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Brutpflege bei Vögeln : Der Schnabel der Welt

  • -Aktualisiert am

Junge Rauchschwalben warten auf ihre Mutter. Bild: Carl-Albrecht von Treuenfels

Für viele Vögel ist es schwierig, ihre Jungen erfolgreich aufzuziehen. Denn immer öfter mangelt es an Nahrung. Was Gartenbesitzer und sogar Autofahrer tun können, um Blaumeise und Co. zu helfen.

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          Die einen errichten ihre Nester am Boden oder auf dem Wasser, die anderen bauen die Unterlage für ihr Gelege in Baumwipfeln, in Gesteinswänden oder sandigen Abbruchkanten. Es gibt kunstvoll geflochtene Bauwerke zwischen Schilfhalmen, in Mauerlöchern und Baumhöhlen, zarte Gebilde in Dornenhecken, gut ausgepolsterte Nistkästen und andere Verstecke, die der Mensch geschaffen hat. Auch mancher Balkon wird zum Brüten auserkoren.

          Für die Vögel herrscht Hochkonjunktur. Zwischen April und August, manchmal sogar bis zum Herbstbeginn, sind sie mit Balz, Nestbau, Eierlegen, Brüten und Füttern der Jungen bis zu deren Ausfliegen und danach beschäftigt. Die etwa 280 regelmäßig in Deutschland brütenden Vogelarten haben ganz verschiedene Formen der Brutpflege entwickelt. Viele achten darauf, dass ihr Nest nicht so leicht entdeckt wird, andere gewöhnen sich an die Nähe von Autos oder Menschen. Vögel zeigen eine immense Variationsbreite bei ihren architektonischen Leistungen und in ihrem Verhalten zur Brutzeit.

          Erst stehen Insekten, später Samen auf dem Speiseplan

          Am wichtigsten für den Erfolg der Jungenaufzucht ist die Ernährungslage. Greifvögel und Eulen sind auf fleischliche Kost angewiesen, ebenso die Insektenfresser unter den Singvögeln. Aber es gibt auch Vegetarier unter den großen Vögeln und den kleinen Sängern. Nicht wenige wechseln ihren Speiseplan: In den ersten Wochen bekommen die Jungen Insektenkost, damit das tierische Eiweiß für eine gute Entwicklung des Knochengerüstes sorgt. Später reichen Samen zum Sattwerden.

          Nestarbeit: Ein  Neuntöterweibchen hat gut zu tun, um die hungrigen Jungen satt zu bekommen. Bilderstrecke
          Nestarbeit: Ein Neuntöterweibchen hat gut zu tun, um die hungrigen Jungen satt zu bekommen. :

          Es gibt auch etliche Arten, deren Altvögel ihre Küken vom ersten Lebenstag an mit einem zum Teil vorverdauten Brei aus Pflanzenteilen hochpäppeln. Die Vögel bauen ihre Nester in der Regel dort, wo sie es nicht weit zu ihren Nahrungsquellen haben und diese möglichst ungefährdet erreichen können.

          Vögel finden immer weniger Nahrung

          Nach dem Ausfliegen der Jungen folgt eine weitere kritische Zeit. Manche werden von den Eltern für weitere Tage oder Wochen mit Nahrung versorgt und lernen nebenbei, selbständig zu werden. Andere sind mit dem Verlassen des Nests auf sich gestellt. Gefährlich kann es für Jungvögel werden, die ihr Nest verlassen, bevor sie fliegen können. Auch bei Singvögeln geschieht das nicht selten. Viele Eltern versorgen sie am Boden bis zum Flüggewerden weiter, nehmen ihnen dann aber nicht, wie vorher im Nest, die Kotballen mit dem Schnabel ab. Die Jungen versuchen, sich zu verbergen, so gut sie können, und machen mit Pieplauten auf sich aufmerksam, die nicht nur die Altvögel hören. Hauskatzen töten jedes Jahr Abertausende Singvögel. Und mancher Jungvogel, der sich im Gras verbirgt, wird zum Opfer von Rasenmähern. Mehr als 70 Prozent junger Singvögel überleben das erste halbe Jahr nicht.

          Die natürlichen Lebensgrundlagen und die Bedingungen für den Bruterfolg der Vögel haben sich stark verändert. Die Zahl der Insekten ist um bis zu 70 Prozent gesunken. Viele blüten- und samenreichen wild wachsenden Pflanzen verschwinden. Da helfen auch neu gepflanzte Hecken wenig, wenn gleich nebenan alles chemisch vernichtet wird, was die Erträge auf den Feldern mindert. Haben die Vogeleltern für sich zum Frühlingsanfang noch genügend Nahrung in einem Gebiet gefunden, sieht es nach dem Schlüpfen der Jungen oft ganz anders aus. Wie erklärt sich sonst der dramatische Rückgang von Vögeln in den vergangenen 20 bis 30 Jahren? Nicht nur in der Feldflur, wo die Bestände von Rebhuhn, Wachtel, Feldlerche, Goldammer und Hänfling zum Teil bis zu 80 Prozent zurückgegangen sind. Auch auf Grünland, in Parks, auf Friedhöfen und in Gärten singen die Vögel nicht mehr so oft.

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