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Nach tödlicher Kuhattacke : Tiroler Landwirt muss hohe Strafe zahlen

Freilaufende Kühe sind in alpenländischen Gebieten keine Seltenheit (Symbolbild) Bild: dpa

Eine 45 Jahre alte Deutsche wurde 2014 in Tirol von einer Kuhherde totgetrampelt. Der Landwirt soll jetzt 490.000 Euro Schadenersatz und Hinterbliebenenrente zahlen. Das Urteil könnte weitreichende Folgen haben.

          Wer Kühe für allzeit friedliche und freundliche Geschöpfe hält, die keiner Fliege etwas zuleide tun, sollte sich vor der nächsten Bergwanderung dringend weiterbilden. Denn Jahr für Jahr kommt es vor, dass Wanderer in den Alpen von frei weidenden Rindern angegriffen werden. Noch glimpflich ist der Urlauber davongekommen, der im vergangenen Juni im Pinzgau von einer Kuh über eine Böschung hinweg in einen Bach gestoßen wurde. Im Jahr zuvor kam es zu einer ganzen Handvoll Vorfällen, in denen Kühe Wanderer attackierten, die ihre Alm durchquerten. Landwirtschaftskammern und Tourismusverbände gaben Verhaltensmaßregeln heraus: Abstand halten, besonders wenn Kühe Kälber führen; Hunde anleinen, bei unmittelbarer Bedrohung aber freilassen.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Manchmal enden solche Kuhattacken sogar tödlich. So wurde eine 45 Jahre alte Deutsche im Tiroler Stubaital im Juli 2014 durch eine Kuhherde totgetrampelt. Jetzt ist in diesem Fall – die Hinterbliebenen klagten gegen den Bauern, dem Kühe und Weide gehören – ein Urteil am Landgericht Innsbruck im Zivilprozess ergangen. Es könnte weitreichende Folgen für Landwirtschaft und Tourismus haben, wenn es in den folgenden Instanzen bestätigt wird. Der Landwirt muss demnach insgesamt rund 490.000 Euro Schadenersatz und Hinterbliebenenrente zahlen. Der Bauer will Berufung einlegen.

          Im Verfahren wurde die Angabe des Bauern bestätigt, dass er beim Zugang zur Weide Warnschilder aufgestellt hatte. Vor der Verunglückten war eine Familie mit einem Hund über das Gelände gegangen, wodurch die Herde offenbar bereits beunruhigt war. Die Frau, die dann zu Tode kam, führte einen Hund an der Leine, auf den es die Herde mit Mutterkühen und Kälbern nach Feststellung von Gutachtern vermutlich „abgesehen“ habe. In der Urteilsbegründung hieß es, dass der Bauer das Gebiet hätte einzäunen können.

          Landwirtschaftskammern und Tourismusverbände warnten davor, dass in der Folge Wanderwege durch Weiden und Almen gesperrt werden oder die Freilandhaltung von Vieh nicht mehr möglich sein könnte. Denn Bergbauern könnten mit ihren geringen Einkommen weder großflächige Einzäunung tragen, noch derart hohe Haftungskosten absichern. Das Urteil sei praxisfremd und gefährde das Miteinander von Tourismus und Almwirtschaft in Tirol, sagte der dortige Landwirtschaftskammerpräsident. Ein Tourismusverband mahnte zu Umsicht und Eigenverantwortung: „Wenn diese Schuldzuweisungsmentalität weiter zunimmt, könnte das Auswirkungen auf den Tourismus haben, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. In freier Natur ist Selbstverantwortung gefragt, nicht Vollkasko-Mentalität.“

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