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Massensterben in Norwegen : Das Rätsel der Rentiere

322 tote Rentiere: Das schockierende Bild wurde Ende August im norwegischen Hardangervidda-Nationalpark aufgenommen. Bild: dpa

322 Wildtiere starben bei einem Unwetter in Norwegen. Was steckt dahinter? Und wieso werden jetzt ihre Gehirne untersucht?

          2 Min.

          Eine Aufnahme hat am Montagabend die Norweger und viele Menschen über das Land hinaus schockiert. Sie zeigt eine weite Wiese der Hardangervidda-Hochebene mit sanften Hügeln, im Hintergrund ist ein See oder Fluss zu erkennen. Mitten in der malerischen Szenerie: Hunderte Rentiere, regungslos auf der Seite oder dem Rücken liegend – und das überwiegend innerhalb eines Radius’ von 50 bis 80 Metern. Jetzt wird gerätselt: Wie verendeten die Tiere? Und warum so viele auf einmal?

          Leonie Feuerbach
          Redakteurin in der Politik.

          In der Nachricht zum Tod der Tiere hieß es, sie seien wohl vom Blitz getroffen worden, Forscher untersuchten aber auch einige Gehirne der toten Tiere, um sie auf eine tödliche Krankheit zu testen. Der Verdacht: Möglicherweise litten die Rentiere an der chronischen Auszehrungskrankheit CWD. Sie ähnelt BSE bei Rindern und befällt vor allem Hirsche in den Vereinigten Staaten und Kanada. Im April 2016 wurde der Erreger aber erstmals auch in Europa nachgewiesen – und zwar bei einem Rentier in Südnorwegen, etwa 100 Kilometer nördlich des jetzigen Unglücksorts.

          Auch wenn die Krankheit tödlich ist, vermutet das norwegische Umweltamt aber nicht, dass die Tiere womöglich an ihr und nicht durch das Unwetter gestorben sein könnten. Es will vielmehr den traurigen Anlass für eine Querschnittsuntersuchung nutzen, erklärt Erik Lund, Mitarbeiter der Wildtier-Sektion des Amts. Erste Ergebnisse gibt es schon: Bisher war keines der verstorbenen Rentiere an CWD erkrankt. Die Untersuchungen laufen aber weiter.

          Noch nie starben so viele Tiere im Nationalpark auf einmal

          Wie es aussieht, starben alle 322 Rentiere wohl tatsächlich, weil sie vom Blitz getroffen wurden. Denn wenn sie Angst haben, drängen sich Rentiere dicht aneinander, wie Erik Lund erläutert. Außerdem neigen Tiere dazu, in gefährlichen Situationen den höchsten Punkt in ihrer Umgebung zu erklimmen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Noch ist laut Lund unklar, ob es sich um einen oder mehrere tödliche Blitzeinschläge handelte. Vermutlich sei es aber tatsächlich nur ein Blitz mit der außergewöhnlichen Stärke von 63.000 Ampere gewesen, der zwischen den Körpern der verängstigten Tiere weitergeleitet wurde.

          Die Hardangnervidda ist mit 8000 Quadratkilometern ungefähr halb so groß wie Thüringen und eine der größten Hochebenen Europas. Ein großer Teil gehört zu einem Nationalpark und ist ein beliebtes Wandergebiet. Gelegentlich kommen Tiere hier bei Unwettern um, denn es gibt kaum Bäume oder Sträucher, unter denen sie Schutz suchen könnten. So viele wie jetzt waren es allerdings noch nie, sagt Lund.

          Die „Bild“-Zeitung nahm das schon zum Anlass, besorgt zu fragen: „Fällt Weihnachten jetzt aus?“ Das ist jedoch eher unwahrscheinlich. Denn in der Gegend leben neben Schneehasen, Polarfüchsen, Berglemmingen und Schneeeulen insgesamt etwa 10.000 bis 12.000 wilde Rentiere. Der tragische Vorfall sei sehr ungewöhnlich, sagt denn auch Wildtierexperte Erik Lund. Er werde die Population als Ganzes aber nicht beeinflussen.

          Norwegen : Mehr als 300 Rentiere durch Blitzschlag gestorben

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