https://www.faz.net/-gum-994jb

Nilgänse : Minder anziehend ist ihr Wesen

  • -Aktualisiert am

Denn er soll die Vögel nicht einsperren. Er soll nur ihren Blick stören. Vogelkundler sagen, dass Nilgänse beim Weiden gern das Wasser im Blick behalten. Es ist ihr Rückzugsort, wenn sie flüchten müssen. Ihnen wird unwohl, wenn sie das Wasser nicht mehr sehen. Erst recht, wenn dort auch noch ihre Nester sind. Die Nilgänse sollen also dazu bewogen werden, die Liegewiese zu meiden. Stattdessen sollen sie auf der anderen Seite des Weihers grasen. Dort ist nämlich auch Platz, und kein Zaun stört die Sicht aufs Wasser. Eigentlich fair. Und so etwas hat auch schon funktioniert, allerdings an einem See in Bayern. Von dort haben sich die Frankfurter die Sache mit dem Zaun abgeschaut. Fachleute haben sie bestärkt: Einen Versuch sei es wert.

Was ist schiefgelaufen?

Nun grasen die Nilgänse aber weiter auf der Liegewiese. Was ist schiefgelaufen? Vielleicht noch gar nichts, sagt der Mann, der von der Stadt als Gänse-Manager angeheuert wurde. Er betreut das Gänse-Monitoring, zählt also regelmäßig durch, wie viele Gänse am Weiher, auf der Liegewiese und auf den neutralen Flächen sind. Bei den Grau- und bei den Kanadagänsen wirke der Zaun schon. Immerhin. Auch die machen Mist. Und sie seien früher mit dem Brüten dran als die Nilgänse. Deren Verhalten ändere sich eventuell noch. Andererseits berichtet der Mann Besorgniserregendes vom Nistverhalten der Nilgänse: Sie nisteten am Boden und auch in Bäumen, in alten Krähennestern oder gar hoch oben auf Hausdächern, weit weg von Gras und Wasser. Die Frankfurter Nilgänse sind anscheinend radikal kompromissbereit. Das macht sie so stark. Und dann haben sie auch noch einen mächtigen Verbündeten.

Das ist der Mensch, der im Park auf der Wiese liegt. Er füttert die Nilgans mit Brot. Eigentlich dumm. Aber die Nilgans ist auch charmant. Ihre Äuglein sind gerahmt von samtdunklem Gefieder in der Form einer Maske, wie sie die Panzerknacker aus dem Comic tragen. Daraus blickt sie wach und teilnehmend. Und nicht immer ist sie auf dem Kriegspfad. Gelegentlich watschelt sie auch friedlich, gar zögerlich umher. Ihre Zutraulichkeit weckt Gefühle, die mit Vernunft nicht zu erklären sind. Dem Leiter des Grünflächenamtes ist das verständlicherweise nicht recht. Er hat zusammen mit dem Zaun eine riesige Tafel aufstellen lassen. Darauf wird das Projekt der Vergrämung der Gänse erklärt, speziell der Zaun. Aber dann heißt es: „Auch Sie können mithelfen! Bitte beachten Sie das Fütterungsverbot!“ Ein Piktogramm zeigt eine undefinierbare Gans mit gierig aufgesperrtem Schnabel, die von Menschenhand Krumen empfängt. Rot durchgestrichen. Nicht machen! Aber die Menschen tun es eben doch.

Der Zaun soll noch bis in den Sommer hinein stehenbleiben. Wenn er die Nilgänse weiterhin nicht beeindruckt, will die Stadt nach anderen Lösungen suchen. Der Jäger hofft, dass er am Ende doch noch ins Spiel kommt. Er betont die Nachhaltigkeit seiner Methode. Er habe sogar mehrere der von ihm erlegten Nilgänse verspeist. „Man muss gut kauen. Es war okay.“ Alfred Brehm notierte seinerzeit, das Fleisch der Tiere sei zäh, „zur Suppe aber vortrefflich zu gebrauchen“.

Weitere Themen

Topmeldungen

Fernsehduell vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Ministerpräsidentin Malu Dreyer (links), SWR-Chef Fritz Frey und CDU-Spitzenkandidat Christian Baldauf

Dreyer und Baldauf im TV-Duell : Ziemlich bissige Kandidaten

In rund einer Woche wählt Rheinland-Pfalz. Im Fernsehduell bringt Ministerpräsidentin Dreyer den CDU-Spitzenkandidaten Baldauf kurz in Erklärungsnot. Die Bilanz ihrer Regierung ist allerdings auch nicht perfekt.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.