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Rätselraten in Südafrika : Wo sind die Weißen Haie hin?

Selten gewordener Anblick: Vor der südafrikanischen Küste fotografieren Touristen aus einem Käfig heraus einen Weißen Hai. Bild: Getty

Die Raubfische verschwinden aus den Gewässern am Kap der Guten Hoffnung – sehr zum Verdruss der Tourismusindustrie. Über die Ursachen wird gerätselt. Eine Theorie: Killerwale haben die Weißen Haie vertrieben.

          Über der Haifischbeobachtungsstation von Muizenberg, einem Vorort Kapstadts, flattert die schwarze Fahne. Sie ist das Zeichen für schlechte Sicht. Dunkle Wolken sind aufgezogen; das Meer tobt. Am Kap der Guten Hoffnung steht der Winter vor der Tür. Einige Surfer trotzen in ihren enganliegenden Neoprenanzügen dennoch der schäumenden See. „Shark Spotter“ Monwabisi Sikaweyiya starrt konzentriert durch sein Fernglas. Viel erkennen kann er nicht.

          Thilo Thielke

          Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Sikaweyiya ist einer von 45 festangestellten Haifisch-Beobachtern, die die Küsten in der Nähe Kapstadts im Blick haben. Seine Aufgabe ist es, Wassersportler vor den berüchtigten Weißen Haien zu warnen. Kaum irgendwo auf der Welt tummeln sich so viele der Carcharodon carcharias genannten Jägern, die Alfred Brehm früher als „raubgierige und freßwüthige Geschöpfe“ sowie „Schrecken der Schiffer und Anwohner aller wärmenden Meere“ bezeichnete und die spätestens seit Steven Spielbergs Hollywood-Schocker von 1975 weltweit für wohligen Grusel sorgen.

          Die Hauptnahrung der Raubtiere besteht aus Robben, und rund ums Kap, wo atlantischer und indischer Ozean zusammentreffen, gibt es gewaltige Kolonien mit schätzungsweise 60.000 bis 80.000 Tieren. In Muizenberg wurde 2004 der Club der Haifischbeobachter gegründet, nachdem ein Hai dem 17 Jahre alten Surfer John Paul Andrew das rechte Bein abgebissen hatte, weil er ihn mit einer Robbe verwechselte. Geschäftsleute fürchteten damals um ihre Umsätze und gründeten die „Shark Spotters“, deren Modell seither weltweit nachgeahmt wurde.

          Sollte Sikaweyiya einen Hai entdecken, würden er und seine Leute eilig die weiße Fahne mit der schwarzen Silhouette eines Hais hochziehen – das Zeichen für Alarm und die Aufforderung, umgehend das Wasser zu verlassen – und die Sirene aktivieren. In letzter Zeit musste Sikaweyiya das immer seltener tun. „Keine Ahnung, was hier los ist“, sagt er. „Seit einigen Jahren sehen wir immer weniger Weiße Haie. Vielleicht sind sie weitergezogen.“

          Noch nie so wenig Haie

          Sikaweyiyas Beobachtungen werden von dem Meeresökologen Neil Hammerschlag geteilt. Der Professor von der Universität Miami hat seit Jahren die Aufkommen der furchterregenden Raubfische im Blick und gilt als Koryphäe auf seinem Gebiet. Seit 18 Jahren beobachten Hammerschlag und seine Mitarbeiter die Lage am Kap. Zwischen den Jahren 2000 und 2018 hatten sie rund um die in der False Bay gelegenen Robbenkolonie „Seal Island“ 6333 Haie gesichtet und 8076 Angriffe auf Robben notiert. Allerdings stellen sie seit 2015 einen signifikanten Rückgang fest. Noch nie, so Hammerschlag, seien in diesem Beobachtungsgebiet so wenige Haie aufgetaucht wie in den vergangenen beiden Jahren.

          Das geht aus einer Studie hervor, die Hammerschlag gerade veröffentlicht hat und die im Onlinemagazin „Scientific Reports“ nachzulesen ist: „2017 und 2018 haben wir zum ersten Mal in unseren Untersuchungen längere, das heißt mehr als zehn Tage andauernde Phasen mit kompletter Hai-Abwesenheit gehabt – selbst während der kälteren Monate, wenn die Haivorkommen und ihre Jagdaktivitäten ihren Höhepunkt haben.“ Warum die Weißen Haie in so großer Zahl verschwunden sind, wissen auch die Forscher nicht.

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