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Tierumsiedlung in Zimbabwe : Flucht vor der Dürre

Opfer der Dürre: Zimbabwes Elefanten verenden qualvoll. Bild: Imago

Einst waren die Wilderer ihr größter Feind, jetzt ist es die Dürre: In Zimbabwe und Botswana verenden viele Tiere qualvoll. Um das Schlimmste zu verhindern, sollen einige Tiere nun umgesiedelt werden.

          2 Min.

          Es sind wieder einmal Bilder des Grauens aus Zimbabwe: abgemagerte Elefanten, die vor den Wasserlöchern verenden. Geier und Marabu-Störche, die unter der flirrenden Sonne kreisen und sich über die Kadaver hermachen. Mehr als 120 Elefanten sollen binnen Wochen qualvoll verendet sein. Die meisten kamen in dem größten Nationalpark des Landes, Hwange, unweit der berühmten Victoria-Fälle zu Tode. Eine Dürre setzt dem bitterarmen Land im südlichen Afrika zu. In den Städten wird das Wasser rationiert, in den Nationalparks versiegen die Wasserlöcher. Doch nicht nur Zimbabwes einzigartige Tierwelt leidet. Im benachbarten Botswana sollen in den vergangenen zwei Monaten allein im Chobe-Nationalpark 100 Elefanten an Wassermangel zugrunde gegangen sein.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Um das Schlimmste zu verhindern, plant die Regierung in Harare nun die größte Tierumsiedlung in der Geschichte des Landes. „Wir werden 600 Elefanten verlegen“, sagt Tinashe Farawo, Sprecher der staatlichen Wildtierbehörde Zimparks. „Außerdem werden zwei aus jeweils fünf bis zehn Tieren bestehende Löwenrudel verlegt, ein Rudel Wildhunde, 50 Büffel, 40 Giraffen und 2000 Impala-Antilopen.“

          Begonnen werden soll die Umsiedlung mit Beginn der Regenzeit, die für Mitte November erwartet wird. Nur so könne gewährleistet werden, dass die Tiere auch in ihrem neuen Habitat genug Nahrung finden, um zu überleben. Das Gebiet, aus dem die Tiere umgesiedelt werde sollen, ist die Save Valley Conservancy – ein Schutzgebiet im Süden Zimbabwes. Das Gebiet leidet seit Jahren unter einer zu hohen Anzahl an Tieren. Das Ziel der Umsiedlung sind weniger dicht bevölkerte Nationalparks im Norden, rund tausend Kilometer entfernt.

          Überpopulation in Schutzgebieten

          Besonders für die Elefanten ist eine derartige Umsiedlung enorm stressig. Ganze Familien werden aus der Luft betäubt, dann mit Kränen auf Lastwagen gehievt, dort wieder zu Bewusstsein gebracht. Danach haben sie eine rund zwei Tage lange Tour in der Enge eines Containers vor sich. Dennoch dürfte die nun geplante Aktion die einzige Chance für die Tiere sein. Seit Jahren klagen Artenschützer über eine zu hohe Dichte besonders von Elefanten in den Schutzgebieten. Der Afrikanische Elefant frisst am Tag bis zu 200 Kilogramm Grünzeug und säuft rund 150 Liter Wasser. Zwar fallen viele Vertreter der Gattung Loxodonta africana Wilderern zum Opfer, die es auf das vor allem in Asien begehrte Elfenbein abgesehen haben, doch in den Schutzgebieten und Nationalparks, die besonders gut geführt werden und über effiziente Antiwilderer-Einheiten verfügen, steigt die Zahl der Tiere mangels natürlicher Feinde.

          Derzeit sollen in Zimbabwe mehr als 80.000 Elefanten leben, in Botswana mehr als 130.000. Damit beherbergen diese beiden Länder allein rund zwei Drittel aller afrikanischen Elefanten. In ganz Afrika, wo einst 20 Millionen Elefanten gelebt haben sollen, sind es nach neueren Zählungen noch rund 350.000. Besonders drastisch wurde die Zahl der Savannen-Elefanten in den vergangenen Jahrzehnten in den ostafrikanischen Ländern Kenia und Tansania dezimiert, noch stärker wurden die Waldelefanten in Zentralafrika gejagt. Durch die Ballung vieler Elefanten in wenigen sicheren Gebieten kollabieren dort die Ökosysteme. Zudem verlassen immer mehr Elefanten auf der Nahrungssuche ihre Reservate. In den vergangenen fünf Jahren, so Nationalparksprecher Farawo, seien rund 200 Menschen in Zimbabwe durch Wildtiere ums Leben gekommen – oft, weil sie versuchten, ihre Maisfelder gegen die hungrigen, tonnenschwere Kolosse zu verteidigen.

          Die Save Valley Conservancy ist ein Zusammenschluss verschiedener Schutzgebiete, die ohne Zäune miteinander verbunden sind. Ein Teil davon gehört dem Hamburger Kaufmann Willy Pabst, der Anfang der neunziger Jahre das Sango-Wildschutzgebiet aufgebaut hat. Es ist 600 Quadratkilometer groß und beherbergt rund 210.000 Säugetiere. Pabst fordert seit Jahren mehr Unterstützung bei der Umsiedlung von Tieren in Gegenden, die dünner besiedelt sind. „Die Elefanten fressen alles kahl“, klagt er. Im vergangenen Jahr organisierte er schon eine Umsiedlung von hundert Elefanten an den Sambesi. Ein Jahr zuvor hatte er versucht, Elefanten ins benachbarte Moçambique zu transportieren, wo kaum noch Elefanten in freier Wildbahn zu finden sind – zimbabwische Soldaten verhinderten die Umsiedlung in letzter Sekunde.

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