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Appell einer entnervten Mutter : Hundebesitzer, mehr Anstand bitte!

Auch Kinder sind genervt davon, dass überall, wo sie spielen wollen, Hundekot liegt. Bild: Adaja Mitternacht, 8 Jahre

Jede Rollerrunde, jeder Weg zum Spielplatz wird zum Slalom um Tretminen. Kennen Hundehalter in diesem Sommer gar keinen Anstand mehr? Eine Mutter macht ihrem Ärger Luft.

          5 Min.

          Eines vorneweg: Ich bin keine Hundehasserin. Ich habe auch nichts gegen Menschen, die sich Hunde anschaffen. Und das sind seit der Pandemie eine ganze Menge: Familien, die sich wünschen, dass ihre Kinder lernen, Verantwortung für jemanden zu übernehmen, ältere Menschen, die etwas gegen ihre Einsamkeit tun wollen. Oder Berufstätige, die auf diese Weise trotz viel Schreibtischarbeit dreimal am Tag rausgehen. So weit alles gut. Jedem sei sein Haustier zugestanden. Aber wer sich einen Hund anschafft, der hat auch Verantwortung dafür zu tragen, wie sich dieser in der Welt benimmt. Ein Hund dreht nämlich nicht nur einsam seine Runden im heimischen Aquarium.

          Lucia Schmidt
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Feld- und Gehwege in unserem Ort (und durchaus auch anderswo) allerdings deuten leider zunehmend darauf hin, dass viele diese Verantwortung nicht so wahrnehmen, wie man es sich wünschen würde. Ob das daran liegt, dass es immer mehr Hunde in Deutschland gibt – ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich als Mutter von zwei Kindern jetzt in den Sommermonaten ständig rufen muss: „Vorsicht, Hundekacka“.

          Eklig, unhygienisch, unsozial

          Ich glaube, wir müssen nicht darüber diskutieren, wie eklig, unhygienisch und unsozial es ist, wenn Hundehaufen einfach so in der Gegend rumliegen. Und weil sich darüber die meisten einig sind, gibt es seit Jahren immer mehr Hundeliebhaber, die von ihrer Gassi­runde mit einem Tütchen in der Hand zurückkehren, in das sie die Ausscheidungen ihres Vierbeiners aufgesammelt haben, damit niemand anderes dadurch belästigt wird. Leider gibt es neben der großen Menge vernünftiger und sympathischer Leute wie immer auch welche, die sich nicht benehmen können: Hundebesitzer also, die kein Tütchen einstecken, bevor sie das Haus verlassen.

          Meine Erfahrungen mittlerweile zeigen: Aus Sicht einer Mutter lassen sich die Hinterlassenschaften der Hunde in „unverschämte Hundehaufen“ und in „so richtig unverschämte Hundehaufen“ einteilen.

          Muss das sein? Es ist das Mindeste an Anstand, dass Hundehalte die Hinterlassenschaften ihre Tiers in einer Tüte mitnehmen.
          Muss das sein? Es ist das Mindeste an Anstand, dass Hundehalte die Hinterlassenschaften ihre Tiers in einer Tüte mitnehmen. : Bild: dpa

          Zu den unverschämten zählen für mich alle, die am Wegesrand sind, vielleicht im Feld oder einem Grünstreifen an der Straße. So, dass man nicht unbedingt direkt darüber laufen muss, wenn man auf dem Weg bleibt. Verstehen Sie das nicht falsch, auch die stören mich, weil kleine Kinder gerne mal eine Abkürzung vom Weg nehmen, so manches Mal über ihre Beine stolpern oder am Wegesrand ganz unvermittelt eine Pusteblume pflücken. Aber diese Hundebesitzer haben wenigstens noch so viel Anstand gehabt, nicht ganz deutlich zu demonstrieren: Alle anderen sind mir völlig egal. Wer strikt auf dem Weg bleibt, tritt nicht direkt in den Kot meines Hundes.

          Aber in diesem Sommer fallen mir vermehrt auch Hundehaufen der Kategorie „so richtig unverschämt“ auf. In unserer Nachbarschaft haben Eltern und Kinder eines Kindergartens beschlossen: Sie lassen sich das Verdrecken ihres täglichen Weges nicht mehr gefallen. Und haben ein großes Schild gebastelt mit der Aufschrift „Aus dem Kackweg wird ein Kinderweg“. Und weil offensichtlich schon Kindergartenkindern klar ist, dass ein Schild dreiste Hundebesitzer überhaupt nicht beeindruckt, haben sie sich die Mühe gemacht und ganz viele große und kleine Steine bemalt, um sie am Wegesrand aufzureihen. Dazu haben sie Kinder aus dem Ort eingeladen, es ihnen nachzutun, weitere Steine zu gestalten und an dem Weg zu platzieren. Neben dem Zweck, den es haben sollte, sah es wirklich kunterbunt und fröhlich aus. Aber, und das ist die bittere Erkenntnis einige Wochen nach der Aktion: So manchen Hundebesitzer interessiert nicht einmal dieses Engagement. Man findet mittlerweile Hundehaufen auf den bemalten Steinen. Dazu fällt zumindest mir nichts mehr ein.

          Ähnliche Idee an einem anderen Ort in unserer Nähe. Hier enden Reihenhäuser an einem Feldweg. Kinder fahren Fahrrad, spielen Nachlaufen oder kicken mit dem Ball. Auch ihnen hat es offensichtlich gereicht, dabei ständig darauf achten zu müssen, ob irgendwo ein Hund sein Geschäft verrichtet hat. Also haben sie begonnen – schon vor einigen Jahren –, Schilder zu malen. „Hier ist kein Hundeklo“, stand darauf. Jeden Frühling haben sie die Schilder erneuert und vergrößert. Doch alle Malerei war erfolglos. Man konnte über die Jahre fast den Eindruck gewinnen, ignorante Hundebesitzer ließen sich von solchen Schildern noch anstacheln, genau hier ihren Hund in Ruhe sein Häufchen machen zu lassen – oder ist es einfach die steigende Zahl an Hunden, die hier entlanggeführt wird? Wie auch immer, Sommer für Sommer waren dort Hundehaufen, wo man auch hingeschaut hat.

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