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Hunde in China : An der Leine, nicht in der Pfanne

  • -Aktualisiert am

Zum Fressen gern: Im chinesischen Chengdu, wo Hunde nur noch selten verspeist werden, gibt es ein Schwimmbad für sportbegeisterte Haustiere. Bild: Reuters

Es gibt zahllose Grusel-Geschichten über das Schlachten, Zubereiten und Verzehren von Hunden in China. Immer erfolgreicher kämpfen dort aber Aktivisten für den Tierschutz – auch weil viele Chinesen sich jetzt Haustiere halten.

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          Wenn Frau Liu ihren kleinen Hund Tedi am Grünstreifen entlang des Liangma-Flusses in Peking ausführt, ist er herausgeputzt. Im Sommer trägt er ein Schleifchen im Haar, im Winter ein wärmendes Jäckchen. Und wenn es regnet, trippelt Tedi mit kleinen Stiefeln über die Promenade. Frau Liu liebt ihren Hund über alles. Hundefleisch essen? Nein, das käme ihr nie in den Sinn.

          China gilt als Land der Hunde-Esser. Es gibt zahllose Grusel-Geschichten über das Schlachten, Zubereiten und Verzehren von Hunden. Doch seit chinesische Städter zu Wohlstand gekommen sind und sich ein Haustier leisten, hat sich einiges geändert. Sie lieben ihre Hunde und Katzen. Wer ein Haustier hat, will es hegen und nicht in die Pfanne werfen. Das heißt allerdings nicht, dass in China kein Hunde- oder Katzenfleisch mehr auf den Tisch kommt. Der Verzehr von Hundefleisch ist legal, und in einigen Regionen ganz im Norden und ganz im Süden gilt Hundefleisch weiterhin als Delikatesse. Ein Ort in Südchina feiert sogar jedes Jahr ein „Hundefleisch-Festival“. Doch seitdem Tierschützer mit drastischen Videos auf die oft grausame Haltung und Schlachtung von Hunden aufmerksam gemacht haben, ist auch das Yulin-Festival umstritten. Im vergangenen Jahr wurde schon eine Petition gegen das Festival von elf Millionen Chinesen unterzeichnet.

          In diesem Sommer hat die allgemeine Kritik die Stadtverwaltung von Yulin sogar dazu veranlasst, das Hundefleisch-Festival nicht mehr als solches zu bewerben. Es gab zwar noch Hundefleisch, aber es wurde von Restaurants und Marktständen diskret verkauft. Chinesische Tierschützer feierten einen kleinen Sieg, während sich Verteidiger des Hundeessens über die Einmischung der Tierschützer empörten.

          Wenn die Verteidiger des Verzehrs von Hundefleisch sagen, Hunde zu essen sei eine chinesische Tradition, sei das nicht ganz zutreffend, sagt Guo Peng. Hunde zu essen sei eine Tradition der koreanischen Ethnie in Nordchina, erläutert die Philosophie-Professorin von der Universität Shandong, die zugleich Tierschutz-Aktivistin ist. In China sei es auf dem Land immer die Ausnahme gewesen, Hunde zu essen, weil das Fleisch von Hunden als zu teuer galt und Hunde auf dem Land nicht aufgezogen wurden, um gegessen zu werden, sondern um als Wachhunde zu dienen.

          Hundefleisch-Festival als Tourismus-Attraktion

          Guo Peng hat die Herkunft des Hundefleischs untersucht. Sie fand heraus, dass die Tiere in den Dörfern und Kleinstädten gestohlen wurden. Diebesbanden betäubten die Hunde mit Giftpfeilen und sammelten sie dann ein. Darum sei die Hundefleisch-Industrie in den vergangenen Jahren gewachsen. „Die Hundejäger machen ein gutes Geschäft damit, Hunde zu stehlen und zu verkaufen.“

          Auch in der Stadt Yulin ist es keine Tradition, Hunde zu essen. Das Hundefleisch-Festival sei erst vor ein paar Jahren als Tourismus-Attraktion erfunden worden, um Besucher anzulocken, sagt Toby Zhang von der Tierschutzorganisation Aita, der im vergangenen Jahr eine Untersuchung in Yulin machte und Hunde-Verkäufer und Restaurantbetreiber befragte.

          Die Zahl der registrierten Hunde in der Hauptstadt Peking ist von 140.000 im Jahr 2002 auf 1,2 Millionen im Jahr 2012 gestiegen.
          Die Zahl der registrierten Hunde in der Hauptstadt Peking ist von 140.000 im Jahr 2002 auf 1,2 Millionen im Jahr 2012 gestiegen. : Bild: dpa

          Chinesische Tierschützer bemühen sich, die Öffentlichkeit mit Aufklärungskampagnen und medienwirksamen Einsätzen zur Befreiung von Hunden und auch Katzen auf das Thema aufmerksam zu machen. Vor einem Monat hielten Tierschützer in der südchinesischen Provinz Guangdong einen Transporter auf, der an die 1000 Hunde und Katzen zur Schlachtung in den Süden bringen sollte. Die Tiere wurden befreit. Den Aktivisten kam dabei zugute, dass der Fahrer des Transporters nicht die nötigen Papiere vorweisen konnte.

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