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Hahnenstreit in Frankreich : Le coq est fort

Frühaufsteher: Corinn Fesseau mit ihrem „stockdummen“ Gockel Maurice Bild: AFP

Stellt morgendliches Hahnengeschrei eine unzumutbare Lärmbelästigung dar? In Frankreich wird das gerade vor Gericht geklärt – und das Land schaut gebannt zu. Nur ein „stockdummer“ Hahn ist zu müde für die Verhandlung.

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          Frankreich verfolgt gebannt einen Gerichtsstreit über die Frage, ob morgendliches Hahnengeschrei eine unzumutbare Lärmbelästigung darstellt. Dieser Meinung ist ein Rentnerehepaar, das daran Anstoß nimmt, in seiner Urlaubsresidenz auf der Atlantikinsel Île d’Oléron allmorgendlich vom einem laut krähenden Hahn aus dem Schlaf gerissen zu werden. Die einheimische Hahnbesitzerin, Corinne Fesseau, versteht die Aufregung über ihren Maurice nicht. Er sei halt ein Frühaufsteher, der es gewohnt sei, die Hühner energisch zu wecken. Außerdem sei er stockdumm und leider nicht davon abzuhalten, nach dem Aufwachen laut zu krähen, sagte sie.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Hahnenschreie gehörten zum ländlichen Leben in Frankreich. Diese Aussage unterstützten mehr als 36.000 Leute aus der Umgebung mit ihrer Unterschrift unter eine entsprechende Petition. Auch vom Bürgermeister der Insel-Gemeinde Saint-Pierre-D’Oléron erhielt sie Rückendeckung. Der Kommunalrat verabschiedete einen Beschluss, wonach die Insel „für ihren ländlichen Charakter“ bekannt sei und die Einheimischen deshalb das Recht hätten, sich Hühner und Hahn zu halten. So verbirgt sich hinter dem kurios anmutenden Rechtsstreit die durchaus seriöse Frage, ob das Ruhebedürfnis der Urlauber wichtiger ist als die Sitten der Einheimischen.

          Corinne Fesseau hatte zunächst angedroht, Maurice zur Gerichtsverhandlung ins Amtsgericht von Rochefort mitzubringen. Dann kam sie jedoch ohne ihn, denn er sei „zu müde“ gewesen. Der Richter appellierte an die Streitparteien, eine gütliche Lösung zu finden und vertagte die Verhandlung auf den 4. Juli.

          Schon 1995 hatte das Berufungsgericht in Rochefort einen langjährigen Hahnenstreit schlichten müssen. In der Urteilsbegründung hieß es damals: „Der Hahn ist ein harmloses und stupides Tier, das noch nie dressiert werden konnte, nicht einmal für einen chinesischen Zirkus.“ Deshalb müsse es auch frei krähen können.

          Der Anwalt des Rentnerehepaars sagte, seine Mandanten wollten „nur Ruhe und Frieden“. Schließlich liege die Ferienwohnung der Rentner in einem Mehrfamilienhaus: „Wir sind nicht auf dem Land.“ Das sieht Fesseau ganz anders. Sie habe seit Kindesbeinen einen Hahn krähen hören, das gehöre dazu, da müssten sich die Urlauber anpassen.

          Der Bürgermeister des nahegelegenen 400-Seelen-Dorfs Gajac, Bruno Dionis du Séjour, kündigte gar an, das Hahngekräh auf dem Land als „nationales Kulturerbe“ unter Schutz stellen lassen zu wollen. Der Hahn ist das Wappentier Frankreichs. Der Komiker Coluche sagte einmal, die Franzosen hätten sich wohl bewusst ein Federvieh gewählt, das vor Freude krähe, wenn es mit den Füßen in der Scheiße stehe.

          Der Richter schlug nun vor, dass sich Fesseau und das Rentnerehepaar bei einem Gläschen zum Apéritif treffen sollten. Das habe noch die ärgsten Streithähne versöhnt.

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