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Hitzewelle : Eis für Eisbären

Schläftig: eine Eisbärendame im Stuttgarter Zoo Bild: dpa

Die Hitze hat Deutschland fest im Griff - und macht Mensch wie Tier zu schaffen. Aber müssen Eisbären dann nicht unter diesen Bedingungen besonders leiden? Wir haben mit Diplom-Biologin Sabine Haas über Eisbären in der Hitze gesprochen.

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          Frau Haas, schwitzen Eisbären auch so bei diesen Temperaturen?

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Eisbären können nicht schwitzen, das ist ähnlich wie bei Hunden. Sie atmen die Wärme über die Zunge mit ab. Natürlich macht ihnen die Hitze zu schaffen, aber das ist bei unseren Zebras, Antilopen oder Giraffen genauso.

          Aber Eisbären haben ein dickes Fell und leben sonst in der Arktis.

          Die meisten Tiere, die wir hier halten, sind nicht in Alaska oder in Afrika geboren, sondern in anderen europäischen Zoos. Unsere Eisbären kommen zum Beispiel aus der Tschechischen Republik, Wien und Karlsruhe. Die kennen so eine Hitze im Sommer. Selbst in Alaska gibt es Temperaturen um die 20 Grad.

          Was machen Eisbären, wenn ihnen besonders heiß ist?

          Sie nutzen die riesigen Wasserflächen auf dem Gelände, gehen gerne schwimmen. Oder sie graben sich mit den Köpfen und Pfoten eine Kuhle im Sand, denn der Sand darunter ist wesentlich feuchter. Da legen sie sich rein und werden so von unten gekühlt. Zudem bewegen sie sich wenig, wie andere Tiere auch.

          Sabine Haas, Diplom-Biologin im Tierpark „Zoom Erlebniswelt Gelsenkirchen“

          Verschaffen Sie ihnen zusätzliche Abkühlung?

          Ja, Tiere wie unsere Stachelschweine lieben es, abgeduscht zu werden. Und es gibt Eis für sie. Bei den Eisbären wird ein Zehnlitereimer gefüllt, mit Obst, Gemüse, vielleicht einem Fisch obendrauf. Der wird mit Wasser eingefroren, und so bekommen ihn die Eisbären. Für die Orang-Utans wird sogar Fruchteis zubereitet.

          Sind die Eisbären leichter reizbar bei der Hitze?

          Sie verhalten sich anders, sind schläfrig, haben keine Lust aufzustehen, liegen nur im Schatten. Da ist schon eine große Versuchung nötig, um das zu ändern. Bei den Eisbären reicht es da nicht mehr, einen Apfel oder eine Birne ins Wasser zu werfen, da muss schon ein dicker Brotlaib und ganz viel Fisch kommen, damit sie sich bewegen. Die Tiere essen auch wesentlich weniger. Unsere Seelöwen brauchen sonst acht bis zehn Zehnlitereimer mit Fisch. Im Sommer sind drei bis vier Eimer für die ganze Meute schon viel.

          Wie gefährlich ist die Hitze für Tiere wie die Eisbären?

          Da sind die Tiere viel cleverer als wir. Sie trinken mehr, gehen in den Schatten, bewegen sich nicht viel. Anders als die Menschen, die Sport machen, das Trinken vergessen, in der Sonne herumlaufen.

          Wer schwitzt mehr: Pfleger oder Tiere?

          Die Pfleger. Auf vielen Anlagen gibt es wenig natürliche Beschattung. Wenn man da sauber machen muss, wird es schon sehr heiß. Deshalb machen die Pfleger das oft in den frühen Morgenstunden, fangen schon um sechs Uhr an. Um die Pfleger zu schützen, bleibt dann vielleicht auch mal der eine oder andere Haufen liegen.

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