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Opel-Zoo nach Vogelgrippe-Fall : „Normalerweise würden alle Tiere im Stall gekeult“

Ein junges Paar steht am Dienstag vor den verschlossenen Türen des Kronberger Opel-Zoos. Ein Pelikan war hier an Vogelgrippe erkrankt. Bild: Maximilian von Lachner

Ein Pelikan im Kronberger Zoo war infiziert. Wann der Zoo wieder öffnen kann, ist unklar. Jetzt werden alle 280 Vögel untersucht – eine Ausnahme, sagt die Leiterin des Veterinäramts.

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          Der Opel-Zoo in Kronberg bleibt zum ersten Mal in seiner 60 Jahre währenden Geschichte für mehrere Tage geschlossen. Bei einem Rosapelikan, der vorige Woche tot aufgefunden worden war, hat sich am Dienstag der Verdacht auf Vogelgrippe bestätigt. Das Friedrich-Löffler-Institut informierte das Veterinäramt über die Infektion mit dem Virus H5N8. Daraufhin wurden der Zoo und der öffentliche, durch den Tierpark führende Philosophenweg gesperrt. Damit soll verhindert werden, dass Besucher das Virus zum Beispiel an den Schuhen nach draußen tragen und weitere Vögel infizieren.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für Menschen und Säugetiere gilt diese Form der Vogelgrippe hingegen als nicht ansteckend. „Grund für die Schließung ist nicht eine Gesundheitsgefährdung der Besucher“, hob Zoodirektor Thomas Kauffels hervor. Es handelt sich um den dritten bestätigten Vogelgrippefall in Hessen. Das hessische Umweltministerium erklärte das Gebiet im Umkreis von drei Kilometern zum Sperrbezirk, der außer Königstein und Kronberg auch die Bad Sodener Stadtteile Alten- und Neuenhain sowie einen Teil des Schwalbacher Stadtgebiets umfasst. Zehn Kilometer weit und damit bis in den Frankfurter Norden reicht das Beobachtungsgebiet. Darin gibt es etwa 320 Geflügelhaltungen. Meist handele es sich um Hobbyhalter mit wenigen Tieren, sagte die Leiterin des Veterinäramts im Hochtaunuskreis, Britt Friebertshäuser.

          Der größte Betrieb mit 21.000 Tieren liegt auf dem Gebiet der Stadt Frankfurt, ein weiterer mit 10.000 Tieren im Hochtaunuskreis. In den Sperr- und Beobachtungsgebieten gelten Biosicherheitsvorschriften. Betriebsfremde Personen dürfen nicht in die Geflügelställe, und Tiere oder Eier dürfen nur nach ausdrücklicher Genehmigung der Veterinärbehörde von den Höfen weggebracht werden. „Auch die Jagd auf Federwild ist verboten“, sagte Friebertshäuser. Im Opel-Zoo, mit mehr als 700.000 Besuchern eine der beliebtesten Freizeitattraktionen in Hessen, werden jetzt alle 280 Vögel untersucht.

          Die anderen Pelikane zeigen keine Symptome

          Dabei werden mit einem Tupfer Proben an Nase, Rachen und Kloake der Tiere genommen. „Die Hälfte haben wir heute geschafft“, sagte die Veterinäramtsleiterin am Dienstag. Keine Vogelart sei davon ausgenommen, ergänzte Zoodirektor Kauffels. Friebertshäuser war bis zu dem Kronberger Nachweis weltweit kein Fall eines Pelikans bekannt, der an H5N8 erkrankt ist. Die anderen Pelikane, die seit der am 16. November erlassenen Stallpflicht getrennt von anderen Vogelarten untergebracht seien, zeigten zum Glück keine Symptome.

          Wenn die jetzt genommenen Proben negativ seien, könne der Zoo in Abstimmung mit dem Ministerium und dem Regierungspräsidium wieder öffnen, sagte die Tierärztin. Ein Ergebnis erwarte man Ende der Woche. Mit den Untersuchungen nehme man darauf Rücksicht, dass viele Zootiere bedrohten Arten angehörten. „Normalerweise würden bei einem solchen Fall alle Tiere im Stall gekeult“, sagte Friebertshäuser. Kauffels erreichte die Nachricht gestern bei einem Treffen des Verbands der Zoologischen Gärten. Dort saß er mit dem Direktor des Tierparks Hagenbeck zusammen, der den Hamburger Zoo wegen eines Vogelgrippe-Falls bei drei Gänsen ebenfalls schließen musste.

          Der Frankfurter Zoodirektor Manfred Niekisch, der in engem Kontakt mit dem Tierpark in Kronberg steht, sprach mit Blick auf den infizierten Pelikan von einer „alarmierenden Entwicklung“, dennoch sei der Befund des Friedrich-Löffler-Instituts „kein Grund zur Panik“. Unklar sei, warum sich einzelne Tiere ansteckten, sagte der Biologe Niekisch. Übertragen werde das Virus wohl über Zugvögel, die sich auf ihren Wegen in Richtung Süden Ruheplätze an Gewässern, aber auch an Flüssen und Teichen suchten. Offenbar werde der Erreger dann über den Kot der Tiere auf andere Wasservögel wie die Kanadagans in Sossenheim oder den Rosapelikan in Kronberg übertragen.

          Unterdessen bereitet der Hamburger Tierpark Hagenbeck nach ersten Fällen von Vogelgrippe die Keulung von 20 Gänsen vor. „Das ist nötig, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern“, sagte der Veterinär des Tierparks, Michael Flügger, am Dienstag. Bis weitere Infektionsfälle ausgeschlossen werden könnten, bleibt auch der dortige der Tierpark geschlossen. In den vergangenen Tagen hatten bereits zwei Tierparks in Mecklenburg-Vorpommern – Ueckermünde und Sassnitz – nach Vogelgrippe-Nachweisen vorläufig die Tore geschlossen.

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