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Nachwuchs im Delfinarium : Ist das noch Flipper?

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Von außen betrachtet ist es ein absurder Kampf Gleichgesinnter - denn alle wollen die Tiere schützen. Aber die Fronten sind verhärtet. Die einen sind überzeugt davon, dass sie den Tieren helfen, auch in Gefangenschaft, wenn sie mit Zuchtprogrammen und Forschungsprojekten versuchen, mehr über die Tiere herauszufinden. Die anderen sind sich sicher, dass Tiere in Gefangenschaft das größte Übel der Welt sind. Es ist ein ideologischer Kampf, bei dem es letztlich nicht um wissenschaftlich haltbare Argumente geht, sondern darum, eine gesellschaftliche und politische Mehrheit zu erkämpfen. Dafür werde auf der Gegenseite nicht immer nur mit fairen Mitteln gekämpft - davon sind beide Parteien überzeugt.

Delfinpfleger Zieger hat nichts gegen Kritik und einen fair geführten Diskurs, man könne ja über manche Dinge durchaus streiten. Aber viele Vorwürfe beleidigen ihn und sein Berufsethos zutiefst. Da ist zum Beispiel die Aussage von Richard O’Barry, dem ehemaligen Flippertrainer und heutigem Aushängeschild der Tierschützer. Er hat gesagt, jeder Trainer werde vor dem Becken zum Lügner. Zehn Minuten Fußweg vom Delfinarium in Nürnberg entfernt, am Eingang des Tiergartens, hat Direktor Encke sein Büro. An der Tür zum Konferenzzimmer klebt eine Postkarte mit dem Aufdruck „Meine Meinung steht fest! Bitte, verwirren Sie mich nicht mit Tatsachen.“ Darunter hängt ein Comic, auf dem ein Mann vor einer Wand voller Aktenordner steht, von denen nur die Rücken mit den runden Löchern zu sehen sind. „Natürlich ist das Akteneinsicht“, steht darauf. „Was meinen Sie, wofür das Loch ist.“

Regelmäßig kommen die Tierschützer bei ihm vorbei, weil ihnen wieder einmal ein Gericht Akteneinsicht genehmigt hat. Sie versuchen Encke immer wieder nachweisen, dass er die Delfine systematisch ruhigstellt und Medikamente nicht nur dann einsetzt, wenn sie nötig sind.

Beide kommen nie und nimmer zusammen

Einer von ihnen ist Jürgen Ortmüller, der Vorsitzende des Wal- und Delfinschutzforums mit Sitz in Hagen, der zweiten Tierschutzvereinigung für Delfine in Deutschland. An seine Besuche in Nürnberg erinnern sich beide recht unterschiedlich. Encke sagt, bei der Einsichtnahme sei nie ein Gespräch gesucht worden. Ortmüller hält entgegen, niemand dort habe mit ihm gesprochen, obwohl er Interesse an einem Gespräch gehabt habe.

Die Sache ist die: Beide kommen nie und nimmer zusammen. Auch deshalb versucht es Dag Encke gar nicht mehr richtig. In den ersten Jahren als Zoodirektor habe er wirklich noch den Dialog gesucht, bis er erkannt habe, dass die Interessen so unterschiedlich seien, dass man mit einer sachlichen Auseinandersetzung sowieso nicht weiterkomme. So versucht jeder auf seine Weise, weiter die eigene Position zu stärken. Encke und seine Mitarbeiter gehen über Wissenschaft und bessere Haltungsbedingungen. Ortmüller versucht es über die Öffentlichkeit, über Demonstrationen und Anträge auf Akteneinsicht.

Weil er aber auch weiß, dass die gesellschaftlichen und politischen Mehrheiten gerade nicht auf seiner Seite sind, versucht er es über die wirtschaftlichen Zwänge der Delfinarien. Als in Münster, dem zuletzt geschlossenen Delfinarium in Deutschland, nicht klar war, ob das nötige Geld für eine Sanierung aufgetrieben werden kann, führten Ortmüllers Proteste mit zur Schließung. Auch all die Delfinshows in den Freizeitparks, sagt er, gebe es dank seiner Proteste nicht mehr.

Bei den verbliebenen Delfinarien in den Zoos in Duisburg und Nürnberg kann er aber nicht mehr so leicht obsiegen - zu viel Geld wurde in den Ausbau der Anlagen gesteckt. Und im Augenblick sieht es auch nicht danach aus, als ob sich eine gesellschaftliche Mehrheit für den Verzicht auf die Zoohaltung von Tieren fände. Nami wird es freuen.

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