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Hessische Jäger : Mehr Rehe erlegt denn je zuvor

  • -Aktualisiert am

Aufgepasst: Hessens Jäger waren 2020 bei Rehen so zielsicher wie noch nie. Bild: dpa

Für Wildbraten haben die Jäger in der vergangenen Saison ausreichend gesorgt. Von Wildschweinleber sollte der Feinschmecker aber lieber die Finger lassen.

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          In Wald und Flur leben so viele Hirsche und Rehe wie nie zuvor. Das schließt Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Die Grünen) aus der jetzt veröffentlichten Streckenliste des zurückliegenden Jagdjahres. Demnach wurden von den 23.000 Jägern im Land auf einer Jagdfläche von 1,8 Millionen Hektar insgesamt rund 65.350 Wildschweine, 8270 Stück Rotwild und 104.170 Rehe erlegt. Beim Rehwild wurde damit erstmals die Marke von 100.000 Rehen überschritten.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Geht es nach Hinz, würden in der aktuellen Jagdsaison eher mehr als weniger Tiere geschossen, denn die Jagd gilt als dringend notwendig für eine Erholung des stark geschädigten Waldes, die schnelle Wiederbewaldung der entstandenen Kahlflächen und zur Vorbeugung einer Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest. Für den Aufbau eines klimastabilen Mischwaldes müssten die Wildbestände den Kapazitäten des Lebensraumes angepasst werden, appelliert die Umweltministerin. Anpassung bedeutet Verringerung.

          Die Jäger setzen andere Akzente. Ihrer Ansicht nach darf das Wild nicht für Stürme, wochenlange Trockenheit im Sommer und Borkenkäferschäden verantwortlich gemacht werden. Nach Ansicht von Jagdverbandspräsident Jürgen Ellenberger wäre es zudem falsch, aus den hohen Streckenzahlen beim Rehwild generell eine flächendeckend zu hohe Wilddichte abzuleiten.

          Intensive Bejagung der Wildschweine

          Neben der Bejagung von Rot- und Rehwild kommt laut Hinz auch der Reduzierung der Zahl der Wildschweine im Wald eine große Bedeutung zu. „Wegen des drohenden Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest ist die intensive Bejagung ein wichtiger Bestandteil der Präventionsmaßnahmen“, sagt Hinz. Allerdings habe beim Abschuss von Wildschweinen das Niveau der vorangegangenen Jagdperiode nicht erreicht werden können. Daher sei es notwendig, das Schwarzwild weiterhin intensiv zu bejagen. Tot im Wald oder Feld gefundene Wildschweinkadaver müssten auf eine Infektion mit der Afrikanischen Schweinepest untersucht werden, um deren Ausbreitung rechtzeitig zu erkennen.

          Die Jäger weisen allerdings darauf hin, dass viele Wildschweine üblicherweise bei Gemeinschaftsjagden erlegt würden, von denen während der Pandemie viele abgesagt worden waren. Nach einer nicht repräsentativen Umfrage fanden wegen der Pandemie nur die Hälfte der sonst üblichen Gemeinschaftsjagden statt, und die nicht selten mit einer geringeren Zahl von Jägern. Dabei wurden daher zwei Drittel weniger Sauen geschossen als gewohnt.

          Wildschweinleber lieber nicht essen

          Zudem wird den Jägern das Waidwerk durch Jagdgegner erschwert. Zuletzt waren Ende April bei Wiesbaden-Auringen zwei massiv gebaute Hochsitze zerstört und ein dritter angesägt worden, berichtet die aktuelle Ausgabe der Vereinszeitung Hessenjäger. Lob gibt es von Hinz für die „sehr zurückhaltende“ Bejagung des Niederwildes. Insgesamt wurden laut Statistik nur 4100 Hasen, 2600 Kaninchen, 200 Rebhühner und 550 Fasane geschossen. Durch die Veränderungen in der Landschaft und damit der Lebensräume des Niederwildes müsse die Entwicklung einiger Arten sorgfältig beobachtet werden, meint die Ministerin. Sie lobt die Jäger für die Beteiligung an Untersuchungsprogrammen, beispielsweise zur Kontrolle des Feldhasen. Dadurch könnten in Kooperation mit dem Arbeitskreis Wildbiologie der Universität Gießen wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden.

          Hinz bricht bei der Vorstellung der Jagdbilanz eine Lanze für den Genuss nachhaltiger Lebensmittel wie Wildfleisch: „Die Tiere leben stressfrei in der Natur, das Fleisch ist aus der Region“, meint die Ministerin zu Rehrücken und Hirschkeule. Eine Einschränkung gibt es aber dennoch: Auf den Verzehr von Wildschweinleber sollte nach ihrem Ratschlag verzichtet werden, weil das Hessische Landeslabor Anfang 2021 in Stichproben von Wildschweinlebern Spuren von per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) nachgewiesen habe. Der Verzehr einer erhöhten Menge dieser Stoffe könne ein gesundheitliches Risiko darstellen. PFC seien künstlich hergestellte Substanzen, die wegen ihrer vielfältigen Eigenschaften in der Industrie sowie in privaten Haushalten verwendet würden und sich lang in der Umwelt hielten.

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