https://www.faz.net/-gum-9mv9v

Giraffenjagd in Afrika : „Die Liebliche“ ist bedroht

Bald nur noch in Gefangenschaft zu sehen? Giraffe in Kenia Bild: Birger Meierjohann / Kenya Tourism Board

In Afrika werden Giraffen von Wilderern gejagt – und als Rindfleisch verkauft. Kunden können den Unterschied kaum bemerken. Dem Tier droht ein trauriges Schicksal.

          Die Artenvielfalt ist vor allem durch Umweltverschmutzung bedroht. In Afrika allerdings sind der größte Feind der einzigartigen Tierwelt immer noch Pulver und Blei und der Mensch. Sogar die Giraffen geraten nun in Not. „Ihre Existenz in der Wildnis ist bedroht wie die der Löwen, Nashörner und Elefanten“, schreibt Andreas Wilson-Späth vom Conservation Action Trust in der südafrikanischen Zeitung „Sunday Argus“. Aber sie bekämen viel weniger Aufmerksamkeit.

          Thilo Thielke

          Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Dabei nimmt die Zahl der Paarhufer auf dem Kontinent so stark ab, dass Giraffa camelopardalis mittlerweile sogar vom Aussterben bedroht ist. Der Artenschützer Francois Deacon von der University of the Free State in Bloemfontein glaubt, dass in 30 Jahren keine frei lebenden Giraffen mehr in Afrika zu sehen sein werden. Man werde das Wappentier Tansanias dann allenfalls noch im südlichen Afrika bestaunen können – „in Gefangenschaft und in Zoos“. Zahlen der Weltnaturschutzunion IUCN bestätigen die Sorgen der südafrikanischen Wildtierfachleute. Demnach hat die Zahl der Giraffen in Afrika innerhalb der vergangenen drei Jahrzehnte um 36 bis 40 Prozent abgenommen: von ungefähr 157.000 im Jahr 1985 auf rund 97.500 im Jahr 2015. Seit 2016 stehen die Tiere, die in die vier Arten Nord-, Süd-, Massai- und Netzgiraffe eingeteilt sind, als „gefährdet“ auf der Roten Liste.

          Dem Tier, dessen Name vom arabischen Wort „zurafa“ („die Liebliche“) stammt, droht ein trauriges Schicksal. Über die Herkunft der Giraffe wusste der arabische Weltreisende und Philosoph Abu al-Hasan Ali ibn al-Husain al-Mas’udi (895–957) einst zu berichten: „Einige sind der Ansicht, dass sie ursprünglich vom Kamel abstammt, andere meinen, sie sei das Ergebnis einer Kreuzung zwischen Kamel und Leopard, und wieder andere glauben, dass es sich um eine eigene Tierart handelt, wie Pferd, Esel und Rind.“ Zwischenzeitlich hatten sich selbst in Deutschland die Namen Kamelopard und Kamelparder für die friedvollen Geschöpfe mit den langen Hälsen eingebürgert.

          Besonders schutzbedürftig

          Seit die IUCN Alarm schlug und die Tiere als besonders schutzbedürftig klassifizierte, hat sich die Lage kaum gebessert. Wilderer setzen den Tieren weiter zu. Das Bevölkerungswachstum verschlimmert das Problem noch, denn immer mehr hungrige Menschen greifen auf Wildfleisch der Giraffe zurück. So hatten vor einiger Zeit kenianische Artenschützer von der African Wildlife Foundation (AWF) anhand einer DNA-Analyse Giraffenfleisch in Schlachtereien in Voi, Sultan Hamud and Emali entdeckt, wo es als Rindfleisch angeboten wurde. Wenn es unter Rindfleisch gemischt werde, sei das Giraffenfleisch vom Kunden kaum als solches zu identifizieren, sagte der stellvertretende AWF-Direktor Philip Muruthi der kenianischen Zeitung „Saturday Nation“.

          Ein weitaus größeres Geschäft noch dürfte der Schmuggel ins Ausland sein. Mittlerweile soll Tierschmuggel nach Drogen- und Waffenhandel die drittgrößte Einnahmequelle von Verbrecherbanden und Terrormilizen sein. Selbst in den Vereinigten Staaten werden Giraffenteile in großem Stil gehandelt. So recherchierte die Tierschutzorganisation Humane Society International, dass auf dem amerikanischen Schwarzmarkt „von Pistolenknäufen und Messergriffen, die aus Giraffenknochen gefertigt werden, bis zu Sakkos, Stiefeln oder sogar Bibel-Covern aus Giraffenhaut“ alles kursiere.

          Viele Überreste afrikanischer Wildtiere werden auch nach China geschmuggelt, wo sie in der traditionellen Medizin zum Einsatz kommen. Das ist kein neues Phänomen und kommt nicht nur in Asien vor. Der ehemalige Frankfurter Zoodirektor Bernhard Grzimek zürnte bereits 1954 in seinem Standardwerk „Kein Platz für wilde Tiere“, einem Tier könne „nichts Schlimmeres passieren, als dass der menschliche Aberglaube sich an es heftet“. Dabei verwies er auf Erfahrungen aus dem angeblich aufgeklärten Abendland: „Die Quacksalber behaupteten, dass Steinbocknieren gegen menschliche Nierensteine hülfen, weil ja der Steinbock immer auf Steinen herumläuft! Murmeltiere wurden vernichtet, weil ihr Fett gegen Tuberkulose wirken sollte, und ähnlich ging es den Saiga-Antilopen in Osteuropa.“

          Lange vorbei jedenfalls scheinen die Zeiten, als der Hamburger Botaniker und Afrikareisende Martin Hinrich Lichtenstein (1780-1857) meldete: „Ich hatte mich zwei Giraffen beinahe auf bequeme Schußweite genähert, als sie mich bemerkten und entflohen. Aber dieses Entfliehen war so über alle meine Erwartungen wunderbar, dass ich vor Lachen, Staunen und Freude fast die ganze Jagd vergessen hätte.“

          Weitere Themen

          Niederlande gewinnen in Tel Aviv, Deutschland Drittletzter

          ESC 2019 : Niederlande gewinnen in Tel Aviv, Deutschland Drittletzter

          +++ Publikumsstimmen machen den Unterschied +++ Ganz Europa lauscht Madonna +++ Hatari halten Palästina-Schals in die Kamera +++ Kobi Marimi singt für Israel und weint +++ Alle Entwicklungen im Protokoll +++

          Alles wie immer

          ESC-Tagebuch aus Tel Aviv (6) : Alles wie immer

          In Tel Aviv findet der Eurovision Song Contest statt. Die meisten Einheimischen interessiert das herzlich wenig. Auch aus dem Ausland sind kaum mehr als 5000 ESC-Touristen angereist.

          Topmeldungen

          Ende der Rechts-Koalition : Österreicher müssen wohl bald neu wählen

          Nach dem Rücktritt von Vizekanzler Heinz-Christian Strache steht Österreich vor Neuwahlen und einer Europawahl mit ungewissem Ausgang. Die CDU-Vorsitzende sieht ihren Kurs bestätigt, Jörg Meuthen von der AfD will der FPÖ nicht „in den Rücken fallen“.

          Bayern München : Der ewige Meister

          Titel Nummer 29: Der FC Bayern gewinnt das Saisonfinale 5:1 gegen Eintracht Frankfurt, die sich mit Mainzer Hilfe dennoch für Europa qualifiziert. Ribéry und Robben treffen zum Abschied: „Ich liebe Euch. Mia san mia.“

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.