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Immer volle Backen : „Hamster sammeln so viel, wie es geht“

  • -Aktualisiert am

Ein Feldhamster in seinem Bau. Bild: dpa

Die Bundesregierung empfiehlt, Vorräte für schlechte Zeiten anzuschaffen. Kleinsäugerexperte Peter Fritzsche erklärt, warum man dabei vom „Hamstern“ spricht – und wie viel Nahrung ein echter Hamster hamstert.

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          Herr Fritzsche, das neue Zivilschutzkonzept der Bundesregierung, das an diesem Mittwoch im Kabinett beraten und vorgestellt werden soll, enthält eine Empfehlung an die Bürger, Vorräte für den Katastrophenfall anzulegen. Sie beschäftigen sich mit dem Verhalten von Kleinsäugern und können uns sicher ein paar Fragen zum Hamstern beantworten.

          Gern, der Zeitpunkt ist ja günstig: Wir haben gerade das „Jahr des Feldhamsters“. Allerdings müssen wir hier spezifizieren, denn es gibt insgesamt über 20 verschiedene Hamsterarten. Die bei uns verbreitete Art ist jedoch tatsächlich der Feldhamster, dem dieses Jahr gewidmet ist.

          Wer legt fest, welchem Tier diese Ehre zuteil wird?

          Das macht die „Schutzgemeinschaft Deutsches Wild“, die sich für den Schutz von Natur und Wildtieren einsetzt. Zum „Tier des Jahres“ werden in der Regel Tiere ernannt, die bei uns heimisch und vom Aussterben bedroht sind.

          Die Bundesregierung empfiehlt, wieder Lebensmittel auf Vorrat zu kaufen. Umgangssprachlich wird das als „Hamstern“ bezeichnet. Aber wie ernähren sich Hamster eigentlich? Wie sammeln sie, was haben sie auf Vorrat, was fressen sie? Und gibt es noch weitere Tiere mit ähnlichem Ernährungsverhalten?

          Die Feldhamster, von denen wir hier sprechen, nehmen vorwiegend Getreide und andere Pflanzenteile in ihre Backentaschen auf und tragen sie in ihren Bau, wo sie die Nahrung dann als Wintervorrat lagern. Nur Hamster verfügen über diese speziellen Backentaschen, um das Bevorraten zu erleichtern. Deshalb auch der Begriff „Hamstern“ im Zusammenhang mit der Lagerung von Vorräten.

          Wie viel Nahrung sammeln die Tiere? Und wann machen sie das eigentlich?

          Peter Fritzsche von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
          Peter Fritzsche von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg : Bild: privat

          Das Sammeln beginnt im Sommer. Im Mai kommen die Tiere aus ihrem Winterbau und paaren sich. Im Spätsommer wird mit dem Eintragen der Pflanzenteile begonnen, und Ende September beginnt dann schon wieder der Winterschlaf. Durchschnittlich sammeln die Feldhamster ungefähr fünf Kilogramm Nahrung für den Winterschlaf, zum Überleben notwendig sind zwei bis vier Kilogramm. Allerdings gibt es auch Extremwerte. Nachgewiesen sind zum Beispiel Fälle, in denen einzelne Tiere bis zu 50 Kilogramm Nahrung eingetragen haben.

          Hamster gehen also auf Nummer sicher?

          Dafür gibt es bei Feldhamstern eine genetische Disposition: Sie neigen dazu, so viel zu sammeln, wie es nur geht. Deshalb wurden die Tiere früher auch als Schädlinge bekämpft. Sie haben so viel Nahrung gesammelt, dass die Ernteerträge teilweise geringer wurden. Die großen Erträge werden übrigens hauptsächlich von Männchen eingetragen. Das liegt daran, dass die Weibchen mit anderen Aufgaben beschäftigt sind, vor allem der Aufzucht der Jungen, und nicht die Zeit und Kraft haben, sich der Nahrungssuche so intensiv zu widmen.

          Winterschlaf von September bis Mai - das ist ein ganz schön langer Zeitraum. Wie kann man sich das vorstellen?

          Die Feldhamster schlafen nicht den gesamten Zeitraum durch, sondern immer nur fünf bis 14 Tage. Dann unterbrechen sie den Winterschlaf zur Nahrungsaufnahme. Es gibt kaum Nagetiere, die durchschlafen. Bei kleinen Säugetieren ist das Verhältnis von der Oberfläche zum Volumen sehr ungünstig, um den Winter zu überdauern. Zwerghamster beispielsweise machen gar keinen Winterschlaf, weil sie zu viel Wärme abstrahlen und Energie verlieren würden, wenn sie keine Nahrung aufnähmen.

          Wo lagern Hamster die gesammelte Nahrung, wenn sie sich auf den Winterschlaf vorbereiten? Im Bau?

          Ja, das Bausystem ist in der Tat sehr stark verzweigt. Es gibt spezielle Kammern, also Speicher, in denen die Nahrung gelagert wird. Sie sind abgegrenzt von dem Bereich, in dem die Tiere schlafen. Dabei muss man bedenken, dass der Feldhamster mit dem Problem der klimatischen Bedingungen in unseren Breiten konfrontiert ist. Einerseits ist es hier gerade noch warm genug für die Feldhamster, ihre nördliche Verbreitungsgrenze erreichen sie bei uns. Andererseits führen die zuletzt wärmeren Winter bei uns dazu, dass es mehr Feuchtigkeit gibt, die wiederum die gelagerte Nahrung angreift. Das macht es auch so schwer, die Feldhamsterpopulation in unseren Breiten aufrechtzuerhalten.

          Die Bundesregierung legt den Bürgern für den Ernstfall nahe, unter anderem Zwieback, rohe Nudeln, Hafer- oder Getreideflocken sowie Trockenpflaumen zu bevorraten. Wären das auch passende Nahrungsmittel für den Hamster?

          Sie würden sicher ebenfalls Zwieback, Hafer- und Getreideflocken mögen, auch Trockenpflaumen. Selbst bei den rohen Nudeln könnte ich mir das noch gut vorstellen.

          Was ist mit dem Posten Bockwürstchen im Glas oder in Dosen?

          Da sieht’s schlecht aus. Ohne Öffner werden die Tiere da wohl nicht rankommen.

          Peter Fritzsche ist Experte für Kleinsäuger am Zoologischen Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

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