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Serie „Wildwechsel“ : Freiheit für den Hirsch!

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Der Vorsitzende des Rotwild Rings Harz im April 2014 vor einer Schauwand mit zahlreichen Hirschgeweihen im Kurhaus in Bad Lauterberg
Der Vorsitzende des Rotwild Rings Harz im April 2014 vor einer Schauwand mit zahlreichen Hirschgeweihen im Kurhaus in Bad Lauterberg : Bild: Picture-Alliance

Der Hirsch ist der König des Waldes. Der König des Waldes? Ein König im Exil im eigenen Land, ein eingesperrter König wohl eher. Rotwild ist ursprünglich eine Wildart des Offenlandes. Es zieht gern über große Flächen. Aber wo es früher aus den Alpen bis in die Isarauen hinunterwandern konnte, um die Winter zu überstehen, wuchern heute Städte, durchschneiden Autobahnen die dichtbesiedelte deutsche Kulturlandschaft. Mountainbiker, waldbadende „Traumpfad“-Wanderer und Ski-Tourengeher durchziehen die Natur. Das scheue Rotwild zieht sich tief in den Wald zurück wie in ein Versteck. Aufgestört selbst im Winter, wenn sein durch wenig Bewegung gesenkter Energieverbrauch normalerweise auch geringeren Futterbedarf bedeutet, frisst es in seinem Versteck, im Wald.

Königliche Preise für die Reviere der Waldkönige

Gegen kurzfristige stärkere Bejagung ist niemand. Aber Drückjagden, bei denen hundert Jäger mit neunzig Hunden durch ein Revier gehen, ähneln eher dem Konzept der verbotenen Hetzjagd. Das Tierwohl wird im Fall des Rotwilds mit Füßen getreten, beklagen verantwortungsbewusste Berufsjäger. Die Forschung beschäftigt sich etwa mit den entsetzlichen Folgen des Schießens von vermeintlich kälberlosen Alttieren. In Wahrheit lösen sich, wie man inzwischen weiß, die Rotwildmütter bei Gefahr bewusst von ihren Kälbern und versuchen, die Hunde und Jäger auf sich zu lenken. Das sehr soziale und rudelbildende Rotwild stößt gleichwohl verwaiste Kälber aus der Gemeinschaft aus.

Sprechen wir von Forstökonomie: Ein Rotwildrevier zu pachten ist für Jäger teurer als eines ohne diese majestätischen Tiere, deren Lebendgewicht zwischen 160 und 250 Kilo liegt, bei einer Schulterhöhe von bis zu 150 Zentimetern. Reviere, in denen viele der Waldkönige leben, erzielen auch königliche Preise, die bis 100 Euro pro Hektar reichen. In einem Revier von 500 Hektar legt der Pächter also pro Jahr 50.000 Euro auf den Tisch des Hauses der Grundbesitzer, nur um jagen zu dürfen.

Entsolidarisierung auf Kosten des Rotwilds

Diese Summe mit einem Forstbetrieb zu erwirtschaften ist schwer. Doch die Jäger, bei denen solche Privilegien mit einem Verständnis der Hege und Pflege dieser Wildart einhergehen, werden weniger. Zu viele mögliche Zeitvertreibe konkurrieren mit der doch sehr kostspieligen, zeitaufwendigen und mitunter mühsamen Jagd. Neue Typen von Jägern scheren im Verhalten innerhalb der revierübergreifend konsensverpflichtenden Hegegemeinschaft aus. Den Mindestabschuss, der sorgfältig nach mehrfachen Bestandstaxationen und Waldgefährdungslageneinstufung für jedes inkludierte Revier festgesetzt wird, überschreiten sie mitunter willentlich um 100 oder auch 200 Prozent. Ernsthaft zur Rechenschaft gezogen werden können sie dafür aufgrund einer Gesetzeslücke nicht.

Das mache aus den Hegegemeinschaften zahnlose Tiger, sagt Thomas Köhrer, die gegen diese Entsolidarisierung auf Kosten des Rotwilds wenig machen könnten. Wenn mehr Bürger wüssten, was dem Rotwild im Zeichen des Klimaschutzes angetan wird, wären sie entsetzt: Der König ist bedroht, es lebe der König, des Waldes.

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