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Fischsterben in der Oder : „Die Auswirkungen sind furchtbar“

Tote Fische treiben im flachen Wasser des deutsch-polnischen Grenzflusses Oder. Das Fischsterben beunruhigt seit Tagen. Bild: dpa

Das Fischsterben in der Oder könnte zu einem heftigen Streit zwischen Deutschland und Polen führen. Im Nachbarland wurde wohl eine enorme Menge an chemischen Abfällen einfach in den Fluss gekippt.

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          Ein Fischsterben in der Oder, die durch Polen fließt und über etwa 270 Kilometer auch Grenzfluss zu Deutschland ist, droht zu heftigem Streit innerhalb Polens und zwischen den beiden Ländern zu führen. Laut polnischen Medien meldeten Angler und Mitarbeiter der staatlichen Gewässerverwaltung seit dem 26. Juli das Auftreten toter Fische in dem Strom. Am 30. und 31. Juli holten Feuerwehrleute und Angler nahe der schlesischen Stadt Ohlau fünf Tonnen toter Fische aus dem Fluss.

          Gerhard Gnauck
          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Die liberale Zeitung „Gazeta Wybor­cza“ schrieb am Freitag unter Berufung auf Fachleute, als möglicher Verursacher komme das Lösungsmittel Mesitylen infrage. Offenbar schöben sich verschiedene Stellen der Umweltbehörde entlang der Oder die Schuld dafür zu, wo die Chemikalie in den Fluss geraten sei.

          Quecksilberbelastung festgestellt

          Eine Wende trat ein, als das verschmutzte Wasser dann die deutsche Grenze erreichte. Der brandenburgische Umweltminister Axel Vogel (Grüne) sagte am Freitag, in der Oder sei eine Quecksilberbelastung fest­gestellt worden. Man könne aber „zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Aussage treffen, dass Quecksilber ursächlich für den Tod der Fische verantwortlich ist“, sagte Vogel in Schwedt. Möglich sei auch eine Kombination mehrerer Faktoren wie Hitze, geringe Wasserführung und Giftstoffe. „Es kann durchaus sein, dass es sich hierbei um Stoffe handelt, die lange schon in die Oder eingebracht wurden, aber normalerweise bei Mittelwasser überhaupt kein Problem darstellen.“ Aktuell gebe es aber historische Niedrigwasserstände an der Oder.

          Solche geringen Wassermengen führten dazu, dass jeder Stoff im Wasser in einer höheren Konzentration vorliege, sagte Vogel. Es sei inzwischen geklärt, dass Fische auch in Deutschland verendeten und nicht nur bereits verendete Tiere aus Polen angeschwemmt worden seien, sagte der Umweltminister. Der Sprecher von Polens Umwelt­behörde GIOŚ sagte am Freitag, seine neuen Analysen schlössen eine erhöhte Quecksilberkonzentration aus.

          „Die Auswirkungen sind furchtbar“

          Naturschützer gehen von weitreichenden Folgen für den Nationalpark Unteres Odertal aus. „Die Auswirkungen sind furchtbar“, sagte der stellvertretende Nationalparkleiter Michael Tautenhahn am Freitag. „Für den Nationalpark ist das schlichtweg eine Katastrophe.“ Die Vergiftungswelle sei durch die gesamte Oder gegangen. Betroffen seien etwa Zander, Welse, Gründlinge und Steinbeißer. Seeadler und andere Vögel könnten Gift durch tote Fische aufnehmen. Der Nationalpark zählt zu den artenreichsten Lebensräumen in Deutschland.

          Nach Aussagen von Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki geht das Fischsterben offenbar auf die Einleitung von Chemie-Abfällen zurück. „Es ist wahrscheinlich, dass eine riesige Menge an chemischen Abfällen in den Fluss gekippt wurde, in voller Kenntnis der Risiken und Folgen“, sagte Morawiecki in einer am Freitag auf Facebook veröffentlichten Videobotschaft. „Die wichtigste Aufgabe ist es jetzt, den Täter, den Giftmischer zu finden.“ Dies sei kein gewöhnliches Verbrechen, da der Schaden auf Jahre bestehen könne. „Wir werden nicht ruhen, bis die Schuldigen hart bestraft sind.“

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