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Walter Palmer : Cecils Jäger eröffnet seine Praxis wieder

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Die Jagdtrophäe, die Walter Palmer zum Verhängnis wurde: Der erhabene Löwe Cecil. Leicht an seiner schwarzen Mähne zu Erkennen, war er ein großer Touristenmagnet der Zimparks in Zimbabwe. Bild: dpa

Der amerikanische Zahnarzt Walter Palmer erlegte in Zimbabwe Cecil, den Löwen mit der schwarzen Mähne. Cecils Tod löste weltweit einen Sturm der Entrüstung aus. Jetzt nimmt Palmer die Arbeit wieder auf, „weil die Menschen mich brauchen“.

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          Es ist eine sehr harte Zeit für meine Frau und meine Tochter. In den sozialen Medien wurden sie schwer angegriffen“, sagt Walter Palmer. Der 55 Jahre alte Zahnarzt löste Ende Juli eine Welle der Entrüstung aus, als er in Zimbabwe bei einer Großwildjagd den Löwen Cecil mit Pfeil und Bogen erschoss. Seitdem wird er mit dem Tode bedroht. Seine Twitter- und Facebook-Accounts und die Praxis-Website mussten geschlossen werden. Beruflich zog sich Palmer vorerst zurück, „aus Sicherheitsgründen“, wie er sagt. „Ich beschäftige viele Mitarbeiter und bin untröstlich, dass ihr Leben durcheinander gebracht wird“, sagte der Wildjäger in seinem ersten Interview nach dem Tod des Löwen.

          Gemeinsam mit zwei lokalen Jägern hatte Palmer den berühmten Löwen verbotener Weise aus den Hwange-Nationalpark gelockt und mit einem Pfeil verwundet. Erst 40 Stunden später befreiten sie den Löwen mit einem weiteren Schuss von seinen Qualen, trennt den Kopf ab und häuteten ihn. Brisant: Cecil soll ein Halsband mit einem Sender zu Forschungszwecken getragen haben, welches die Jäger versteckten.  

          Palmer streitet jegliche Verantwortung ab. Er und seine Mitjäger hätten nicht gewusst, dass es sich um das prominente Wildtier handelt, gab er gegenüber der Minneapolis Star Tribune an.  Die Aussage widerspricht zumindest im Detail einem früheren Statement, dass er kurz nach dem Medienwirbel veröffentlichte. „Ich habe mich ganz auf meine lokalen, professionellen Führer verlassen.“ Es ist zu bezweifeln, dass sich die ortskundigen Jäger der Situation nicht bewusst gewesen sind. Gegen die zwei Guides läuft ein Verfahren wegen Beteiligung an einer illegalen Wildjagd.

          Palmer will sich den Behörden in Zimbabwe nicht stellen

          Unterstützung erhielt der wohlhabende Zahnarzt während des Interviews von Joe Friedberg, einem bekannten Anwalt aus Minneapolis. Allerdings sei dieser unbezahlt. „Schließlich braucht er keinen Anwalt. Es gibt auch keine offizielle Beschuldigung, dass er etwas falsch gemacht hat “, so der Jurist Friedberg. Das stimmt so allerdings nicht, schließlich forderte das Land Zimbabwe die Auslieferung des Schützen aus Amerika, um ihn vor Gericht zu stellen. Dass sich die Vereinigten Staaten auf so einen diplomatischen Akt einlassen, gilt jedoch als sehr unwahrscheinlich. Von behördlicher Seite sei zudem bisher keiner auf Palmer zugekommen.

          Mit Wachschutz: die Praxis von Walter Palmer öffnet am Dienstag wieder.

          Und so stellt der Großwildjäger klar: Er werde nicht nach Zimbabwe zurückfliegen, um sich Untersuchungen oder Anklagen zu stellen. Stattdessen will er wieder seine Arbeit aufnehmen. „Ich muss wieder zurück zu meinen Mitarbeitern und Patienten. Sie brauchen mich.“ Am Dienstag wird er seine Praxis wieder eröffnen.

          Die kolportierte Summe von 50.000 Dollar, die der Zahnarzt für die Safari gezahlt habe, bezeichnet Palmer als falsch, ohne nach unten oder oben zu korrigieren. Doch Geld scheint ihn ohnehin nicht vom Jagdvergnügen abzuhalten. Schon 2008 zahlte Palmer 3000 Dollar Strafe und wurde zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt, weil er einen Bären illegal in den Vereinigten Staaten erschoss.

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