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Wer geht Gassi? : Wie ein Haustierkauf nicht im Tierheim endet

„Mama, ich will einen Hund!“ – Eltern sollten gut überlegen, ob sie dem Wunsch der Kinder nach einem Haustier nachgeben. Bild: Masterfile

Irgendwann wünschen sich die meisten Kinder sehnlichst ein Haustier. Wird die Anschaffung allerdings nicht gut überlegt, sind Konflikte und Quälereien programmiert.

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          Welches Tier passt zu mir? Die Meerschweinchen sind es ganz sicher nicht, die eine Gruppe lärmender Kinder auf den Münchener Spielplatz geschleppt hatte und zur eigenen Gaudi und zum Todesentsetzen der Tiere die Rutsche runtersausen ließ, wieder und wieder. Passanten schritten ein und informierten das Tierheim. „Aber bis jemand von uns vor Ort ist, ist es für die Tiere oft zu spät“, sagt Judith Brettmeister vom Tierheim und Tierschutzverein München.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Alle Jahre wieder zu den großen Festen sowie vor, während und nach den Ferien herrscht in den mehr als 500 deutschen Tierheimen Hochbetrieb. Brettschneider spricht von „30 Prozent mehr Tieren in der Ferienzeit“. Um Ostern stranden etwa im Münchener Tierheim rund 100 Zwergkaninchen: Sie werden zum Fest als lebende Deko gekauft, dann stellen die Halter fest, dass die pelzigen Spielgeräte doch nicht so spieltauglich sind und Arbeit machen. Also werden die Tiere entsorgt. Manchmal gibt es einen fiependen Fund im Abfall, einen mitfühlenden Müllmann und eine rührende Randnotiz in der Zeitung.

          Beim Tierschutz ist noch viel Luft nach oben

          Unvergessen ist ein Zeitungstermin vor vielen Jahren für die „KirchenZeitung“ Aachen: Der Beitrag über den „Verantwortungslosen Umgang mit Tieren als Teil der Schöpfung“ sollte bebildert werden. Münsterlandmischling Malte wurde gecastet, mit Leckerlis bestochen und an einer Raststätte festgemacht, der Fotograf zog sich für das gestellte Motiv „Ausgesetzter Hund“ ins Gebüsch zurück.

          Die Aufnahmen auf dem stark frequentierten Rastplatz an der A 4 zogen sich hin. Leute parkten, starrten auf den ganz offensichtlich ausgesetzten, jaulenden Hund, schüttelten den Kopf, fuhren weg. Erst nach einer geschlagenen halben Stunde näherte sich ein junges Pärchen, umkreiste das Tier, band es los und machte Anstalten, Hilfe zu holen. Der Fotograf klärte die Situation auf.

          Beim Tierschutz ist also noch viel Luft nach oben. Ganz zu schweigen von Promi-Hündchen, die als Accessoire durchs Blitzlichtgewitter getragen werden, oder Affen, die mit infantilen Popsängern durch die Welt fliegen müssen. Artgerechte Haltung buchstabiert sich anders.

          Ein Hund freut sich über Sozialkontakt und einen vollen Napf

          Dabei tun Tiere Menschen gut, holen Demente aus ihrer Versteinerung, bringen Couchpotatoes auf Trab und entspannen Alltagshektiker. Jüngst wurde belegt, dass Katzenschnurren den Cortisolspiegel senkt. Natürlich ist es erhebend, von Waldi, der heute anspruchsvoll Justus heißt, jederzeit überschwänglich begrüßt zu werden. Den Hund stört Frauchens Strubbelfrisur und Herrchens Knoblauchfahne nicht die Bohne. Der freut sich über Sozialkontakt und einen vollen Napf. Dünkel ist Tieren fremd. Das tut in einer ichzentrierten Gesellschaft ungemein gut.

          Gerade Kinder profitieren vom Umgang mit Tieren. Belege liefern aktuell Psychologen der Universität Bonn: Kinder, die mit Tieren aufwachsen, schlichten Konflikte, haben bessere Noten und können sich gut in andere hineinversetzten. Verantwortung für ein anderes Lebewesen zu übernehmen und für dieses regelmäßig Aufgaben zu erledigen, stärkt das Selbstbewusstsein und das Großwerden. Zumal es dafür jede Menge Schnurren, Schwanzwedeln, Anschmiegen, also direkte Rückmeldungen ohne angestrengte Pädagogik gibt.

          So erfährt der Nachwuchs bedingungslose Zuwendung und Anerkennung, auch wenn es mit der liebsten Freundin schlecht läuft. Purzel ist ein versemmelter Mathetest schnurzpiepegal. Damit dieses Zusammenleben eine Erfolgsgeschichte wird, sollten Eltern sorgfältig überlegen, welches Tier in ihre Familie und zum Alter und Temperament des Kindes passt.

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