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Schließungen wegen Corona : Haben Zootiere ihre Besucher vermisst?

  • -Aktualisiert am

Wer sich hier mehr nach Kontakt sehnt, darüber ließe sich streiten: Tiger in einem Privatzoo in der Nähe von Kiew mit seiner Pflegerin. Bild: AFP

Weltweit waren oder sind Zoos wegen der Corona-Pandemie geschlossen. In Deutschland öffnen auch die Zoos wieder. Ein einmaliger Moment für die Frage: Mögen Zootiere ihre Besucher?

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          Das Eisbär-Mädchen im Zoo Hannover wusste lange nicht was das ist, Besucher. Im November ist es geboren, im März, da war schon Corona-Alarm, kam es zum ersten Mal raus aus seiner Wurfhöhle. Niemand sah ihm zu, keine Ahs und Ohs bei jedem Tapser. Das ist nicht normal, jedenfalls nicht für in Hannover geborene Eisbären, aber natürlich: Das Bärenkind musste das für die Welt halten.

          Weltweit waren oder sind Zoos wegen der Corona-Pandemie geschlossen, und das ist eine Gelegenheit, so einmalig wie die Sichtung eines Java-Nashorns in freier Wildbahn, der selten perfekte Moment nämlich für die Frage: Pflegt das Zootier eine Beziehung zum Menschen? Wenn ja, welcher Art? Ertragen die Tiere ihre Beschauer nur? Interessieren sie sich für sie? Ist da gar Zuneigung?

          Für Max macht es zumindest einen Unterschied, ob da wer ist auf der anderen Seite der Scheibe oder nicht. Max ist Schimpanse und lebt wie die junge Eisbärin in Hannover, nur viel länger schon, 50 Jahre nämlich. Manche Stammbesucher, erzählt Klaus Brunsing, Zoologischer Leiter des Zoos, kennt Max schon in etwa genauso lange. Wenn der Affe sie sieht, kommt er an die Scheibe und legt seine Faust zum Gruß dagegen. Max ist Primat und als solcher eines jener Zootiere, die, sagt Brunsing, besonders auf Menschen reagieren, mit ihnen interagieren. Es sei aber schwer zu sagen, ob Max die Besucher zuletzt gefehlt haben. „Auf jeden Fall war es eine fehlende Beschäftigung.“

          Tiger sprinteten ungewöhnlich häufig

          Es gibt viele solcher Corona-Geschichten aus Zoos auf der ganzen Welt. In Hongkong registrierten sie den ersten Panda-Sex seit zehn Jahren, womöglich auch, hieß es im Zoo, weil die Tiere bei so was lieber unbeobachtet sind. Der Zoo in Neu-Delhi meinte gleich mehrere Auffälligkeiten bei seinen Tieren festzustellen: Die scheuen Füchse sprangen frei umher, die Nilpferde hüpften „glücklich“, so hieß es, ins Wasser, Tiger sprinteten ungewöhnlich häufig. Ein anderes Bild dagegen im Zoo in Baltimore: Dort wurde über Schimpansen berichtet, die sich langweilten, und über Aras, die energischer schrien, als wollten sie Aufmerksamkeit. Und aus dem Berliner Tierpark war zu hören, den Tieren seien die fehlenden Menschen „vollkommen egal“, ihr Leben gehe ja weiter.

          Zumindest die Kamera hat die ersten Schritte des Hannoveraner Eisbärbabys festgehalten.

          Zusammengefasst sieht die Welt in geschlossenen Zoos ungefähr so aus: Zootiere genießen die Ruhe oder tun das komplette Gegenteil. Womöglich stimmt also beides nicht, und vielleicht ist das alles hier, dieser Text, die Berichte aus Zoos, ein besonders schwerer Fall von Anthropomorphismus, eine extreme und extrem falsche Vermenschlichung von Tieren. Jörg Junhold, Direktor des Leipziger Zoos, glaubt zwar auch, dass den sozialeren Tieren, den Menschenaffen, den Elefanten, etwas gefehlt hat, als sein Zoo geschlossen war. „Aber es gibt weniges, was wir sicher wissen“, sagt er.

          Sicher wisse man, dass Zootiere einen geregelten Tagesablauf haben und den auch einforderten; es ihnen also nicht passe, wenn die Showfütterungen ausfielen. Und sicher ist sich Junhold auch: „Wenn wir unsere Arbeit gut machen, fühlen sich die Tiere durch uns nicht gestört.“ Das habe schon alles seine Ordnung, auch aus Sicht der Tiere: deren Revier auf der einen, das der Menschen auf der anderen Seite von Zäunen und Scheiben.

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