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Ältestes Faultier der Welt : Faultier aus Halle kommt ins Guinness-Buch

  • Aktualisiert am

Faultier Paula hängt im Zoo in Halle an der Saale von einem Ast herab. Bild: dpa

Paula ist 50 Jahre alt und lebt im Bergzoo Halle. Sie ist das älteste bekannte Faultier der Welt – dafür bekommt sie jetzt einen eigenen Guinness-Buch-Eintrag der Rekorde.

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          Das mit 50 Jahren älteste bekannte Faultier der Welt kommt ins Guinness-Buch der Rekorde. „Wir haben das für Paula beantragt und es wurde bestätigt“, sagte Jutta Heuer, die das Zuchtbuch dieser Tiere für Europa führt, der Deutschen Presse-Agentur vor dem Weltfaultiertag (20. Oktober). Die Zweifingerfaultier-Dame lebt seit 1971 im Bergzoo Halle (Saale) und feierte im Juni Geburtstag. „Es ist kein Exemplar in Zoos oder freier Wildbahn bekannt, das mehr Jahre auf dem Buckel hat.“ Laut Heuer gab es Ende 2018 insgesamt 65 Faultiere in Deutschlands Zoos und 266 europaweit.

          Seit 2010 macht der Weltfaultiertag (20. Oktober) jährlich auf diese zahnarmen Säugetiere und ihre Gefährdung durch die Vernichtung des Regenwaldes in Süd- und Mittelamerika aufmerksam. Sie sind Energiesparmeister, denn ihr Körper läuft auf Sparflamme: Sie brauchen wenig Nahrung und schlafen bis zu 20 Stunden pro Tag.

          Dreifingerfaultiere hätten den langsamsten Stoffwechsel aller Säugetiere überhaupt, sagt Camila Mazzoni vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung. „Den brauchen sie auch, denn ihre Nahrung – Blätter – ist sehr energiearm.“

          Sie können ihre Innentemperatur niedriger halten als andere Säugetiere und auch über Sonne und Baumschatten kontrollieren. „Und sie sind natürlich auch sehr, sehr langsam“, erklärte Mazzoni. Weil Faultiere meist hängend leben, wächst ihr Fell verkehrt herum vom Bauch zum Rücken, damit Regenwasser ablaufen kann. Bis zu zehn Zentimeter lange Krallen geben sicheren Halt – je nach Gattung zwei oder drei an den Vorder- sowie drei an den Hinterbeinen.

          Petra Strecker, Pflegerin im Zoo in Halle an der Saale, füttert Faultier Paula.

          In ihrem dichten Fell leben Milben, Zecken, Käfer und Falter, dank Kotresten, toter Motten und Luftfeuchtigkeit im Regenwald wachsen sogar Grünalgen. „Die energiereichen Algen sind willkommene Zusatznahrung und gute Tarnung“ zugleich, erklärt Heuer. Dank ihrer langsamen Verdauung müssen sie auch nur ein Mal pro Woche ihren Platz in luftiger Höhe verlassen - zum Koten am Boden. Dann sind sie laut Heuer besonders gefährdet. „Sie können nicht laufen, nur kriechen oder robben.“

          Es gibt nur noch sechs bekannte Faultier-Arten

          Nach Angaben von Biologin Mazzoni gibt es noch sechs bekannte Faultier-Arten, die auf Bäumen leben und kopfüber hängen. Es sind die Überlebenden der einst mehr als 100 Faultierarten umfassenden Gruppe. „Die meisten verschwanden am Ende der letzten Eiszeit vor 10.000 bis 12.000 Jahren.“

          Zwei Dreifingerfaultier-Arten sind laut Mazzoni vom Aussterben bedroht: das Kragenfaultier im Atlantikwald Brasiliens und das Zwergfaultier auf einer winzigen Insel in Panama. Abholzung und Brände im Regenwald gefährden auch die anderen Tiere, sie werden auf den durch Rodung entstehenden Inseln isoliert oder bei der Überquerung von Straßen überfahren, erklärt Heuer. „Dazu kommt, dass Einheimische sie gern essen und die Jungen als Haustiere beliebt sind.“

          In Tierparks haben die Vierbeiner mit den kleinen Augen derzeit Konjunktur. „Viele wollen mit der Zucht anfangen“, sagt Heuer. „Aber es sind eben Faultiere, die lassen sich nicht animieren.“ So könne es zehn Jahre dauern mit dem Nachwuchs oder gar nicht klappen. Notfalls, helfe nur ein Partnertausch. Erfolg oder Misserfolg zeigten sich nach elf Monaten Tragezeit.

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