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Pinguine in der Antarktis : Kuscheln vor den Kameras

  • -Aktualisiert am

Die Kaiserpinguine in der Atka-Bucht der Antarktis beachten das Pinguin-Observatorium im Hintergrund kaum. Bild: Daniel P. Zitterbart / FAU

In der Antarktis beobachten deutsche Wissenschaftler das Leben der Pinguine im Klimawandel. Dafür sind 16 Kameras im Einsatz, die einfangen, was menschliche Beobachter sonst nicht zu Gesicht bekommen.

          In der deutschen Antarktis-Station Neumayer III ist es ruhig geworden. Liefen im Süd-Sommer zwischen Dezember und Februar manchmal 50 Menschen durch die Gänge, leben dort seit dem 28. Februar nur noch vier Frauen und fünf Männer, die den nächsten Besucher erst nach dem Winter – also frühestens im November – erwarten. Ganz allein ist das Überwinterer-Team des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) aber nicht lange. Gerade einmal acht Kilometer weiter erstarren nämlich spätestens im Antarktis-Herbst die Wellen der Atka-Bucht zu Eis. Und bald tauchen am Horizont Gestalten in schwarzem Frack auch, die langsam dahin watscheln. Während der heulende Sturm aus dem Osten Schnee nach Westen peitscht, versammeln sich bis in den Mai rund 26.000 Kaiser-Pinguine. Sie wollen in der Eiswüste den Winter verbringen – und ihren Nachwuchs großziehen.

          Das kleine, orange-rote Häuschen, das hoch oben auf dem Rand der Eiswand gleich neben der Kolonie steht, beachten die Pinguine kaum. „Ihre an das Leben unter Wasser angepassten Augen sehen in der Luft ohnehin nicht optimal“, sagt Tim Heitland, der sich im AWI-Hauptstandort Bremerhaven um die Neumayer-Station kümmert. Im Antarktis-Winter 2017 markierte er als Leiter des damaligen Teams der Überwinterer den Weg zu den Pinguinen mit Bambusstangen. Mehrmals im Monat steht im Fahrtenbuch der Station das Ziel Atka-Bucht. Zwei oder drei Skidoo-Motorschlitten erreichen dann entlang der Markierungen nach einer halben Stunde das Häuschen. „So oft wie möglich habe ich dort sogar einen Teil meiner Freizeit verbracht und die Pinguine beobachtet“, sagt Heitland.

          16 Kameras beobachten die Pinguine

          Die regelmäßigen Fahrten sind nicht nur ein Höflichkeitsbesuch bei den einzigen Nachbarn in einem Umkreis von mehr als 200 Kilometern. „Die Überwinterer schauen dabei nach dem Rechten, kümmern sich um die Akkus in dem Häuschen oder schmieren die beiden kleinen Windkraft-Anlagen auf dem Dach.“ Schließlich ist das rote Häuschen das einzige Observatorium der Welt für Pinguine – mit gleich 16 Kameras. „Single Penguin Observatorium and Tracking“ oder kurz „SPOT“ heißt die extrem robuste und sehr zuverlässige Beobachtungsplattform für Wissenschaftler.

          Die deutsche Forschungsstation Neumayer III in der Antarktis

          Aus der Ferne steuern Mitarbeiter der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) in Erlangen das Pinguin-Observatorium in der fernen Antarktis. Deren Chef Daniel Zitterbart lenkt sein Team manchmal ebenfalls aus der Entfernung, weil er auch an der Woods Hole Oceanographic Institution im amerikanischen Bundesstaat Massachusetts forscht. Die Überlegung, die Kaiserpinguine der Atka-Bucht mit einem ferngesteuerten Observatorium auszuspähen, entwickelte der Forscher, als er 2008 als Geophysiker in der Neumayer-Station überwinterte. „Die Formeln, die das Verhalten vieler Moleküle in einem Gefäß mit Wasser beschreiben, kann man mit einigen Anpassungen auch auf eine Pinguin-Kolonie anwenden“, sagt Daniel Zitterbart. Die Formeln beherrscht der Physiker natürlich, das Problem sind eher die Daten, mit denen er seine Computermodelle füttert. So heulen oft Schneestürme über die Atka-Bucht. Ausgerechnet dann, wenn bei den Pinguinen viel los ist, hüllt von Ende Mai bis Ende Juli die Polarnacht das Geschehen in monatelanges Dunkel oder Dämmerlicht. Menschliche Beobachter sehen dann oft wenig.

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