinen kalten Wintern und Winden schnell an. Sie vermehrten sich rasend. Die Madrider Stadtverwaltung weiß sich deshalb nicht mehr anders zu helfen, als die Eindringlinge auszurotten oder zumindest ihre Eier unschädlich zu machen.

          „Wir werden in Madrid einen Plan zur Kontrolle und Reduzierung dieser Vögel umsetzen, weil sich die Bürger Sorgen machen und wir viele Beschwerden erhalten haben“, kündigte der Umweltreferent der Stadtverwaltung, Borja Carabante, an. Die Zeitung „El País“ formuliert es drastischer: Das Rathaus habe den Mönchssittichen den „totalen Krieg“ erklärt. Der Plan sieht vor, die Zahl der Vögel von 12.000 auf 500 zu reduzieren. Es sollen Fallen aufgestellt und Netze über die Nester der schlafenden Vögel gebreitet werden, um sie dann zu fangen und zu töten. Zugleich will man verhindern, dass die Küken schlüpfen, indem Luft in die Eier injiziert wird. Laut Fachleuten reicht es nicht aus, nur ihre Nester zu zerstören. Die Folge wäre nur, dass sich die Vögel noch weiter ausbreiten und an anderen Orten fünf, sechs neue Nester bauen. Insgesamt 100.000 Euro – rund acht Euro für jeden Sittich also – sind im Haushalt vorgesehen.

          Über die Dringlichkeit besteht kein Zweifel

          Die rechtliche Grundlage für die Aktion bietet ein königliches Dekret: Wird eine exotische Spezies zum „Eindringling“ erklärt, können die Behörden einschreiten. „Es ist notwendig, gegen die Vögel vorzugehen, weil wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass sie unserem Ökosystem schaden. Wir müssen verstehen, dass es in der Umwelt Gutes und Schlechtes gibt und dass diejenigen, die von außen aggressiv eindringen, nicht das gleiche ökologische Recht auf Leben haben wie wir alle“, sagt Santiago Soria Carreras, der im Rathaus für das Projekt verantwortlich ist.

          Über das Ziel sind sich Umweltschützer und Experten einig, nicht jedoch über die Methode. Während die Organisation „SEO Birdlife“ in der Vernichtung den einzigen möglichen Weg sieht, hält es die Gruppe „Ecologistas en Acción“ für ausreichend, die Vogelscharen besser zu „kontrollieren“. Beide stimmen darin überein, dass die Stadtverwaltung viel zu spät reagiert hat. Denn über die Dringlichkeit besteht kein Zweifel: Die Mönchssittiche, die bis zu 20 Jahre alt werden können, verdrängen Spatzen, andere Singvögel sowie Fledermäuse. Zudem fürchtet man, dass sie Krankheiten übertragen können.

          Für Menschen und Bäume sind vor allem ihre großen Nester gefährlich. Sie beherbergen kleinere Kolonien und können bis zu 200 Kilogramm schwer werden. Wenn diese Mehrfamilienhäuser aus größerer Höhe zu Boden fallen, werden sie auch zu einer Gefahr für die Menschen. Das Problem ist nicht nur auf Madrid beschränkt. In Spanien haben auch Städte wie Sevilla und Barcelona mit der Invasion zu kämpfen. In Zaragoza hat man die Vögel schon fast wieder ausgerottet. Aber auch in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und sogar in Jerusalem sind ihre Artgenossen inzwischen heimisch.

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