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Berühmter Hostelhund : Wally ist die beste Werbung

Der Star des Hauses: Hostelhund Wally ist unwiderstehlich. Bild: Ginger Monkey Hostel

Der Haushund eines Hostels zieht dank sozialer Medien ein junges und internationales Publikum in das slowakische Dorf Ždiar. Und er ist nicht nur virtuell, sondern auch in Wirklichkeit ein Ereignis.

          Lara Faithfull hat es gewagt. Die Vierzigjährige aus der australischen Stadt Brisbane hat sich entschieden, zum ersten Mal in ihrem Leben in einem Hostel zu übernachten, und das an einem Ort, an dem man keine Unterkunft für polyglotte Alleinreisende erwarten würde. Das Ginger Monkey Hostel liegt abseits der Touristenströme in Ždiar, einem Dorf mit 1370 Einwohnern in der Slowakei. Nervös sei sie schon gewesen, sagt sie, vor der Ankunft über ihre Gefühlslage in der Herberge am Fuße des bis zu 2150 Meter hohen Kalkgebirges der Belaer Tatra. 

          Doch auch die Vorfreude der Australierin war riesig – vor allem wegen dieses „süßen Hunds“, des Haushunds des Hostels. „Wegen Wally bin ich hierhergekommen“, sagt Faithfull. Eine australische Freundin, die schon einmal hier übernachtet hatte, schwärmte ihr von dem Hund mit dem flauschigen Fell vor. Der Werbeträger des Hostels hat als „Wally Dogster“ mehr als 3500 Facebook-Freunde und fast 1400 Abonnenten auf Instagram. Der Hostelmanager Kieron Exley postet regelmäßig neue Bilder. Ob vor verschneiter Berglandschaft, auf dem Spielplatz vor dem Haus oder mit Gästen beim Picknick: Wally macht immer eine gute Figur.

          In das Frisbee verbissen

          Nicht nur virtuell, auch in Wirklichkeit ist er ein Ereignis. Sitzen Besucher auf der Terrasse, streckt ihnen Wally die orangefarbene Frisbee-Scheibe entgegen, als wolle er sagen: „Wirf!“ Aber hergeben will er das Plastikding dann doch nicht. Die Gäste ziehen und ziehen, Wally hält dagegen. Böse wird der zwölf Jahre alte Hund deswegen nicht. Er bellt nur, wenn er plötzlich allein auf der Terrasse sitzt – bis er ins Wohnzimmer gelassen wird, wo er sich vor Streicheleinheiten kaum retten kann.

          Die beiden Gründer des Ginger Monkey Hostels haben den Hund zusammen mit der Herberge erworben. Die zwei Engländer waren 2007 in die nahe gelegene Stadt Poprad gefahren, um den Kaufvertrag für das Haus zu unterzeichnen. Dabei kamen sie zufällig an einem städtischen Hundezwinger vorbei. Und fanden dort Wally. Welcher Hunderasse er angehört, darüber sind sich die Gäste uneins. Manche sagten, er sei ein Labrador-Spitz, andere wollten in ihm einen Retriever erkennen, sagt Kieron Exley, sein aktueller Besitzer. Umso klarer ist für ihn: „Wally ist das Hostel.“ Das Phänomen habe mit den sozialen Medien erst richtig Fahrt aufgenommen. Um zu zeigen, „ich war hier“, posten viele Besucher lieber Bilder des Aushängeschildes auf vier Beinen als solche des bunt bemalten, optisch ebenfalls interessanten Holzhauses.

          Jeden Tag erhält Exley Angebote von Gästen, die mit dem Hund Gassi gehen möchten. Das ließ sich auch Lara Faithfull nicht entgehen. „Ich habe es geliebt“, sagt sie. Nach sechs Tagen verließ sie dann das Ginger Monkey Hostel Richtung Kroatien. Auf die Tour über den fast 1800 Meter hohen Bergpass Kopské sedlo konnte Wally leider nicht mit – zu anstrengend in seinem Alter. Regen möge er zudem auch nicht, weiß Faithfull von den Spaziergängen zu berichten.

          Viele Australier

          Auch sonst hat der Australierin ihr erster Aufenthalt in einem Hostel mit Gästen, die meist zehn bis zwanzig Jahre jünger waren als sie, gut gefallen. „Eine wundervolle Erfahrung“, sagt sie. Faithfull traf in Ždiar viele Landsleute – der Hostelmanager Exley sagt, Wally habe besonders in Australien eine treue Fangemeinde. Zudem helfe der Umstand, dass die Gastgeber englischsprachig sind. Die anderen Pensionen in Ždiar und Umgebung seien hauptsächlich auf slowakische Gäste ausgerichtet.

          Dank Wally und der internationalen Volunteers, die mehrere Monate lang an der Rezeption des Hostels arbeiten, kommt ein junges und buntes Publikum in den noch weitgehend unbekannten Landstrich. Dreimal schon wurde das Ginger Monkey Hostel zum besten Hostel in der Slowakei gekürt. Die Landessprache lernt man im Hostel in der Tat nicht – schon eher australisches Englisch.

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