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Angriffe und Schweinepest : Wildschweine sorgen in Rom für Aufruhr

Alltäglicher Anblick: Wildschweine in Rom. Bild: dpa

Die italienische Hauptstadt wird ihrer Wildschweinplage nicht mehr Herr. Nach einem ersten Fall der Afrikanischen Schweinepest kommt es immer wieder zu gefährlichen Begegnungen zwischen Mensch und Tier.

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          Um die weitere Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest durch Wildschweine zu verhindern, hat die Hauptstadtregion Latium eine „rote Zone“ im Norden von Rom eingerichtet. In dem 500 Hektar großen Gebiet sind bis auf Weiteres Picknicks in Parks untersagt, auch das Füttern von Wildtieren ist verboten. Bei einem nördlich von Rom aufgefundenen Wildschweinkadaver wurde in der vergangenen Woche erstmals in der zen­tral­ita­lienischen Region das für Wild- wie Hausschweine gefährliche Virus nachgewiesen. Der Erreger ist harmlos für den Menschen, kann von diesem aber auf Tiere zurückübertragen werden. Nun wird das betroffene Gebiet umzäunt. Auch um Müllcontainer in den nördlichen Wohnbezirken sollen Zäune errichtet werden.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Rom leidet seit Jahren unter einer immer schlimmeren Wildschwein­plage. Nach Angaben des italienischen Bauernverbands gibt es in der Hauptstadt und deren unmittelbarer Um­gebung inzwischen rund 23.000 Wildschweine. In ganz Italien wird die Population auf 2,3 Millionen Tiere geschätzt. Auch die Regionen Toskana und Ligurien kämpfen vergeblich gegen die Plage.

          In der Hauptstadt sind die seit Jahren überfüllten Müllcontainer zu Magneten für Wildschweinrotten auf Nahrungssuche geworden. Da die Tiere die Scheu vor Menschen verloren haben, kommt es immer öfter zu Verkehrsunfällen sowie zu gefährlichen Begegnungen. Beim Gang zum Müllcontainer in den späten Abendstunden wurde vergangene Woche eine ältere Frau im Norden Roms von einer Bache angegriffen und musste mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Vereinigungen von Anwohnern mehrerer Wohngebiete im Norden Roms verhängten nach ähnlichen Vorfällen eine „Ausgangssperre“ von 20.30 Uhr bis zur Morgendämmerung.

          Streit um den Müll

          Der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza versicherte, die Behörden verfolgten die Lage „mit höchster Aufmerksamkeit“. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, den Fund von weiteren Wildschweinkadavern zu melden. Pläne der Behörden in verschiedenen Landesteilen, die Wildschweinpopulation durch Ab­schuss zu regulieren, stießen immer wieder auf den Widerstand von Umwelt- und Tierschützern.

          Auch der Plan von Roms Bürgermeister Roberto Gualtieri, die seit Jahrzehnten geplante Müllverbrennungsanlage für die Hauptstadt endlich bauen zu lassen, sorgt für Kritik. Bislang verarbeitet oder entsorgt die Stadt nur zwei Prozent ihres Abfalls auf eigenem Gebiet. Die linkspopulistische Fünf-Sterne-Bewegung lehnt Müllverbrennungsanlagen als „ultimativen Widerspruch zur Kreislaufwirtschaft“ ab und setzt stattdessen auf die Förderung des Recycling. Unter Gualtieris Amtsvorgängerin Virginia Raggi von den Fünf Sternen war es aber nicht gelungen, den Anteil des getrennten und wiederverwertbaren Hausmülls auf mehr als 50 Prozent zu steigern.

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