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Die achte Plage : Kirche in Reifenberg von Fliegen bevölkert

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Statt Staub sammeln sich in der Sankt-Wendelin-Kirche im rheinland-pfälzischen Reifenberg Häufchen mit tausenden toten Fliegen an. Bild: dpa

In einer Kirche in Rheinland-Pfalz können keine Gottesdienste mehr stattfinden. Nicht, weil die Gläubigen fehlen. Sondern weil Unmassen an Fliegen das Gotteshaus bevölkern.

          Die dünnen Rohre sind übersät mit schwarzen Punkten – mit Fliegen. Toni Hüther deutet auf die langen Metallstangen, an denen die Lampen von der Decke der Kirche hängen: „Ich habe es schon mit einem Besen versucht, ein paar tote Fliegen sind runtergefallen, aber der Rest ist einfach weggeflogen“, erzählt der 69 Jahre alte Hüther, der sich um die heiligen Räume kümmert. Gottesdienste sind hier im Moment nicht möglich. „Die Fliegen sind überall, haben sich in den Haaren der Leute verfangen“, sagt Hüthers Frau Michaela, die Bürgermeisterin des Dorfes. „So etwas habe ich noch nicht erlebt, es ist mir ein absolutes Rätsel.“

          Reifenberg ist ein 800-Einwohner-Dorf in der Südwestpfalz. Gottesdienst ist nur alle zwei Wochen, der Pfarrer muss mehrere Gemeinden bedienen. Vor der Kirche in schlichtem Weiß riecht es nach Landwirtschaft und Viehhaltung. Schafe blöken, Kühe muhen, auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehen Traktoren und landwirtschaftliches Gerät. An der Holztür des katholischen Gotteshauses hängt noch ein Zettel vom Vorabend: „Die Andacht findet heute Abend im Pfarrheim statt.“

          Kühle Kirche als Fliegenfänger

          Durch die gekippten Fenster müssten die Fliegen in die Kirche gelangt sein, vermutet Michaela Hüther. Los ging es Anfang vergangener Woche, als die Temperaturen noch bei über 30 Grad lagen. „Draußen war es den Fliegen wohl zu heiß und trocken“, vermutet Hüther. In der Kirche sei es schließlich immer ein bisschen kühler, die Luft feuchter.

          Schädlingsbekämpfer Jürgen Vettel hält diese Erklärung ebenfalls für wahrscheinlich. „Die müssen da hitzebedingt reingeflogen sein.“ Eine hohe Luftfeuchtigkeit tue ein Übriges, um die Insekten anzulocken.

          Versuchen, mit Besen, Kehrblech und Schädlingsbekämpfer Herr der Plage zu werden: Bürgermeisterin Michaela Hüther und ihr Mann Toni.

          Die Herbstsonne scheint aufs Kirchendach. Ein Summen und Brummen erfüllt den Raum. „So laut war es die letzten Tage nicht mehr“, sagt Toni Hüther und wirft bange Blicke in Richtung Decke. Zwischen der Holzdecke und dem Boden des darüber liegenden Speichers befinde sich ein Hohlraum, gut einen halben Meter hoch, erklärt Hüther. „Gut möglich, dass die Fliegen da ihre Eier ablegen – dann steht uns noch einiges bevor.“ Hüther hat sich eingehend mit der Materie befasst: Neue Fliegen schlüpfen innerhalb von drei Tagen.

          „Alles schwarz vor Fliegen“

          Trotzdem sei es lang nicht mehr so schlimm wie vor einer Woche. Hüther deutet auf die Kante zwischen Wand und Decke. „Da war über die gesamte Länge der Kirche alles schwarz vor Fliegen, ein mindestens zehn Zentimeter breiter Streifen.“ Orgel, Kirchenbänke und Altar hat man vorsichtshalber in Malerfolie gehüllt. Alle paar Tage kehrt Hüther die Fliegenleichen auf dem Boden zusammen. Eins scheint klar: Von allein wird die Kirche so schnell nicht fliegenfrei.

          Am Donnerstag soll deshalb der Kammerjäger kommen. „Man kann das ja so nicht lassen“, sagt die Bürgermeisterin. Mit Biowirkstoff soll eine Spezialfirma den Insekten zu Leibe rücken. „Gottesdienst ist erst wieder Samstag nächster Woche“, sagt Hüther. „Bis dahin haben wir das Problem hoffentlich im Griff.“

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