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Wildtiere im Winter : „Die Aufgabe der Jäger ist jetzt, den Tieren zu helfen“

Heikle Situation: Bei extremem Schneeeinfall haben es vor allem die Kälber des Rotwildes schwer. Bild: dpa

Wie kommen Gämsen, Steinböcke und Rehe mit den Schneemassen zurecht? Ein Interview mit dem Jäger Thomas Schreder über eingeschneite Wildtiere, unerreichbare Fütterungsstellen und Möglichkeiten, die Tiere zu versorgen.

          Herr Schreder, als Vizepräsident des Bayerischen Jagdverbandes sind Sie der „Hege und Pflege“ des Wildbestands verpflichtet. Wie kommen Gämsen, Steinböcke, Rehe und Hirsche mit den derzeitigen Schneemassen zurecht?

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die Tiere sind gut adaptiert, sie kennen den Schnee. Sie haben sich im Sommer Reserven angefressen, auch das Fell ist der Witterung angepasst. Wir haben jetzt allerdings Extremsituationen mit oft bis zu drei Meter hohem Schnee. Die Tiere schneien regelrecht ein. Wir haben Bilder gesehen, auf denen nur der Kopf eines Hirsches noch aus dem Schnee herausragt. Und für die Kälber des Rotwilds ist es besonders heikel. Sie sind noch nicht so stark und groß, haben nicht so lange Läufe. Sie versinken im Schnee und sind darauf angewiesen, dass das Muttertier vorwegläuft und versucht, ihnen eine Art Schneise durch den Schnee zu schlagen. Es ist also sehr schwer, an Nahrung zu kommen. Insgesamt ist das Wild stark in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Und dann stößt auch die beste Anpassung an die Umgebung an Grenzen.

          Gibt es Tiere, die mit dieser Witterung noch einigermaßen zurechtkommen?

          Vizepräsident des Bayerischen Jagdverbandes: Thomas Schreder.

          Die Gams ist zäh, sie kommt auch mit hohen Schneelagen und knapper Nahrung klar. Allerdings ist gerade erst die Brunft zu Ende gegangen, die Tiere sind noch geschwächt. Daher brauchen auch sie in dieser Extremsituation unsere Unterstützung. Der Schneehase und das Schneehuhn sind, wie der Name schon sagt, bestens gewappnet. Der Schneehase ist durch sein weißes Fell getarnt, er hat extrem breite Pfoten, mit denen er gut über die Schneefelder laufen kann. Und er findet immer irgendwo noch eine Knospe oder einen Baumzweig. Wildschweine sind generell hart im Nehmen, sie sind aber sowieso nicht in den jetzt betroffenen hochalpinen Lagen zu Hause. Schwieriger hat es da das Schalenwild, wie zum Beispiel das Rotwild.

          Wie kann man diesen Tieren helfen?

          Normalerweise werden in Wintern mit viel Schnee in den Bergregionen sogenannte offene Fütterungen eingerichtet. Der bayerische Staatsforst und private Jäger haben im Sommer Heu eingelagert. Diese Heuballen werden im Winter dann an bestimmten Plätzen abgelegt, die Tiere kennen diese Stellen. Jetzt können allerdings weder Jäger noch Tiere diese Fütterungsstellen erreichen.

          Können die Tiere trotzdem mit Nahrung versorgt werden?

          Es gibt Jäger, die fahren mit dem Skidoo zu den Fütterungsstellen. Aber auch das ist nicht überall möglich und im Moment sehr schwierig. Und dann gibt es durchaus auch Jäger, die sich den Heuballen auf den Rücken schnallen und mit Tourenski aufsteigen.

          Könnte man die Tiere nicht auch aus der Luft versorgen?

          Es gibt die Möglichkeit, mit dem Hubschrauber Heuballen abzuwerfen. Im Moment werden ja auch Hubschrauber für Lawinensprengungen eingesetzt oder um Bäume von Schnee zu befreien. Das alles dient der Sicherheit der Menschen und hat natürlich Priorität. Aber es würde uns sehr freuen, wenn man vielleicht auf diesem Wege direkt auch das Wild mit Futter versorgen könnte. Wir haben leider keine eigenen Hubschrauber.

          Darf jetzt überhaupt gejagt werden?

          Nein! Das Wild braucht Ruhe, es herrscht Notzeit. Die Tiere sind gestresst genug, da muss man sie nicht auch noch bejagen. Das Jagdverbot muss auch in den Schonzeitaufhebungsgebieten gelten, wo zurzeit eigentlich gejagt werden darf. Die Aufgabe der Jäger ist jetzt, den Tieren in dieser Extremsituation zu helfen. Es wird aufgehört zu schießen. Nun gilt für alle: „Hahn in Ruh!“

          Gut angepasst im Winter: Hirsche im Schnee.

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