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Kodiakbären in Alasaka : Auf dem Weg zum Lachsfang

  • -Aktualisiert am

Auch die Mutter sieht noch schwach aus: Kodiakbären suchen am Karluk-Fluss nach Kalorien. Bild: Carl-Albrecht von Treuenfels

Junge Kodiakbären brauchen einen ganzen Sommer, um jagen zu lernen. Denn die Lachse sind schnell und die Konkurrenz der Bären untereinander ist groß.

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          Die erfahrene Bärenmutter führt nicht zum ersten Mal in ihrem Leben ihre im Winter geborenen Jungen in das Tal des Karluk-Flusses auf der zu Alaska gehörenden Insel Kodiak. Also hat sie damit bis zum Juli gewartet. Vor kurzem haben die drei jungen Braunbären noch die meiste Zeit des langen Sommertages an ihrer Höhle verbracht. Die Bärin hat sie im letzten Winter in einem selbstgegrabenen Erdloch, das zwei bis drei Meter tief ist, am Südhang eines nahen Berges geboren. Dazu hat sie in ihrem mehrmonatigen Winterschlaf eine Pause eingelegt.

          Auch für das Säugen der anfangs blinden und unterentwickelten Jungen unterbrach sie immer wieder ihre Ruhephase oder erfüllte ihre Mutterpflichten im Halbschlaf. Nach der Schneeschmelze verließ sie anfangs die frostfreie Kinderstube täglich nur für ein oder zwei Stunden, um sich nach der langen Hungerzeit, bei der sie bis zu einem Drittel ihres Gewichts verloren hat, erste Kraftreserven in der Umgebung des Winterlagers anzufressen. Gras, Beeren vom Vorjahr, ausgegrabene Wurzeln, Insekten, Kadaver von im Winter umgekommenen Huftieren und kleine Säugetiere dienten als schmales Nahrungsangebot, das es ihr ermöglichte, weiter fettreiche Milch für ihre Jungen zu produzieren.

          Es ist ihr anzusehen, dass sie ihr normales Körpergewicht noch nicht wieder erreicht hat. Als schwerste und größte der vielen Unterarten bei den Braunbären können es die männlichen Kodiakbären – wie die sibirischen Kamtschatkabären – bei einer Körperlänge von bis zu drei Metern auf knapp 800 Kilogramm bringen. Die Weibchen begnügen sich mit etwa einem Drittel oder der Hälfte dieser Maße.

          Zum Sommerbeginn sind die drei Bärenkinder so weit entwickelt, dass die Mutter sie auf eine längere Wanderschaft mitnehmen kann. Die Winterhöhle liegt mitunter mehrere Kilometer vom Ziel entfernt, den Flüssen, in denen vom Frühjahr bis zum Herbst die Lachse gegen die Strömung zu ihren Laichplätzen im flachen Quellbereich ziehen. Die fünf pazifischen Lachsarten (eine sechste Art gibt es an der asiatischen Pazifikküste), die in Alaskas Gewässern ihre Eier ablegen, den rot gefärbten Rogen, schwimmen zeitlich versetzt vom Ozean die Flüsse aufwärts, so dass sie über mehrere Monate eine nicht versiegende Nahrungsquelle für viele Tiere und den Menschen sind. Für Bären sind die fettreichen Lachse von unschätzbarem Wert. Mit ihnen füllen die erwachsenen Tiere ihr Körpergewicht auf, und die Jungen erleben über Wochen einen kräftigen Wachstumsschub.

          Bären kämpfen um die besten Fangplätze

          Bevor sie ihren ersten Lachs selbst fangen können, müssen sie bei ihrer Mutter in die Lehre gehen. Anfangs sind sie auf die Fische angewiesen, die ihnen die Bärin serviert. Die Jungen beobachten wochenlang ihre Fangtechnik. Entweder schlägt sie mit einer ihrer beiden Vordertatzen zu, oder sie greift sich mit ihrem scharfen Gebiss einen Fisch heraus. Doch viele Zugriffe sind vergebens, denn die Beute ist glitschig.

          Die Lachse sind darüber hinaus schnell und schlau, und die Konkurrenz der Bären untereinander ist groß an den besten Fangplätzen – den Stromschnellen und Wasserfällen, an denen die Lachse den Bären mitunter direkt in den Rachen springen. Die älteren und größeren Bären beißen die schwächeren Artgenossen weg und verjagen sie, besonders die jungen Bären. Daher sind die Mütter darauf bedacht, dass ihre Kinder in der Nähe bleiben, möglichst hinter ihnen. Sie meiden die Flussabschnitte, an denen sich andere Bären aufhalten, und müssen daher öfter in Bereichen fischen, die für die Jagd weniger geeignet sind.

          Trotzdem sind Streitigkeiten und lebensbedrohende Angriffe immer wieder an der Tagesordnung. Insbesondere sind junge Bären gefährdet – innerhalb der Art ist Kannibalismus nicht ungewöhnlich. Männliche Bären sind daher für Bärenmütter und ihre Jungen die gefährlichsten Feinde. Doch viele Bärinnen wissen, wie sie sich Respekt verschaffen, oder sie ziehen eine rechtzeitige Flucht mit ihren Kindern vor. Da sie ihren Nachwuchs zwei Jahre lang betreuen, können diese den Schutz auch als Halbwüchsige im nächsten Sommer nach einer gemeinsamen Überwinterung weiter genießen.

          Erst im dritten Winter kommt die Bärin nach der Paarung mit einem Bären zwischen Mai und Juli und einer Tragzeit von rund sechs Monaten (bei gelegentlicher zwischenzeitlicher Keimruhe bis zu neun Monaten) wieder mit zwei bis fünf Jungen nieder. Wenn sie genug Nahrung finden und ein sicheres Winterlager haben, können Braunbären, zu denen auch die Grizzlybären gehören, 20 Jahre alt werden. In Zoos haben sie auch schon länger als 30 Jahre gelebt.

          Man sollte nicht zwischen eine Bärin und ihre Jungen geraten

          Ausgewachsene männliche Bären haben in Alaska keine natürlichen Feinde. Viele von ihnen leben in großen Schutzgebieten, doch auch dort unterliegen sie zum Teil einer staatlich kontrollierten jagdlichen Bewirtschaftung. Die kombinierten Naturschutz- und Jagdbehörden geben in jedem Jahr eine bestimmte Zahl zum Abschuss frei, die nach regelmäßiger Bestandserfassung festgesetzt wird. Die vorhandene Population von Ursus arctos von 2000 bis 2500 Tieren wird dadurch nicht dezimiert.

          Die Fangplätze an den Flüssen sind für die Jagd tabu. Die meisten Tiere werden im Herbst bei der Beerenlese abseits der Flüsse erlegt. Mit den Gebühren, zu einem guten Teil von ausländischen Jägern bezahlt, werden Schutzmaßnahmen finanziert. Nicht wenige Menschen leben gerade in Alaska von der Betreuung und Führung ihrer Jagdkunden. Viel Geld steuern auch Naturfreunde und Fotografen zum Bärenschutz bei.

          Wo die Menschen einen gewissen Abstand zu den Bären halten, werden diese ihnen auch nicht gefährlich. Nur sollte man nicht zwischen eine Bärin und ihre Jungen geraten. Eine solche Begegnung kann mehr als ungemütlich werden.

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