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Poitou-Esel sind vom Aussterben bedroht. Mit einer Größe von 1,45 Metern können die Schwergewichte bis zu einer halben Tonne wiegen. Gute Voraussetzungen für Fahrtransporte, findet Grünen-Politikerin Susanne Murer. Bild: dpa

Esel-Taxis in der Pfalz : „Mein Mann hat schon die Kutsche besorgt“

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Die Grünen-Politikerin Susanne Murer will im pfälzischen Mörsbach Esel-Taxis fahren lassen. Im Interview spricht die Ortsvorsteherin über abgehängte Dörfer, Möglichkeiten der Entschleunigung und die Häme im Netz.

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          Frau Murer, was steckt hinter Ihrer Idee der Esel-Taxis?

          Die Idee entstand aus der Vision eines „Arche-Dorfs“: Haustiere, die vom Aussterben bedroht sind, zu züchten und zu halten. Da ich einen Selbstversorgerhof habe, wäre es für mich keine Umstellung, Poitou-Esel aufzunehmen. Diese Art ist aufgrund ihrer Größe gut geeignet für Fahrtransporte. Wir möchten gerne Esel-Touren für Touristen anbieten, aber auch ein Angebot für Menschen aus dem Ort sein. Die Esel-Taxis sollen von Mörsbach bis Zweibrücken oder Homburg fahren. Es geht darum, den Weg wieder mehr wahrzunehmen und den Alltag zu entschleunigen.

          Entschleunigung ist ein gutes Stichwort. Wie lange bräuchte denn ein Esel-Taxi für die Strecke?

          Poitou-Esel können bis zu 24 Kilometer pro Stunde laufen. Im Schritttempo, mit einem Karren hintendran, laufen sie fünf bis sechs Kilometer pro Stunde. Für die Strecke nach Homburg würden sie etwa eine halbe Stunde brauchen. Mit dem Auto braucht man eine Viertelstunde.

          Im Internet hat Ihre Idee Spott geerntet. Die Satirepartei „Die Partei“ schrieb beispielsweise, Mörsbach werde „weitaus authentischer mit Transportmitteln aus dem Mittelalter“. Wie nehmen Sie die Kritik an den Esel-Taxis auf?

          Auf Facebook habe ich einen Shitstorm ausgelöst. Das ist aber völlig aus dem Kontext gerissen. Die Esel-Taxis sollen ja kein Fuhrunternehmen werden, wo man anruft und ein Taxi bestellt. Es soll ein Angebot sein, das vor allem für ältere Menschen aus dem Ort da ist und sie zu Veranstaltungen im Nachbarort fährt. Die Esel sollen nicht nur als reines Transportmittel benutzt werden, sondern auch zu touristischen Zwecken wie Eselstouren, Kinderreiten oder therapeutischem Reiten dienen. Ich habe aber schon geahnt, dass es Kritik geben wird. Heutzutage ist es schwierig, etwas Neues zu wagen. An mich persönlich wurden aber nur positive Reaktionen herangetragen. Aus ganz Deutschland haben sich Leute gemeldet und ihre Hilfe angeboten.

          Das heißt, Sie lassen sich von den Kritikern nicht unterkriegen?

          Die Planung ist in vollem Gange. Ich möchte die Esel-Taxis auf jeden Fall verwirklichen. Im Moment bin ich auf der Suche nach Menschen, die Poitou-Esel verkaufen würden. Mein Mann hat schon die Kutsche besorgt. Ende des Jahres soll sie in Betrieb gehen.

          Hinter den Esel-Taxis scheint viel Arbeit zu stecken. Wozu machen Sie sich den Aufwand?

          Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass unser Ort abgehängt ist: Von Mörsbach zum nächsten Ort gibt es kaum öffentliche Transportmittel. Der letzte Bus zurück in den Ort geht um 18.30 Uhr. Schüler haben dadurch kaum Möglichkeiten, abends noch in einem Verein tätig zu sein. 30 Prozent der Mörsbacher sind über 50 Jahre alt. Die sind auf den Nahverkehr angewiesen. So entstand auch die Idee einer Mitfahrerbank, die bald umgesetzt wird. Das ist eine Bank, auf die sich ältere Menschen setzen und mit Schildern angeben, in welche Richtung sie möchten. Dann müssen sie nur noch darauf warten, mitgenommen zu werden. Auch das wieder im Sinne der Entschleunigung.

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